Frischer Wind aus unserem westlichen Nachbarland weht mit BLACK RAIN herein. Das Powermetal – Genre spaltet sich bekannter weise in den rohen US – Metal und den getragenen, melodischeren europäischen Stil. Diese französische Band versucht beide Stile miteinander zu kombinieren, nicht ohne Erfolg. Obwohl es sich hier um das Debüt nach dem 2004er Demo „Twilight, Rain and Darkness“ handelt, hat der Vierer schon eine Japan – Tournee absolviert. Das spricht für den Stellenwert, den traditioneller Metal immer noch in Nippon genießt.

Gleich der Opener „Kill ´em All“ zeigt die Kombination der beiden kontinentalen Pole auf. Startet er mit einem typischen HAMMERFALL – Riff, so könnte der Refrain durchaus von US – Bands wie LEATHERWOLF oder KEEL stammen, während das folgende „Gods of Metal“ reinrassiger amerikanischer Powermetal ist. Einen weitern Einfluss auf die Band, vor allem Outfit – technisch hat die L.A. – Szene, allen voran MOETLEY CRÜE; „No Life till Metal“ ähnelt von Eröffnungsriff her stark deren „Looks that Kill“.
Ansonsten ist Eigenständigkeit auch nicht die Stärke von BLACK RAIN, immer wieder kommen einem Parts bekannt vor. Das soll die musikalische Leistung nicht schmälern, zumal die Jungs ihr Handwerk verstehen und auch schon einige Jahre Erfahrung haben dürften. Sänger Swan hat ein sehr variables Organ und erinnert an eine Mischung aus C.J. Snare von FIREHOUSE und Jeff Scott Soto. Sämtliche neun Titel sind ausgereift und gut produziert von einem gewissen Johnny Rockett in dessen Rockett Queen Complex, der dem Sound die nötigen Ecken und Kanten ließ.

Nun hört sich der Name des Mannes an den Reglern schon sehr Klischee – mäßig an, aber auch die Band bedient so einige. Klassisches 80er – Auftreten von den Klamotten bis zur Show, die ja laut Info „they´re gonna kick your Ass“ verspricht. Und hier muss die BLACK RAIN noch feilen, denn meist wirken die Arrangements überfrachtet, es passiert zuviel, die Songs sind einfach zu lang. Fast eine Stunde für 9 Titel ist nicht gerade EZ come EZ go. „Awake“ z.B., das sehr hart, etwas tiefergestimmt einsteigt und das von den Drums schleppend weitergeleitet wird, gipfelt am Ende in einer Doppelbass – Orgie und zieht sich auf 8 Minuten. Und warum die tolle, FIFTH ANGEL – affine Halbballade „Crystal Night“ in der Mitte etwas zerprügelt wird verstehe ich auch nicht so richtig. Und am Ende schleichen sich ein paar Songs ein, die eher an den STRATOVARIUS - Bombast erinnern.
Hier wäre weniger mehr gewesen, und nicht versuchen 37 Licks und andere Ideen in einen Song zu pressen. Statt dessen hätte die Band besser den Mut besessen, ein paar mehr Songs aus dem ganzen zu zimmern, den das meiste hört sich gut an, nur bleibt am Ende nicht immer alles hängen. Und Eingängigkeit ist in dem Metier halt wichtig, was nicht heißen soll, daß der Dreher an einem vorbeirauscht, im Gegenteil. Nur hier wäre mehr drin gewesen, wenn die Fülle an gutem Material auf 12, 13 Titel verteilt worden wäre. Und das sagt jemand, der auf 70er Prog steht.

So bleibt die Hoffnung, daß BLACK RAIN sich beim nächsten Mal auf das Wesentliche konzentrieren und mehr auf den Punkt kommen, den in den Passagen sind sie am besten, knallen ohne Ende. Ein Album das Laune und Lust auf mehr macht, vor allem für Anhänger der Traditionsschiene, die alljährlich auf´s Keep it True oder Bang your Head pilgern. Die werden die Truppe genauso abfeiern wie die Menschen im Land der aufgehenden Sonne. (MetalPfälzer)


Bewertung: 7,0 / 10

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 58:24 min
Label: Manitou Music
Veröffentlichungstermin: 27.04.2007

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