Interview mit Markus Ullrich (Septagon)

interview septagon 02Thrash/Speedmetal muss weder stumpf noch unmelodiös klingen. SEPTAGON aus diesem Land, beweisen auf ihrem zweiten Werk wiederholt, wie melodisch und intelligent auch dieses Genre sein kann.Trotzdem ist es heftig und eingängig geworden und textlich auch gerne einmal politisch oder gesellschaftskritisch.

Ralf: Grüß Dich Markus, hoffe es geht gut? Glückwunsch zu „Apocalyptiv Rhymes“, ein Killeralbum. Zufrieden mit den Reaktionen bisher?

Markus: Vielen Dank. Ja, ich denke ich bin ganz zufrieden. Gute Kritiken freuen mich natürlich auch, wobei es natürlich interessanter ist zu wissen, wie das Album dann letzten Endes beim eigentlichen Hörer ankommt.
Da sind die Rückmeldungen bisher auch super, daher heißt es jetzt eben für uns am Ball zu bleiben.

Ralf: Hast Du eigentlich die THEM & SEPTAGON zeitgleich komponiert, denn sie  erscheinen ja relativ parallel?

Markus: Zunächst sollte erwähnt werden, dass ich ja nicht der alleinige Komponist bin. Was Texte angeht bin ich raus und auch musikalisch hat unser anderer Gitarrist Stef sich dieses Mal kräftig eingebracht, was natürlich für mich weniger Aufwand bedeutet und allgemein einfach noch zusätzliche Farbtupfer reinbringt.
Ich habe allerdings bisher tatsächlich auch nie an mehreren Alben gleichzeitig gearbeitet, sondern konzentriere mich auf eines. Die Septagon war in jedem Fall schon komplett geschrieben, bevor ich mit Them angefangen habe.

Ralf: Was hat es mit dem Cover auf sich? Was hat der Reiter da, eine Riesenfernbedienung oder eine Parkuhr?

Markus: Da musste ich jetzt glatt nochmal gucken. Ich würde fast behaupten weder noch, aber so ganz genau kann man das dann ja auch nie wissen.
In jedem Fall ist das Cover eigentlich schon die direkte Fortsetzung zum ersten Album. Die Stadt hat man dann aber wohl hinter sich gelassen.

Ralf: „Apocalyptic Rhymes“ lässt erahnen, die Welt ist im Arsch, sind Dir kritische Texte wichtig?

Markus: Der Markus schreibt ja die Texte und es scheint dann wohl so, als ob er die Welt dann tatsächlich weniger durch die rosarote Brille betrachtet. Mir persönlich kommt es darauf an, wie das ganze zur Musik passt. Im Falle Septagon dann wohl wie die Faust aufs Auge, würde ich mal sagen. Also ja, wir machen eigentlich den perfekten Stil, um solche Texte zu bringen. Sword & Sorcery-Kram würde da m.E. wirklich nicht passen und ich möchte auch definitiv in keiner Band zocken, in welcher der Sänger auf 50% der Texte einer Verflossenen nachtrauert und auf der anderen Hälfte plant, zukünftige Verflossene flachzulegen.

Ralf: Ob nun Thrash- oder Speedmetal, ist doch eigentlich nicht wichtig – welche Einflüsse wurden verarbeitet? Stehst Du eher auf melodische Vocals als harsches Gebelle?

Markus: Prinzipiell bin ich natürlich hptsl. vom US-Power/Speed/Thrash-was auch immer Metal der späten 80er und ganz frühen 90er beeinflusst.
Zu der Vision SEPTAGON passen melodische Vocals definitiv besser, es war nie anders geplant. Wir sind dadurch variabler und die Vocals setzen zusätzliche Akzente, es macht die ganze Sache aber auch vom Songwriting einfach interessanter und verleiht uns ein Alleinstellungsmerkmal. Ich habe den Eindruck, dass im Thrash momentan zu 95% gebellt wird und das war zu den Glanzzeiten m.E. nicht so. Das bedeutet im Umkehrschluss jetzt auch nicht, dass ich Gebelle nicht mögen würde, aber ich würde es bei uns nicht wollen. Vom Schreiben her war ich einfach auch immer schon ziemlich refrainorientiert.

Ralf: Was mir an dem Album am Besten gefällt, ist die natürliche Produktion. Heutzutage wird zu viel getriggert und getrickst. War es Euch wichtig nicht zu modern zu tönen, aber auch nicht altmodisch?

Markus: Absolut. Tatsächlich dürfte das dritte Album für mich auch stilistisch noch etwas aggressiver und bissiger klingen, aber das soll jetzt auch nicht bedeuten, dass wir dann komplett anders an die Sache rangehen werden. Letzten Endes bin ich niemand, der jegliche moderne Produktion verteufelt und jetzt alles über einen Kamm scheren will. Ich denke aber, dass zu SEPTAGON eine basisch gehaltene Produktion einfach am besten passt. Dass bei natürlichen Produktionen weniger getrickst wird als bei modernen, halte ich aber lediglich für ein Gerücht.

