gotthard silver200nb mehrfachwertungDrei Alben wollte man dem neuen Mann Zeit geben, um zu sehen, ob es funktionieren würde. Nun ist man bei jenem ominösen Longplayer angekommen, der über Wohl und Wehe, über die Zukunft der Band entscheiden solle. Bislang habe ich zumindest das Gefühl, dass Nic Maeder bei den Fans voll akzeptiert ist, die Konzerte sind weiterhin gut besucht und auf der Bühne macht der Junge einen tollen Job. Stimmlich kann er nicht ganz mit seinem Vorgänger Steve Lee mithalten, doch weit weg ist er nicht mehr und mit der Erfahrung wird auch das Selbstvertrauen wachsen. Wie es zwischenmenschlich aussieht, das vermag man als Außenstehender nur schwer zu sagen. Es dürfte aber nicht leicht sein, sich in eine so verschworene Gemeinschaft, die sich seit Jahrzehnten kennt, herein zu finden. Letztendlich wird man sehen müssen, wie die Geschicke von GOTTHARD weiter verlaufen, als nächste Station gibt man erst einmal das zwölfte Studiooutput "Silver" vor.

Die Scheibe zum silbernen Jubiläum beginnt mit dem quasi Titeltrack verhaltener, als man es von den Eidgenossen gewohnt ist. Zwar rockt und stampft „Silver River“ recht ordentlich, aber den Druck bisheriger Opener vermisst man ein wenig. Das hat mehr von DEEP PURPLE in der Coverdale-Phase denn von GOTTHARD, auch weil die Orgel prominent untergemischt wurde. Eher an den für die Band typischen Sound erinnert das folgende „Electrified“, das direkt los rockt, in der Strophe das Tempo heraus nimmt, um dann im Refrain wieder die Dynamik anzuziehen.
Doch auch hier fehlt es etwas an Power, die Produktion wirkt merklich zurück genommen, mehr noch als auf „Firebirth“, ohne aber dessen Retroanspruch zu bedienen. Auf der einen Seite kann man froh sein, dass man nicht wieder in die Falle wie ihre Landsleute von SHAKRA und CRYSTAL BALL tappte und alles zu sehr komprimierte. Doch ein bisschen mehr Dampf in den kesseln hätte nicht geschadet. Nun darf niemand fürchten, die Truppe wäre zu ihrer poppigen Mainstreamphase um die Jahrtausendwende zurückgekehrt, dazu agiert diese auf „Silver“ zu erdig.

Angesichts des Alters der Bandmitglieder und wie lange sie schon im Geschäft sind, könnte man ihnen ein gesetztes Alterswerk durchaus gönnen, doch jener Ansatz ist ebenso nicht konsequent genug umgesetzt worden. Dazu hätten die Titel einfach etwas reifer auskomponiert sein müssen, die ganz große Detailfülle und Tiefe stellt sich nicht ein. Zwar hat der angesprochene zweite Song ein tolles sphärisches Outro und die Streicher werden häufiger eingesetzte als auf „Bang!“, die dann nur in den Balladen.
Dabei haben die ruhigen Titel fast die Oberhand, bei der Single „Stay With Me“ funktionieren die Geigen gut im Zusammenspiel mit der coolen Akustikgitarre, bei „Not Fooling Anyone“ kommt sogar ein bisschen Folkfeeling herein. In der Pianoballade „Only Love s Real“ baut man ganz dezent einen Kinderchor ein, der den Bombast etwas verstärkt. Auch eher mainstreamige Stücke wie „Reason For This“ werden mit Streichinstrumenten veredelt, was ihnen ganz gut zu Gesicht steht. Die Sequenzer in „Beautiful“ könnten auch interessant arrangiert sein, wenn das Lied nicht allzu flach wäre.

Momente, die etwas mehr Kraft ausstrahlen gibt es wenige, „Miss Me“ versucht sich am Blues, kann mit einer starken Atmosphäre überzeugen, der geradlinige Refrain indes verbaut höhere Weihen. Die meisten rockigen Stücke wie „Why“ wirken ähnlich den beiden ersten zu lässig und zünden nur bedingt. Als Bindeglied zwischen vertrauten GOTTHARD und der versuchten neuen Linie funktioniert der „Blame On Me“ am besten. Der flotte Rausschmeißer versprüht urwüchsiges Rock´n´Roll-Feeling und geht schön in die Beine.
Verlernt haben die Fünf das Rocken sicher nicht, drei Stücke stechen klar heraus, wissen die Fans am meisten zu überzeugen. Das trotz ruppiger Gangart hymnische „Everything Inside“, das treibende „Tequila Symphony No. 5“ und das schwer groovende „My Oh My“. Die sind dann auch mit mehr Wucht produziert, was der Gesamtproduktion wieder einen ähnlich uneinheitlichen Charakter wie dem Vorgänger gibt. So können die übrigen Nummern ihr durchaus vorhandenes Potential noch weniger ausspielen, weil sie von den klaren Querverweisen an ihre Großtaten erdrückt werden.

An Nic Meader liegt es sicher nicht, dass „Silver“ irgendwie seltsam ausfällt, denn der Mann schwimmt sich immer mehr aus dem Kielwasser von Steve Lee frei. Von seinem Selbstvertrauen hätte er seinen Kollegen etwas abgeben können, denn die scheinen nicht so recht zu wissen, wohin sie genau wollen. Ein erdiges Rootsalbum wie es EUROPE fertig brachten, würde ich schon gerne von ihnen hören, aber sie wagten es nicht, dieses konsequent umzusetzen. Dabei wäre mit den Melodien und Ideen, die sie immer noch drauf haben, klar mehr drin gewesen. Enttäuscht müssen ihre Fans dennoch nicht sein, ich denke, sie können der Zukunft hoffnungsvoll entgegen blicken (Pfälzer)



Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 49:57 min
Label: PIAS
Veröffentlichungstermin: 13.01.2017

Bewertung:

Pfaelzer6,5 6,5 / 10


Andreas 6,0 6 / 10

David7,5 7,5 / 10

Jochen7,0 7 / 10

Maik7,0 7 / 10

Pascal7,0 7 / 10

Alex27,0 7 / 10

Manu6,5 6,5 / 10


gotthard silver700

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Manu antwortete auf das Thema: #20292 4 Monate 2 Wochen her
Anspieltipp meinerseits wäre definitiv "Miss Me". "Beautiful" und "My Oh My" stechen meines Erachtens außerdem positiv hervor. // Manu

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