live 20180207 00Nachdem sie 2014 die kanadische Sängerin Alissa White-Gluz in die Band geholt haben und im Zuge der „War Eternal“ Tour die ganze Welt mehrmals betourt haben, sind ARCH ENEMY so etwas wie die Band der Stunde und in den letzten Jahren so etwas wie die erfolgreichste Band des Thrash/Death Metal Genre geworden. Mit der jüngeren Sängerin kann man eben auch ein bisschen im Mainstream-Markt fischen, auf der anderen Seite haben ARCH ENEMY in kreativer Hinsicht mit der Hinzunahme von Jeff Loomis nochmals einen Schub nach vorne gemacht. Kein Wunder also, dass fast alle Konzerte der aktuellen „Will To Power“ Tour ausverkauft waren, in Saarbrücken gab es für die Fans zwar immerhin noch eine Abendkasse, aber auch da schien es mir am Ende so zu sein, dass man nahe am oder vielleicht mit 1400 Zuschauern wirklich ausverkauft war.

Sei’s drum, mit JINJER, TRIBULATION und WINTERSUN gab es neben dem Headliner auch noch ein abwechslungsreiches Vorprogramm, das stilistisch jetzt nicht unbedingt so super zusammen passen wollte, aber des kennt man bereits so oder so ähnlich von früheren ARCH ENEMY Tourneen.

JINJER
Den Auftakt durften gegen 18 Uhr JINJER aus der Ukraine machen, die mit ihrem Modern Metal Mischmasch eher die Außenseiter sein sollten. Wie sie sich geschlagen haben, kann ich nicht sagen, da die Band bereits längst Backstage war als ich um kurz vor 19 Uhr endlich in der Location angekommen war. Konzerte die bereits so früh beginnen, braucht kein Mensch, zum Glück geht dieser Trend außerhalb von Hardcore Shows so langsam aber sicher seinem Ende entgegen.

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TRIBULATION
Für mich ging der Konzertabend dann so richtig erst mit den schwedischen TRIBULATION los, deren aktuelles Album „World Below“ immerhin in den dreißiger Plätzen der deutschen Albumcharts gelandet ist und für das die Band viel positives, aber auch viel negatives Feedback bekommen hat. Betrachte ich diese 40 Konzertminuten, dann kann ich beide Seiten verstehen, TRIBULATION schaffen es zwar einerseits düstere Songs in der Schnittmenge aus Death, Dark und Gothic Metal zu schreiben, die eine gewisse Tiefe und Sogwirkung haben, andererseits wirkt die komplette Performance, bei der auffällig auf Ansagen verzichtet wird, zuweilen einschläfernd und anstrengend. Da wollte der letzte Funke einfach nicht überspringen und man schaute sich die Show eher mit verschränkten Armen als mit Enthusiasmus an. Immerhin war der Sound ganz ordentlich.

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WINTERSUN
Die finnische Melodic Death Metal Band WINTERSUN ist da schon ein ganz anderes Kaliber, wobei die Umschreibung Melodic Death eigentlich viel zu kurz greift, für das, was WINTERSUN seit ihrem Debüt (2004) in unstetiger Zeitfolge so abliefern. Man könnte es auch Progressive Epic Pagan Metal nennen, WINTERSUN bedienen damit nicht nur eine ganze Menge Klischees und Zielgruppen, sondern haben sich im Laufe der Zeit auch einen gewissen Kultstatus erarbeitet, weil sie im Gegensatz zu anderen Bands eben nicht omnipräsent sind.

Und natürlich haben sie mit Jari Mäenpää einen Sänger und Frontmann wie er im Buche steht, er kommt auf die Bühne, legt ein breites Grinsen auf, breitet die Arme aus und die Menge folgt ihm und der Band in den folgenden 60 Minuten und WINTERSUN werden nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Zwar spielten die Finnen gerade mal sechs Songs, zwei von jedem Album, was ein klares Indiz dafür war, dass WINTERSUN keine 0815 Schunkelsongs im Programm haben. Das verleiht dem Gig ähnlich wie bei TRIBULATION eine gewisse Tiefe, nur eben auf fröhliche Art und Weise, und zudem auch noch erstaunlich kurzweilig.

Zudem sind zwei Dinge sehr auffällig, erstens ist die Band super eingespielt, so dass man es etwas besser akzeptieren kann, dass hier doch arg viel an Chören und Keyboards zusätzlich eingespielt wird, zweitens ging einem dieser Typ, der während des gesamten Konzertes mit seiner Kamera über die Bühne lief, mächtig auf die Nüsse. Warum hatte nicht einer der Musiker den Kerl so „aus Versehen“ mal von der Bühne schubsen können. Scheinbar scheinen brauchbare You-Tube Clips heute wichtiger zu sein als vieles andere.

