Im perfekten Zweijahres Rhythmus erscheint nun das neue FAUN Album „Totem“. Das Mittelalterensemble sollte Genrekennern durchaus ein Begriff sein, aber auch Pendler zwischen den Schubladen können für das bisher düsterste Werk der Deutschen ein Ohr riskieren. „Medieval music pagan folk“ lautet die Einordnung von offizieller Stelle. Der Grund, warum das Wort „Metal“ nicht in der Bezeichnung auftaucht, liegt ganz einfach daran, dass die Musik von FAUN auch kein Metal ist, nicht einmal eine der dunkelsten, verzweigtesten Spielarten. Wer also den Metalteller nicht verlassen möchte, kann gerne zum nächsten Review springen. Relevant kann FAUN deshalb für einen Teil der Metalgemeinde werden, da Mittelalter inspirierte Musik immer mehr Einzug hält.

„Totem“ ist im Gesamten sehr ruhig und fast leise gehalten, sehr bedacht, geheimnisvoll, regelrecht mystisch.
„2 Falken“ entpuppt sich als sehr gefühlvoller, deutscher Song, der von kalten Maschinenklängen etwas gepuscht wird. FAUN verbinden auf ihrem neuen Album die düstere mehrinstrumentige (wow, schon wieder eine Wortneuschöpfung) mittelalterliche Musik mit kalten, treibenden Beats, die dem ganzen einen etwas modernen Touch geben.
Bei „Sieben“ kommen dann die typischen, bekannten Instrumente wie Dudelsack, Drehleier und Konsorten (nein, ich kenne mich nicht aus mit den Teilen) zum Tragen, wobei auch mal das Tanzbein geschwungen werden kann. „November“ dagegen wirkt sehr mystisch und geheimnisvoll mit männlicher und weiblicher Stimme und kann durchaus als Ballade bezeichnet werden, trieft allerdings vor Kitsch, dass einem Angst und Bange werden kann. Aber da spricht wohl der Metaller aus mir ;-). Eigentlich sind alle Songs von „Totem“ eher in diesem Gefühl, dieser Ruhe komponiert, was bei „Unicorne“ noch mal ganz deutlich wird.

Bei Songs wie „Tinta“ oder „Karuna“ kann man sich bildlich die Tanzfläche voller vom Tanz Hypnotisierter vorstellen, perfekte mittelalterliche Tanzmusik, auch gut vorzustellen auf einem Mittelaltermarkt oder einem ähnlich gearteten Treffen.
Die europäische Liedkunst wird bei „Gaia“ um orientalische Melodien ergänzt, was dem ganzen einen interessanten Touch gibt. Auf „Zeit nach dem Sturm“ kommen gar Stromgitarren zum Vorschein, wenn auch nur sehr sparsam. „Der stille Grund“ entpuppt sich zu guter Letzt als A Capella Song.

Von den musikalischen Qualitäten der Mitwirkenden kann man nur überzeugt sein, klassische Gesangs und Instrumentenausbildung sprechen eine deutliche Sprache. Metaller, die bei dem Wort Mittelalter nur an Schlachten mit tausenden Toten, viel Blut, Ruhm und Ehre, rauschende Fest mit Spanferkeln und einem Haufen Met denken, sind hier definitiv fehl am Platz. Euch wird FAUN nicht gefallen. Finger weg.
Wer allerdings gerne SUBWAY TO SALLY, alte IN EXTREMO oder SCHANDMAUL hört und das Wort Mittelalter mit geheimnisvollen Geschichten, Legend nun Mythen verbindet, der ist hier genau richtig! FAUN wird euch gefallen.
Aus Sicht des Metallers kommt es hier allerdings nicht über 7,5 Punkte hinaus, dafür ist die Relevanz für den Normalo Metalhead zu gering. Aus den Augen eines Mittelalter Fans könnte es hier mehr werden. Also, aufpassen und gegebenenfalls antesten! (Bernie)

Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl Songs: 10
Spielzeit: 46:13 min
Label: Rough Trade / Curzweyhl
Veröffentlichungstermin: 16.02.2007
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