BurningBridges 20180501Die alljährliche Maitour am Ersten des Monats wird entweder traditionell mit Bollerwagen und Getränken durchgeführt oder auch mal abgewandelt nur mit Bewegung oder nur mit Getränken. Allerdings hat uns in den letzten Jahren dieser sogenannte Petrus da fast immer einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht, so dass eine Aktivität außerhalb kaum umzusetzen war. Doch obwohl stürmisches und regnerisches Wetter für diesen ersten Mai angesagt wurden, so blieb der Niederschlag weitestgehend aus, und die Sonne lud ein, dennoch an diesem arbeitsfreien Tag die Natur zu genießen.

Vermutlich eines der Gründe, warum sich auf das "Burning Bridges"-Event nur so wenige eingefunden haben. Von einer Tour konnte da nicht direkt die Rede sein, aber parallele Touren von befreundeten Bands legt man ja nun mal gerne zusammen, und so war auch eine der Haltestellen die Saarbrücker Garage, wo sich drei reisende Bands plus eine Lokalband zusammenfanden und "20 sonnenlose Jahre" feierten.

YAGOW
Die Saarbrücker Newcomer wollten für so manchen nicht ganz so recht ins Billing passen. Umso schöner, dass sie es dennoch geschafft haben und den Horizont der Anwesenden erweitern konnten, wenn es auch nur ca. zwei Dutzend waren, die um 18 Uhr schon parat standen. YAGOW verzichten weitestgehend auf verzerrte Gitarren und setzen mehr auf experimentelle und hypnotische Effekte. Auch Kai Peifer, der zuvor für seinen Monster-Basssound bekannt war, hielt sich sehr zurück mit einem ausgewogenen fundamentalen Sound. Wenn auch etwas zurückhaltend gemischt war die treibende Kraft der Band Schlagzeuger Marc Schönwald, der den ansonsten psychedelischen und verspielten Liedern immer schön die Richtung anzeigte. Zusammen mit dem wabrigen Gitarrensound und der verhallten Stimme von Jan Werner ergab das Ganze ein Bild und bot sich stimmig in einer schönen Lichtdarbietung vor der mehrreihigen beeindruckenden Backline der anderen Bands. Der Applaus der Anwesenden zeigte, dass es doch tatsächlich möglich ist, an einem Abend auch mal eine etwas genrefremde Band unterzukriegen, ohne diese direkt zu miskreditieren.

 

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CHURCH OF MISERY
Von dieser Formation haben manche kaum oder gar nichts gehört, manche kamen hauptsächlich wegen ihnen. Die japanischen Doomster machten schon im Vorprogramm so mancher namhaften Band viel Boden gut durch ihre sehr eigene und unterhaltsame Darbietung. Auch wenn man in der über 20jährigen Karriere schon einige Besetzungswechsel hinter sich hat, so bleibt das Konzept doch immer nahezu gleich.
Auch wenn die Vergleiche zu BLACK SABBATH natürlich unwiderruflich sind - die Stilelemente, der Sound, Sänger Scott Carlson bewegt sich wie Ozzy, aber hat eher eine gewisse Ähnlichkeit mit Tony Iommi - so kann man der Musik aber auch noch mehr entnehmen. Stonerelemente à la CORROSION OF CONFORMITY oder auch klassische Metalanleihen von SAINT VITUS oder COUNT RAVEN sind hier ebenso ab und an präsent, und so gestalten sich ihre Songs auch entsprechend abwechslungsreich. Gepaart mit der sensationellen Erscheinung des Vierers machten diese 50 Minuten schon für einige den Höhepunkt des Abends aus. Diesen Auftritt kann und will man so schnell nicht vergessen, nicht zuletzt wegen der Gestikulation des Frontmanns, der einen fragwürdigen Tabak gedampft hat, und der Erscheinung des Langzeitbassers, der mit seiner eher mädchenhaften Erscheinung den Bass bis auf dem Boden trug. Nur schade, dass sie ihre Interpretation des sensationellen Coversongs "Der Hund Von Baskerville" nicht noch zum Besten gaben für das deutsche Publikum. Dennoch beeindruckend.

