metallica hardwired200nb mehrfachwertungDie Frage nach dem am meisten erwarteten Album 2016 lässt sich nicht so leicht beantworten, da konkurrieren noch die ROLLING STONES mit den Jungs aus der Bay Area. Ein riesiges Medienecho ziehen beide hinter sich nach, weil beide lange auf sich warten ließen. Ganze acht Jahre im Fall von METALLICA, eine Zeit in der so manche Band in Vergessenheit gerät, es sei denn man ist eine Legende. Eine Legende sind die Thrasher ganz sicher, Mitglied der Big Four, die Speerspitze der Bewegung, nach Verkäufen die größte Metalband der Erde. Nur in Sachen Fangunst könnte ihnen zuletzt IRON MAIDEN den Rang abgelaufen haben, doch nun ziehen sie mit „Hardwired To Self-Destruct“ aus, um sich ihren Thorn zurück zu erobern. Nach so langer Zeit, nach gutsituierten Familienverhältnissen und Modephotos fragt man sich natürlich wie viel Feuer in den mittlerweile in den Fünfzigern angekommenen Musikern noch steckt?

Das Feuer brennt schon zu Beginn in Lars Ulrichs Kesseln, keiner bearbeitet die Snare so explosiv wie er, diese typischen Rolls prägen nicht nur die ersten Sekunden, sondern das komplette Album. Immer mehr schieben sich die Riffs hinein, bis „Hardwired“ so richtig losbricht. So schnell waren die Thrasher seit „Damage Inc.“ Nicht mehr unterwegs, da kommt Freude auf, davon hatten viele Fans nicht mehr zu träumen gewagt.
Die folgende aktuelle Single „Atlas Rise!“ lebt von ihrer Vielschichtigkeit, die der Eingängigkeit keinen Abbruch tut. NWOBHM, IRON MAIDEN-Harmonien, Thrashgewitter, großer Refrain, alles drin. Das dritte vorab vorgestellte Lied „Moth Into The Flame“ bedient die selben Koordinaten, lotet nur die Extreme noch mehr aus. In der Bridge an der Geschwindigkeit des Openers dran, entfaltet sich der Chorus über einem breitbeinigen Rockriff.

Dazwischen gesellt sich mit „Now That We´re Dead“ eine stoisch dahin stampfende Nummer, welche ebenfalls sehr zugänglich ausfällt. Der fette Groove steigert sich in der Mitte zu einem Solo hin, bei dem Kirk Hammet seine Vorliebe für JIMI HENDRIX nicht verbergen kann. Die wird noch deutlicher bei dem schleppenden „Dream No More“, welches erstmals die umstrittene Mitneunziger-Phase anklingen lässt. Doch die düstere Atmosphäre funktioniert, und wird von einem melodischen Solo garniert, bei dem etwas Blues durchscheint. Den hört man auch bei der einzigen Halbballde, die sich im Intro und im Refrain wuchtig aufbaut. Zum Ende hin steigert sich die Dynamik zu einer hymnenhaften Coda, was „Halo Of Fire“ zur typischsten METALLICA-Ballade seit „One“ macht.

Bis zu dem Zeitpunkt macht die Truppe alles richtig, nur kommt irgendwann die zweite CD in den Player. „Confusion“ kann noch an die variantenreichen Tracks der ersten Hälfte anschließen, den verschleppten Staccatos folgt eine ruhige Strophe, bevor die sechs Saiten wieder rattern und sich im Refrain rockig auflösen. Danach kommen allerlei groovige Experimente, die den Hörer heraus fordern. Cool gemacht sind die dominierenden Drums über den Gitarren in „ManUNkind“ oder die Bassläufe von „Here Comes Revenge“, in dem sich Groove und Staccato schön duellieren. Dem ein oder anderen wird da aber sicher die „Load“-Phase in den Sinn kommen, welche schlechter gemacht wird, als sie war.

Natürlich hat sich Hetfield jüngst von den Alben distanziert, das war allerdings auch viel als Promo für die alten Anhänger zu werten. Mit einem gebe ich ihm aber recht, der Songoverkill war zu viel, mit zwölf Titeln auf einem Album hätten sie seinerzeit einen Hammer produziert. So schleichen sich auf „Hardwired... To Self-Destruct“ mit der Zeit ebenso Längen ein, was aber daran liegt, dass der zweite Teil zu sehr im Midtempo verharrt, da helfen auch ein paar ruhige Intros nicht. Hier wäre vielleicht auch eine abwechslungsreichere Songreihenfolge angebracht gewesen, denn am Ende wird der Fan mit „Spit Out The Bone“ belohnt. Vom Tempo her mit dem Opener auf Augenhöhe, wird die Dynamik mit ruhigen Passagen noch erhöht, das Stück kommt für manche wie das Erhören ihrer Gebete.

Die Zeiten, in denen sich METALLICA ständig neu erfunden haben, sind endgültig vorbei, heute mischen sie das Beste aus ihren bisherigen Alben zusammen. Hier die Wucht von „Master Of Puppets“, da der Hymnenfaktor vom schwarzen Album und obendrauf der Groove von „Load“, das Ganze von Greg Fidelman mit einem meterdicken Sound in Szene gesetzt. Das Konzept funktionierte schon auf „Death Magnetic“ und „Hardwired... To Self-Destruct verhält sich dazu wie „Re-Load“ zu „Load“. Damit fehlt allerdings der eigene Charakter des Werkes, gerade die Metalgötter haben ihren ersten sechs Scheiben wie kaum eine andere Band eine eigene Identität verpasst.

Jetzt wo sie ihre Formel gefunden zu haben scheinen, ergeben auch die weniger geliebten Alben mittlerweile Sinn. Warum man dann aber acht Jahre für zwölf Songs benötigt, ist weniger verständlich. Indes spricht aber die Qualität für sich, diese Formation muss nicht mehr auskoppeln, nur um im Gespräch zu bleiben. Nachdem die eingangs gestellte Frage nach dem Feuer in den vier Herren schnell bejaht werden konnte, ist es lediglich der Kreativoutput, der auf Sparflamme kocht. Aber wenn sie dann kommen, dann zeigen sie der Welt, dass sie nicht umsonst da stehen, wo sie stehen. (Pfälzer)

 

Anzahl der Songs: 6 (CD1) / 6 (CD2)
Spielzeit: 77:30 min
Label: Blackened Recordings Inc./Universal
Veröffentlichungstermin: 18.11.2016

Bewertung:

Pfaelzer8,5 8,5 / 10


Jochen7,0 7 / 10

Klaus 7,57,5 / 10

Maik7,5 7,5 / 10

Matthias9,0 9 / 10

Pascal7,5 7,5 / 10

Alex2 8,08 / 10

Uwe8,0 8 / 10


metallica hardwired700

 

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