Interview mit Marc Grewe (Deimos' Dawn)

interview marcgrewe 02Marc Grewe ist tatsächlich einer der Helden meiner Jugend. Darum war mir das Interview mit ihm eine besondere Ehre. Lest im Folgenden seine Antworten auf meine Fragen.

Matthias: Hallo Marc, vielen Dank für dieses Interview. Es ist mir eine besondere Ehre. Wie geht es Dir?

Marc: Hallo! Mir geht es soweit ganz gut. Ich hatte in den letzten Monaten einige stressbedingte Probleme, habe diese aber dank professioneller Hilfe wieder ganz gut im Griff.

Matthias: Lass und direkt zur Sache kommen. Mit DEIMOS‘ DAWN singst du zum ersten Mal in einer Thrash Metal Band. War das eine große Umstellung?

Marc: Nein eigentlich nicht, denn letztlich singe ich eigentlich ähnlich wie immer, aber dadurch dass bei Deimos' Dawn die Gitarren nicht ganz so tief gestimmt sind ist meine Gesangslage auch natürlicher Weise auch etwas höher. Ich habe schon bei POWER OF EXPRESSIN, dem „ Feel Sorry…“ Album von MORGOTH und auch auf den allerersten MORGOTH Demos etwas höher gesungen.

Matthias: Für „Anthem Of The Lost“ hat Andy Brings (ex-SODOM) alle Texte geschrieben und deinen Gesang produziert. Konntest du sofort nachvollziehen was er mit den Texten ausdrücken will?

Marc: Ja, wir waren immer in gutem Austausch und ich kenne Andy schon seit über 30 Jahren, insofern war es eine tolle Zusammenarbeit und ich hoffe, wir können das auf dem nächsten Album weiter fortsetzen.

Matthias: Werden wir auf kommenden Alben von DEIMOS‘ DAWN auch von dir getextete Songs hören?

Marc: Das kann ich noch nicht genau sagen. Ich bin beruflich und familiär sehr eingespannt und fürs Texten brauche ich absolute Ruhe und Zeit, damit es richtig gut wird. Beides ist momentan einfach sehr rar.

Matthias: Mal ehrlich, was ist anstrengender, Growls oder Thrash Metal Gesang?

Marc: Das kann ich pauschal gar nicht sagen. In erster Linie macht es Spaß und ich habe dank meiner recht guten „Gesangsausbildung“, die ich Anfang der 90er Jahre bei einer Jazz-Sängerin (Birgit Zacher, RIP) gemacht habe, sehr viel in Sachen Technik, Intonation und Entspannung der Stimmbänder gelernt. Insofern ist es meist im Studio nicht so das Problem. Aber es war tatsächlich bei DEIMOS' DAWN erstmal eine Umstellung und ich habe anfangs etwas Probleme mit der Stimme gehabt, weil ich in diesem Stil sehr lange nicht mehr gesungen hatte.

Matthias: Wie groß war denn die Versuchung, einfach mal einen Growl rauszuhauen?

Marc: Och, die ist immer da und es ist ja zum Teil auch mal in Ansätzen bei DEIMOS' DAWN zu hören...aber Andy hat mich da dann sehr gut geleitet und den Gesang entsprechend produziert, wofür ich ihm sehr dankbar bin...es immer gut, im Studio jemanden zu haben, der selber vom Fach ist und seinen Job versteht.

Matthias: Du hast in einem anderen Interview gesagt, dass du dich gesanglich stark an Tom Araya orientiert hast. Ich persönlich höre auch ein wenig Tom Angelripper, Mille und Max Cavalera raus. Würdest du diese vier als Vorbilder bezeichnen und hast du sie je getroffen?

Marc: Klar, das sind alles Bands, mit denen ich aufgewachsen bin und die mit Sicherheit auch einen gewissen Einfluss hatten/haben...letztlich versuche ich nicht zu klingen wie jemand anderes, sondern denke, dass ich über die letzten 30 Jahre schon meine eigene „Klangfarbe“ habe.

Matthias: Lass uns einmal kurz auf MORGOTH eingehen. Als ihr die Band 1985 noch als EXTERMINATOR gegründet habt, war euch da klar, dass ihr neben ATROCITY die ersten in Deutschland wart?

Marc: Darüber haben wir in keinster Weise nachgedacht. Es ging einfach nur darum, möglichst extrem Musik zu machen. Den Begriff „Death Metal“ gab es 1987 noch gar nicht...zumindest hatten wir in den Anfängen noch nicht davon gehört...unser erstes Demo haben wir noch als „Ultra Thrash“ bezeichnet, hehe.

Matthias: Wie kamst du ursprünglich zum Death Metal?

Marc: Nach den üblichen Anfängen über Maiden, Priest etc. kamen Mitte der 80er die extremeren Thrash Sachen dazu...ebenso hatten wir einige Punk-Freunde, die uns mit Sachen wir G.B.H., Concrete Sox, Heresey und Napalm Death versorgt haben...so kam es irgendwie dazu, dass man auch solche Einflüsse mit einfließen ließ.