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EYEHATEGOD
Über diese Band ist eigentlich jeder Kommentar überflüssig. Erwähnenswert ist nur die Tatsache, dass Sänger Mike Williams nach seiner erfolgreichen Lebertransplantation nichts von seiner Liveenergie verloren hat. Rein äußerlich verändert schnoddert und rotzt er nach wie vor seine Lyrik ins Mikro und wirkt dabei weitestgehend arrogant und unsympathisch, so wie der Rest der Band, insbesondere Jimmy Bower, auch. Aber das ist nicht persönlich zu nehmen, denn das gehört zur Show und zum Image der Band. Der eigenwillige Humor und die ständige Stinkfingerattitüde passt einfach zu den Jungs aus New Orleans, die eigentlich sonst sehr nette Kerle sind. Aber vor gerade mal rund 250 Nasen zu spielen in einer eh schon halb abgetrennten Garage macht dann auch nicht wirklich so viel Laune, zumal das Publikum viel zu verhalten für den Sludge von EYEHATEGOD reagiert und außerdem mal wieder Brian Patton an der zweiten Gitarre fehlen muss. Teilweise ist es zwischen den Songs so leise im Publikum, dass man hören kann, was auf der Bühne gesprochen wird. Der mittlerweile - mal wieder - füllige Bower taut dann aber auch am Ende des Sets wieder auf und verstärkt seine ureigene Darbietung an der Gitarre durch seine Hüftschwungmoves und seine Grimassen. Solange der rauchen kann, ist er eh zufrieden, wenn auch leider nur normale Zigaretten erlaubt sind. Eine Stunde voller Hits später ist es leider schon wieder vorbei, und man freut sich auf die nächste Begegnung in einem kleinen dunklen Kabuff, denn dort gehören EYEHATEGOD hin, wenn es um Liveerlebnis geht.

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HIGH ON FIRE
Die Reihen lichten sich, nicht nur was die Backline der vorigen Bands angeht, sondern auch innerhalb der Zuschauer. Die Meisten von ihnen müssen zwar am nächsten Tag wieder arbeiten gehen, aber 21:30 Uhr ist ja wohl kein Gegner und hat noch nie für Schwund gesorgt. Vielleicht waren die Meisten nach dem Doom und Sludge satt und wollten einfach nicht noch eine weitere Band hören oder sehen. Zu dem Zeitpunkt hatte HIGH ON FIRE aber noch gar nicht zu spielen begonnen, denn kurz danach war eine weitere deutliche Abwanderung bemerkbar. Zum Einen, da wirklich so mancher fest Eingefahrene mit der Musik nichts anfangen konnte, aber eher zum Anderen, dass es auf einmal so dermaßen laut wurde, dass man nicht nur noch unter Schmerzen zuhören konnte, sondern auch, dass selbst bekannte Songs aufgrund der Lautstärke nicht mehr wiederzuerkennen waren.
Zum Glück hatte ich Ohrstöpsel parat, und nachdem ich mir diese bis ins Hirn bohrte, konnte ich die Chose auf Wohnzimmerlevel verfolgen, und das war erste Sahne. Vorzeigeasi Matt Pike hat einen Gitarrensound deluxe, der zwar auch sehr laut, aber dabei ebenso differenziert war. Jeff Matz war wieder in seiner eigenen Welt, auch wenn man seinen Bass mehr spürte als hörte, und Drummer Des Kensel zeigte wieder einmal, dass er zu einem der Besten seiner Art gehört.
Der Anblick des oberkörperfreien Pike war vielleicht nicht jedermanns Sache (erst recht nicht die Kehrseite), aber dennoch gab dieser spielerisch und vor allem gesanglich alles. Seine einzigartige Knarzstimme ist zwar nur indirekt mit der von Lemmy zu vergleichen, kommt aber dennoch sehr nah ran. An der Gitarre macht Pike eh niemand was vor, wenn es auch manchmal so aussah, dass er einfach nur die Finger wahllos über das Griffbrett flitzen ließ, aber dennoch hatte alles Hand und Fuß. Nach Darbietungen von Hits wie "Fury Whip", "Bastard Samurai" und "Snakes For The Divine" war jeder Verbleibende glücklich und zufrieden, und so sah es auch auf der Bühne aus. Verschwitzt und dankbar verabschiedete man sich nach über einer Stunde und machte sich dann wohl zum gemütlichen Teil des Abends auf.

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Erneut freue ich mich, dass es ein solches Package mal wieder ins Saarland geschafft hat, was ansonsten anderen Ländern verwährt bleibt. DIeses Paket bekommt man so schnell nicht wieder vorgesetzt, und für einen Eintrittspreis von unter 30 Euro kann und darf man auch hier wirklich nicht meckern. Der einzige Wermutstropfen war da nur das Ausbleiben des geliebten Heimatbieres an der Theke. Irgendwas ist halt immer. (Jochen)

(Fotos: Klaus)

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