Das soll jetzt aber nicht die Leistung von Jari, Kai und dem Rest der Band schmälern, die völlig verdient von den Fans abgefeiert wurden.

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ARCH ENEMY
Nach WINTERSUN war erst einmal 30 Minuten lang Umbaupause angesagt, währenddessen ich mir interessante Storys meiner Redaktionskollegin Anne über einen Islandkurztrip und über die Bands HAMFERD und KATLA. anhören durfte. Dann war es endlich soweit, ARCH ENEMY kamen nach den Klängen eines „Ace Of Spades“ Intro auf die Bühne, sahen…und machten Dienst nach Vorschrift. Gar keine Frage, ARCH ENEMY sind nach wie vor eine geile und technisch hoch versierte Liveband, aber kaum ein Ausdruck passt auf diese 80 Minuten besser als Dienst nach Vorschrift.

Das betrifft derweil auch sämtliche Facetten des Konzertes, angefangen bei der Setlist, über die Ansagen, die Performance und die Effekte, von denen es erstaunlich wenige gab. ARCH ENEMY sind inzwischen sowohl auf Platte als auch live total in ihrem Fluss drin und inszenieren sich nahezu perfekt, dadurch ist alles aber eben sehr vorhersehbar geworden…siehe auch KREATOR.

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Vom neuen Album „Will To Power“ gab’s logischerweise „The World Is Yours“, „The Eagle Flies Alone“ sowie das wirklich verzichtbare „The Race“, bei dem auch der Sound, der ansonsten ok war, eher mies daherkam. Ein Risiko hätte man eingehen können, indem man die Ballade „Reason To Believe“ gebracht hätte, es wäre spannend gewesen zu sehen, wie Alissa diese Clearvocals bringt oder das progressive „Dreams Of Retribution“, das Highlight des „Will To Power“ Albums.
Hat man aber nicht, stattdessen setzte man auf Standards wie „Ravenous“, „Dead Eyes See No Future“, „We Will Rise“, „Bloodstained Cross“ oder „My Apocalypse”. Klar, alles starke Songs, aber eben auch schon häufig live gespielt und gehört, selbst vom “War Eternal” Album gab‘s die bekannten Sachen wie das Titelstück, “As The Pages Burn” sowie “Avalanche” und auch die Variante „Snowbound“, „Nemesis“ und „Fields Of Desolation“ im kurzen Zugabenblock ist seit vielen Jahren gang und gäbe bei ARCH ENEMY.

Das ist insofern schade, weil die Band auch noch viele andere starke Songs hat und weil bei dieser Kritik etwas zu kurz kommen mag, dass Jeff Loomis sich inzwischen deutlich mehr in den Vordergrund drängen darf als noch bei den Konzerten zum „War Eternal“ Album und dass Alissa White-Gluz nach wie vor das Beste ist, was dieser Band passieren konnte. Wirklich beeindruckend, was diese junge Dame Abend für Abend abzuliefern hat und tatsächlich auch in der Lage ist abzuliefern, ich bin gespannt wie viele Jahre sie das so mit dieser Energie noch wird durchziehen können.

Interessant übrigens auch, dass die Stimmung verglichen mit der Show aus dem letzten Jahr deutlich zurückhaltender war, auch daran merkt man, dass die Metalfans älter werden und das richtige Gespür für die Situation haben, vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass es Mittwoch Abend war und bereits drei Bands gespielt hatten.

Natürlich würde ich mir ARCH ENEMY in dieser Form auch wieder und wieder anschauen, Konzerte für die Ewigkeit sehen aber definitiv anders aus. (Maik)

Fotograf: Klaus

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Anne antwortete auf das Thema: #22414 4 Monate 4 Wochen her
Das war aber nicht Kai Hahto an den Drums bei Wintersun. Wobei ich jetzt auch weder nachgeforscht habe, wer es stattdessen war, noch weiß, wo der gute Kai steckt (wahrscheinlich irgendwas mit Nightwish am rumkaspern oder so).

Ansonsten kann ich dir aber bei allen Bands voll und ganz zustimmen. Jinjer habe ich auch verpasst, hätte ich gerne gesehen, da sie mir empfohlen wurden, auf Platte aber nicht so wirklich meins sind. Aber bis ich in Saarbrücken war und einen Parkplatz hatte und an der Halle war... Und dann hatten die wohl noch überpünktlich angefangen.

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