Amorphis UnderTheRedCloudnb mehrfachwertungRein albumtechnisch gesehen haben die Finnen in ihrem aktuellen Line-Up genauso viele Alben veröffentlicht wie zuvor mit ständig wechselnden Besetzungen. Der heutige Sechser hat sich über die Jahre immer mehr heraus geschält und debütierte 2006 mit "Eclipse". Bezeichnend ist, dass AMORPHIS seitdem nur knappe zehn Jahre brauchten, um fünf weitere Scheiben auf den Markt zu bringen, während man trotz jugendlichem Elan für das erste halbe Dutzend länger benötigte. Mittlerweile läuft die Truppe wie eine gut geölte Maschine, die ihren eigenen Stil immer mehr verfeinert hat. "Under The Red Cloud" ist der Titel, welcher das Dutzend voll macht, kann man mittlerweile noch großartig Neues erwarten?

Die Gefahr sich totzulaufen haben sie schon erkannt und bereits auf dem Vorgänger "Circles" zum Teil gebannt. Nach fast schon obligatorischen Besuchen in den Finnvox-Studios wurde dieser von HYPOCRISY/PAIN-Mastermind Peter Tägtgren produziert. Nun wird erneut weiter gezogen, man bleibt bei dem schwedischen Nachbarn, doch frequentierte dieses Mal die Fascination Street Studios von Jens Bogren. Um es vorweg zu nehmen, ihm gelang es nicht ganz, diesen tollen klaren, wuchtigen Klang einzufangen, den der Vorgänger auszeichnete. Jener war strukturierter, hier können die Sechs nicht immer die Klippe zu überfrachten umschiffen.

Manchmal wollten sie einfach zu viel, was vor allem den Einsatz von Gastmusikern angeht, der AMORPHIS-Sound ist vielschichtig genug. Da wirkt die Flöte von ELUVEITIE-Mastermind Chrigel Glanzmann ein bisschen deplatziert wie im schunkeligen "Tree Of Ages". Ebenso überstrapaziert wurde die weibliche Stimme von TREES OF ETERNITY-Sängerin Aleah Stanbridge, die in drei Songs zum Tragen kommt. "Death Of A King" kommt in dem Zug am unzugänglichsten rüber, was nicht nur an den Percussions vom früheren OPETH-Drummer Martin Lopez liegt. Die Sitar beißt sich einfach mit der ruppigen, fast punkigen Attitüde und "Enemy At The Gates" weiß nicht ob es OPETH-Verneigung oder Fortführung des "Tales From The Thousand Lakes"-Erbes sein will.

Einige Elemente wurden aber von Tägtgrens Arbeit beibehalten oder ausgebaut, Altfans dürfte vor allem der nochmals gestiegene Gruntanteil in den Vocals gefallen, auch wenn "Under The Red Cloud" nicht unbedingt härter ausgefallen ist. Der Trend zu mehr Kontrasten zwischen sehr weichen Passagen und derbem Gegrowle wurde noch verschärft, was aber streckenweise auch wieder zu Lasten der Harmonie geht. Teilweise tangiert man sogar den Black Metalbereich, dann tauchen Motive aus dem Artrock auf.
Genau das muss man AMORPHIS immer zu Gute halten, dass sie sich innerhalb ihrer Parameter weiterentwickeln, dabei immer neue Klangfarben hinzu fügen. Gerade das schwarzmetallische Wogen kennt man von Pagan Metalacts, welche auch von den Finnen mit beeinflusst wurden, nun nehmen diese wiederum den Faden auf. Teilweise kann man auch thrashige Einsprengsel heraus hören oder eine Zuwendung zum klassischen Metal, der in einigen Soli konstatiert wird. Dafür ist der Anteil an Siebzigerrock und Progzutaten nur noch schwer messbar.

Die Stücke werden immer noch von den großen, weiten Refrains bestimmt, welche die Truppe sofort identifizierbar macht, weil sie ihre Grundausrichtung gefunden haben. Der getragene, eröffnende Titelsong entführt einen direkt in die finnischen Wälder. Allerdings muss man auch hier festhalten, dass die ganz großen Hymnen wie "From Earth I Rose", "On A Stranded Shore" oder "Hopeless Days" nicht ganz erreicht werden.
Bezeichnend hierfür "Sacrifice", der typische Bandhit in der Tradition von "House Of Sleep" und "Silver Bride", welcher die selben Elemente mit bringt wie die unverwechselbaren atmosphärischen Staccatos, aber dennoch etwas zurück stehen muss. Anhänger müssen aufgrund der eindeutigen Marschrichtung allerdings keine Bedenken haben, auch wenn es nicht das stärkste Album der Band ist. Angesichts ihrer Geschichte reicht das immer noch, um der Konkurrenz und Nachahmern die Rücklichter zu zeigen. (Pfälzer)

 

Bewertung: 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 50:21 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 04.09.2015

Wertung der Redaktion
Anne Klaus Jannick Dennis David Andreas Maik
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