Armoredsaint winhandsdownMehrfach-Wertungder RedaktionIn einem guten Lexikon müsste bei „u" wie „unterbewertet" normalerweise ein Photo dieser US Metalcombo zu sehen sein. Schon in den frühen Achtzigern waren sie in Los Angeles der härtere Gegenpart zu den angesagten Hair Metalformationen. Tendierte das Debüt „March Of The Saint" klangtechnisch noch ein wenig in diese Richtung, so zeigten sie mit dem Meilenstein „Delirious Nomad" was sie konnten. Nach einem Tief mit „Raising Fear" wollten ARMORED SAINT zum großen Schlag ausholen, doch die Leukämieerkrankung von Gitarrist Dave Prichard verzögerte die Aufnahmen immer wieder. Die Veröffentlichung seines Meisterwerkes „Symbol Of Salvation" 1991 sollte er nicht mehr erleben. Mit zwei altbekannten Gitarristen trotze man der der Tragödie, musste ein Jahr später aber endgültig die Segel streichen, als Sänger John Bush die Band in Richtung ANTHRAX verließ. Doch man gab nicht auf und findet immer wieder zu einem neuen Album zusammen, zuletzt vor fünf Jahren mit dem etwas ruhigeren „La Raza". Wo findet sich die Truppe nach all den Rückschlägen heute mit „Win Hands Down" wieder.

Solche dauernden Tiefschläge und die mangelnde Anerkennung für ihre starken Alben können einem Musiker schon zusetzen. Allerdings kann man diese Frustration und Wut auch sehr gut in Biss kanalisieren und genau dies gelang dem Fünfer hier. Schon der titelgebende Opener drückt sowas von mächtig nach vorne, dass man sich besser anschnallen sollte. Alleine der sägende Gitarrensound, der so charakteristisch ist, definiert reinen Heavy Metal. Das war schon immer das Geheimnis bei den „gepanzerten Heiligen", bei niemand sonst korrespondiert der Klang der sechs Saiten so perfekt mit der Stimmfärbung des Sängers. Dabei gehört Bush auch so schon zu den besten Shoutern der Szene, doch hier kann er seine kraftvolle, unverwechselbare Stimme am besten einsetzen.

Die unbändige Power wird bei „Mess" sogar noch gesteigert, die Gangvocals im Refrain bersten schier vor Energie. Dabei gibt hier vor allem Gonzo Sandoval hinter seinem Kit ordentlich Sperrfeuer, sein fiebriger Groove machte schon Titel wie „Tribal Dance" zu einem Erlebnis. Wenn sie sich schon mal schön eingrooven, gehen die Leadgitarren überraschend in Sitarklänge über. Das Ganze ohne Reibungsverluste, um die thrashigen Attacken anschließend noch kraftvoller wirken zu lassen.
Gerade die Dynamik ist das, wovon die Scheibe neben der Power profitiert, diese Gegensätze machen alles noch interessanter. Teilweise kommt man den dezent progressiven Nuancen von "Delirious Nomad" nahe, während man beim Vorgänger doch sehr gradlinig rockte. Bestes Beispiel ist sicherlich "In An Instant", bei dem sich akustische Parts immer wieder mit metallischen Abfahrten abwechseln. Doch auch das atmosphärische "Muscle Memory" versprüht seinen ganz besonderen Reiz.

ARMORED SAINT gelingt es die ganze Palette, welche der klassische US-Metal bietet abzurufen, ein Album mit durchweg differenzierten Songs vollzupacken und dennoch immer klar identifizierbar zu klingen. Waren Jeff Duncan und Phil E. Sandoval auf "La Raza" bei ihren doppelten Leads noch eher von THIN LIZZY beeinflusst, so hat "An Exercise In Debauchery" ein Hauch von IRON MAIDEN. Diese werden zum Ende des Songs von der mächtigen Double Bass Gonzos noch mehr angeschoben, dazwischen haut Joey Vera auch ein paar Solobassnoten rein. Gerade hier zeigt sich die ungeheure Spielfreude des Fünfers, die beiden Sechssaiter geben unentwegt Gas, solieren sich ins Delirium. Die vielen kleine Einfälle kommen so spontan und direkt, ohne deplatziert zu wirken, für ein Band mit der Erfahrung ist "Win Hands Down" eine ungemein frische Angelegenheit.

Doch der Longplayer hat noch mehr zu bieten, "Dive" entpuppt sich als reinrassige Ballade, weniger im Stil von Powerballaden wie "Last Train Home". Auch hier ist die Sphärik Trumpf, inklusive PINK FLOYD-Gedächtnisleads und Streichern. Und im Rausschmeißer "Up Yours geht die Kultformation streckenweise punkig zu Werke und lässt es nochmal richtig krachen, ohne die klare Melodieführung vermissen zu lassen. Damit wird der Reigen abgerundet, ein Werk, dass zu jeder Sekunde fesseln kann, selbst in den überlangen Titeln. Selten wurde traditioneller Metal in den letzten Jahren so mitreißend und mit so viel Finesse dargeboten. Es klingt fast unglaublich, doch ARMORED SAINT schaffen es tatsächlich an "Symbol Of Salvation" heran zu reichen. (Pfälzer)

 

Bewertung: 9 / 10


Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 51:55 min
Label: Metalblade Records
Veröffentlichungstermin: 29.05.2015

Wertung der Redaktion
David Jannick Matthias Maik Klaus Anne Andreas
8 8 9 8,5 8 8 7,5
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