Matthias: Du warst damals einer der wenigen Sänger, die keinen Harmonizer verwendeten. Hast du dir die Gesangstechnik selbst beigebracht und hattest du je Probleme mit der Stimme?

Marc: Ich habe anfangs komplett ohne Gesangsanlage gesungen, das war wohl das beste Training, da man gegen 4 weitere Instrumente anbrüllen musste. Von „Harmonizer“ hatte ich vorher noch nie was gehört... ich war 15, 16 und wohnte auf nem Kuhdorf... und das Internet gab es bekanntlich ja erst 25 Jahre später, hahaha.

Matthias: In den Anfangstagen von MORGOTH hast du auch Bass gespielt. Was hat dich dazu bewogen irgendwann nur noch zu singen und hattest du je wieder einen Bass in der Hand?

Marc: Ab der „Cursed“ wurden die MORGOTH-Songs komplexer, so dass ich mich nicht mehr hundertprozentig auf beides konzentrieren konnte. Ich war eher auf das Dasein eines Sängers fokussiert und war nie ein besonders guter Bassist...obwohl ich auch heute noch ab und an den Bass in die Hand nehme…

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Matthias: Du bist seit 38 Jahren in der Branche und hast sicher sehr viel erlebt. Was treibt dich an weiterzumachen?

Marc: Einfach nur der Spaß an dieser Musik...sicherlich nicht das „Business“, was darum entstanden ist...

Matthias: Welcher andere Musiker hat dich in all den Jahren am meisten beeindruckt?

Marc: Da gibt es unglaublich viele und die kommen für mich nicht nur aus dem Metal- und Rock-Bereich. Ich habe größten Respekt vor allen Leuten, die sich trauen, sich auf eine Bühne zu stellen...natürlich gibt es herausragende Talente, aber wie gesagt, ich möchte da jetzt niemand einzelnen herausstellen.

Matthias: Wie kamst du eigentlich auf die Idee, dir Kontrastmittel in die Augen zu spritzen?

Marc: Die Idee kam damals zum Videodreh zu „Under The Surface“ (Odium). Ich hatte mir damals Kontaktlinsen anfertigen lassen, und um zu sehen, ob diese richtig sitzen, hatte der Optiker dieses Kontrastmittel eingesetzt, um im Schwarzlicht zu sehen, ob sie richtig angepasst sind...denke, diese Sache ist schon ein guter Effekt und in gewisser Weise mein Markenzeichen geworden.

Matthias: Neben deinem Alltagsjob bist du momentan gleich in mehreren Bands aktiv. Ist es schwierig das alles zu koordinieren?

Marc: Ja, definitiv...aber momentan ist einfach die Familie und mein eigenes Wohlbefinden am wichtigsten. Andererseits macht Musik einfach solchen Spaß, dass ich sie nicht missen will.

Matthias: Erinnerst du dich noch an die Aufnahmen zu „Resurrection Absurd“?

Marc: Ja, ich habe ein ziemlich gutes Gedächtnis, was solche Sachen angeht…wir haben das Ding in einem Saunakeller in Hattingen aufgenommen...ziemlich abenteuerlich...aber es sollte ja nur ein Demo werden, und wir hatten als Schüler/Auszubildende einfach nur ein kleines Budget zur Verfügung.

Matthias: Gibt es ein Land in dem du gerne mal spielen würdest?

Marc: Ja, sehr gerne würde ich mal in Süd-Ost Asien und Australien spielen...da war ich bisher nur privat, aber es gibt dort eine gute Metal Szene.

Matthias: Kannst du dir vorstellen wie David Vincent deine Autobiografie zu schreiben?

Marc: Ich habe damit tatsächlich schon einmal angefangen, allerdings wurden dann die Sachen, die ich geschrieben habe, in dem Buch "MORGOTH-Uncursed" von Christian Krumm verwendet...aber vielleicht kommt es noch irgendwann dazu.

Matthias: Seid ihr mit den bisherigen Reaktionen auf „Anthem Of The Lost“ zufrieden?

Marc: Die Reviews waren allesamt sehr positiv...das freut mich natürlich, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man als „Newcomer“ so wohlwollend aufgenommen wird.

deimosdawn anthemofthelost

Matthias: Wann und wo wird man euch live sehen können?

Marc: Das kann ich zurzeit nicht genau sagen...wir wollen auf jeden Fall live spielen, denn die Gigs, die wir bisher hatten, waren allesamt richtig geil und haben Spaß gemacht...und das ist das Wichtigste!!

Matthias: Möchtest du den Fans noch etwas mitteilen?

Marc: Danke Euch für den Support, das ist schon ein Privileg, und ich bin sehr dankbar dafür.

Matthias: In meiner Jugend habe ich das Cover von „The Eternal Fall“ auf den Umschlag eines Schulbuchs gemalt. Hast du je etwas Ähnliches getan?

Marc Grewe: Na klar, bei mir waren es die Maiden Cover und sämtliche Metal Schriftzüge...allerdings eher auf Federtaschen und Schultischen ;-)

Matthias: Vielen Dank für deine Zeit.

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