Uncheined - CollisionUnverhofft kommt oft, und so bekam ich plötzlich eine Nachricht von UNCHAINEDs Bandkopf Tobias, sie hätten das neue Album fertig im Kasten. Gerne willigte ich ein, eine Kritik zu verfassen, denn die Band hatte mich letztes Jahr bei Livegigs nie enttäuscht, und ich war schon sehr gespannt auf einen Nachfolger zum ersten Album „Code Of Persistance".

Dazu möchte ich aber kurz etwas ausholen:
Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, in der wir musikverrückten Pennäler stapelweise Kassetten auf dem Schulhof tauschten. Nicht immer neue Alben, sondern überwiegend Empfehlungen schon „erfahrener" Hörer. Wenn es etwas Neues, Wichtiges gab, traf man sich in Gruppen bei jemanden, der schon eine gute HiFi-Anlage besaß oder eine entsprechend gute in sein Auto eingebaut hatte. Was jedoch immer der Fall war: während man eine Kassette bespielte, hörte man sich natürlich gleichzeitig auch das Album komplett an. Über Raubkopie dachten wir überhaupt nicht nach, denn wenn das Album taugte, wurde das letzte Taschengeld für das Original ausgegeben.

Heutzutage werden Links von auf Server gelagerten Dateien verteilt, das geht schnell und durch das Internet problemlos. Dabei bleibt jedoch schnell der Bezug, also der Kontakt zu Band und Musikern, auf der Strecke. Wird ein Album nicht groß in Magazinen beworben, bekommt man die Veröffentlichung auch nicht mit.
Ich bin ständig auf der Suche nach etwas Neuem, Großartigem, das ich dann in die Liste der ewigen Klassiker eintragen kann. Seit mir die Art Musik über seelenlose Datenträger in großen Mengen zu verteilen auf den Senkel geht, bin ich dazu übergegangen, wieder verstärkt Konzerte zu besuchen und auch den direkten Kontakt zu den Musikern zu suchen. 
Im Fall von UNCHAINED war, wie so oft, Kollege Zufall derjenige, über den der Kontakt zustande kam. Die Band tourte gerade zum letzten Album „Code Of Persistance" durch die Region und trat oft als Vorgruppe mir schon bekannter Bands auf, gerne auch als Party-Package mit der Coverband BEYOND DARKNESS.
Die uneitele Art der Musiker und die energetischen Shows machen schnell Lust auf mehr. UNCHAINED kann mittlerweile auf eine beachtliche Zahl von Live-Shows im Jahr 2012 zurückblicken. Unter anderem spielten sie auch eine Unplugged-Show.
Da die Songs von „Code Of Persistance" sehr gut vom Publikum angenommen wurden, beschloss man, diesen Weg weiterzugehen und fasste ein weiteres Album ins Auge.
Im laufenden Jahr wurde auch noch Dmitro Fedoruk als neuer Gitarrist im Team vorgestellt. Ob dessen Spiel und Ideen die Band bereichern, wird sich im Laufe dieses Reviews herausstellen.

Als Studio hat man wie beim letzten Mal das Studio Greywolf auserkoren - keine schlechte Wahl. Die Arrangements und der Sound sind noch ein gutes Stück ausgefeilter als noch auf dem Vorgängeralbum. Verblüffend, wie eine Band sich doch weiterentwickeln kann, oder gibt es da eventuell Hilfe einer unbekannten Komponente, die niemand auf dem Zettel hatte?
Das Album startet mit dem Song „Signs Of Doom" und geht mit gerade zu schwindelerregendem Tempo vorwärts, um dann in einen mächtig groovenden Part überzugehen. Ausnahmedrummer Pietro zeigt hier schon am Anfang des Albums, wo es lang geht. „On The Floor" fällt songtechnisch plötzlich etwas ab, und ich hoffe nicht, dass das so bleibt. Ich finde den Schreigesang zu dominant und (empfinde) den normalen Gesang zu hölzern. Er wirkt wie vom Blatt abgelesen.
„Deconstruction" beginnt spannend mit tief gestimmter Gitarre und Double-Bass. Hier höre ich das erste Mal die gelungene Kombination aus Härte und Melodie mit Ohrwurmcharakter. Der Song klingt mit cleanen Gitarrenakkorden aus und geht fast direkt in „Reconstruction" über. Von der Stimmung her ist der Song mit den letzten ANATHEMA-Outputs vergleichbar. Der Gesang ist hier sehr gut. Die Schreie sind eher verhalten im Hintergrund, und so ist der Song gut ausbalanciert. „Out Of My Shell" und Breath For Me" kennt man schon von Live-Auftritten, Ohrwürmer, die einfach rocken!
So ziehen sich die guten Songs durch das Album, und je öfter ich es höre, umso mehr entdecke ich tolle Songstrukturen. Das gipfelt in „Two Minds Collide", ein Song mit absolutem Hitpotential - interessant und vielschichtig. 
Danach gibt es leider wieder einen schwachen Song, denn „Run Out Of Time" klingt für mich leider wieder zu sehr „abgelesen". Allerdings ist das hier Kritik auf sehr hohem Niveau. Den Abschluss des Albums bildet „The Story Anew", das melancholisch beginnt, um dann recht ruppig in einen Part mit emotionalem Kreischgesang mit Gangshouts zu münden. In der Bridge hingegen ist jedoch wieder dieses gewisse Etwas zu spüren. Melancholisch schraddeln die Gitarren Akkorde und wechseln wieder in den Part mit Kreischgesang/Gangshouts. Zu meiner Verblüffung gibt es einen Part, in dem der Bass sehr dominant eine Melodie spielt. Hier scheint die mystische Wirkung des bei den Aufnahmen von Basser Philipp konsumierten Wurstwassers Wirkung zu zeigen. Der Song klingt mit einem traurigen Ohhooo-Chor-Part aus, der live sicher sehr gut einsetzbar ist. „The Story Anew" klingt so melancholisch aus, wie es begann, mit leicht angezerrten, gepickten offenen Akkorden. Wenn das der Vorbote zu einem hoffentlich noch folgenden Album ist, dann prophezeie ich den Jungs von UNCHAINED noch eine rosige Zukunft. Das Potential, Hits aus dem Ärmel schütteln zu können, haben sie auf „Collision" schon mal bewiesen. Neugitarrist Dmitro hat sich gut eingefügt und ergänzt den Stil der Band um viele neue Facetten.

Ich empfinde Tobias' Gesang live besser, da er dann nicht so konzentriert und hölzern singt. Es wirkt dann einfach auch kompakter. Möglicherweise erleben wir aber, dass Tobias, so wie viele singende Gitarristen vor ihm, durch die vielen Live-Auftritte einen gewaltigen Sprung nach vorne macht und das Hölzerne von den noch kommenden Alben verschwindet. So werden UNCHAINED in kürzester Zeit viele neue Fans für sich gewinnen können. Das Album ist für mich eines der musikalischen Highlights dieses Jahres. (Andreas)

Erhältlich über: www.unchained-metal.de

Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 47:51 min
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichungstermin: 24.08.2013

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