Ralf: Im Gegensatz zu THEM schätze ich mal das ihr Euch im Studio auch begegnet zu sein?

Markus: Nicht so viel mehr!
Letzten Endes wurden Bass und Gitarren bei mir aufgenommen, Drums in der Music Factory im Allgäu und die Vocals hat der Herr Becker bei sich im Homestudio aufgenommen. Der einzige Unterschied ist also wirklich, dass ich bei den Septagon-Drumaufnahmen anwesend war und bei denen zu THEM nicht, weil das Allgäu dann doch etwas näher liegt als New York.

Ralf: Was macht ein Markus Ullrich außer Musik gerne und kannst Du von der Mugge leben?

Markus: Außer Musik machen tatsächlich eben ganz viel Musik hören. Ich kann es auch absolut nicht nachvollziehen, wieso etliche Musiker überhaupt keine Ahnung davon haben, was denn außerhalb ihrer Band so abgeht. Ich bin ich aber auch etwas ruhiger geworden, versuche weniger zu kaufen und dafür bewusster zu hören. Klappt sogar einigermaßen und es hat mir tatsächlich gutgetan, die Sammlung deutlich zu verkleinern. Ansonsten bin ich großer Film- und Serienfreak, lese extrem viel und ab uns an nehme ich eben das ein oder andere Konzert noch mit.
Ach so, natürlich kann ich nicht von der Musik leben. Da müsste ich wohl nebenher in einer dieser nervigen Coverbands zocken oder einer Hochzeitscombo beitreten. So weit wird es aber definitiv nie kommen. Das ist einfach nicht das, was ich persönlich unter Musik machen verstehe, aber es ist halt auch nicht jeder Musiker automatisch kreativ.

interview septagon 01

Ralf: Wie wurdest Du zum Metalhead?

Markus: Die Anfänge kamen wohl echt über den Gen (SEPTAGON/LANFEAR-Drummer), mit dem ich schon im Kindergarten und später in der Schule war. Dessen großer Bruder hatte dann irgendwann Priest, Maiden und den üblichen Kram angeschleppt und wir wurden da mehr und mehr angefixt. Wir haben dann eben mehr Stoff gebraucht, es wurde auch immer tiefer gegraben und ich denke mal so mit 15/16 rum haben wir bereits im tiefsten Underground gewühlt. Ich bin tatsächlich sehr dankbar in einer Zeit aufgewachsen zu sein, als eben noch nicht alles greifbar war. Teilweise las man über eine Band und es dauerte Wochen, bis man überhaupt mal in der Lage war, die jeweilige Combo zu hören, weil der Plattenladen eben noch nichts davon auf Lager hatte. Irgendwie wurde die Phantasie einfach mehr angeregt als heute und natürlich kamen auch bei weitem nicht so viele Neuheiten raus.

Ralf: Gibt es konkrete Tourpläne oder Festivalgigs? Wie kann man Euch buchen?

Markus: Eine komplette Tour wird es wohl eher nicht geben, aber ansonsten sind wir für alles bereit – egal ob Festivals oder Einzelgigs.
Am besten über die offizielle Seite (https://septagon666.blogspot.com/) oder eben über Facebook (facebook.com/septagonband) anhauen, dann kriegen wir das schon hin.

Ralf: Was bedeutet „Erfolg“ für Dich?

Markus: Da wir im Jahr 2018 leben, kann man „Erfolg“ im Musikbereich ja nun definitiv sowieso nicht mehr mit Kohle in Verbindung bringen.
Regelmäßig hochwertige Alben veröffentlichen zu können ist für mich ein Erfolg. Einen Schritt nach dem anderen zu machen und dabei nicht zu stagnieren ist für mich auch Erfolg. Natürlich gab es für mich jetzt nie DEN Durchbruch, aber man muss auch bedenken, dass der dann auch das komplette Leben umkrempelt, und das will man ja vielleicht auch gar nicht unbedingt. Ich bin zufrieden wie die Dinge sich momentan entwickeln und bin, egal aus welcher Perspektive man es auch betrachtet, so erfolgreich wie nie zuvor.

Ralf: Noch etwas, was Du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Markus: Ja, dass diese Frage bei 99% aller Interviews immer die letzte Frage ist, dass jeder Musiker Angst vor ihr hat und dass ich mir wünsche, die würde einfach mal auf den Index kommen, weil man sich ja immer was Anderes aus den Fingern saugen sollte und irgendwann nicht mehr dazu in der Lage ist :D
Im Ernst, keine Ahnung, hört doch mal rein. Vielen Dank für Euer Interesse und euren Support. Hab euch lieb...

Bildquelle: Band

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