Mehrfach-Wertungder Redaktion

Dornenreich FreiheitDie Österreicher gehören zu den ungewöhnlichsten Formationen der Metalszene, der sie ja von Zeit zu Zeit gerne mal entrücken. Von der reinen Blackmetallehre der Anfangstage wandte sich Mastermind Eviga schon mit dem dritten Album, dem Meisterwerk "Her Von Welken Nächten" ab. Doch mit für die Fans nahezu schockierenden Werken wie "Hexenwind" oder dem rein akustischen "In Luft Geritzt" hätte niemand gerechnet. DORNENREICH verfolgten stets ihre eigenen Wege, die nicht selten durch das Reich der Avantgarde führten. Ein wenig zurück ruderten sie vor drei Jahren mit "Flammentriebe", als sie der Wut wieder freien Lauf ließen. Nun kündigten sie "Freiheit" als letzte Einspielung vor einer ungewissen Pause an. Ist der Titel als Abnablung vom Bandkorsett oder als völlige künstlerische Ungezwungenheit zu verstehen?

Schürte der Vorläufer noch Erwartungen an eine komplette Rückkehr zur alten Raserei, so werden diese direkt zu Beginn radikal hinweg gefegt. „Im Ersten Aller Spiele" ist rein akustisch gehalten, bis auf die Klampfe von Eviga, dessen Flüstergesang und die Geige seines Partners Thomas „Inve" Riesner nichts zu vernehmen. Und doch gelingt es den beiden ein dichtes und intensives Soundgeflecht zu weben. Das liegt an der livehaftigen und direkten Einspielung, welche eine unheimliche Dynamik in sich birgt. Die beiden verstehen, wie man Spannungsbogen aufbaut und wieder abschwellen lässt, ohne sich großartiger technischer Hilfsmittel zu bedienen.

So geht es bei den nächsten beiden Stücken weiter, nur die aufbrausende Geige nimmt sich ein wenig zurück. „Des Meeres Rauschen" wogt wie die Wellen, die eingesamplet werden vor sich hin, dennoch ist dieses bedrohliche Lauern zu spüren. Und dann setzt „Das Licht Vertraut Der Nacht" zum, im Refrain rausgeschrienen, Sprung an. Mit der Urkraft des Metal bricht die Nummer ruppig los, während Stock von eben jenen Kräften singt, die ihn befreien sollen. Die ganze Spannung, welche sich aufgebaut hat, entlädt sich in diesem Moment.
Kann „Aus Mut Gewirkt" diese Vehemenz noch halten, so verstehen es DORNENREICH geschickt diese langsam abflauen zu lassen. Am Ende mündet das achtminütige Instrumental „Blumen Der Stille" in die Ruhe, welche die Band in eine ungewisse Zukunft hinaus leitet. Doch auch dazwischen können die Österreicher immer noch überraschen, dann wenn eine rockig geschlagene Akustische für Augenblicke an LED ZEPPELIN denken lässt, oder man fast ins Balladenfach abdriftet.

Aber überrascht haben sie ohnehin schon immer, nun auch vielleicht sich selbst. Denn auch für Evigas Verhältnisse ist „Freiheit" eigenwillig, aber es ist immer wieder erstaunlich wie konsequent sie ihre Visionen umsetzen. Das Werk spielt mit Formen, Farben und Bildern, funktioniert synästhetischer als je zuvor. Man muss sich allerdings auch komplett darauf einlassen, sich den Zugang erarbeiten. Man darf auch nicht annehmen, dass es sich hier um sie Summe der einzelnen Teile handelt, dass man von den einzelnen Versatzstücken auf die Vergangenheit schließen kann. Auch hier ist wieder etwas völlig Neues und Eigenständiges entstanden.

Aber das reichte DORNENREICH nicht, sie wollen sich nun komplett neu erfinden, von Grund auf neu ausrichten Zuletzt befanden sie sich in einer Sackgasse, der Spalt zwischen schwarzmetallischer Härte und Folkmotiven wurde ihnen zu groß, sie wollten nicht mehr zwei Lager bedienen. Denn auch die Erwartungshaltung warf jeder Veröffentlichung einen Schatten voraus, auch davon will sich die Formation befreien. Wie es nun weitergeht, steht in den Sternen, für die Musiker hoffe ich, dass sie eine Nische finden, um sich wirklich auszuleben. Dann werden sie auch wieder etwas kreieren können, dass de Hörer nicht einigermaßen ratlos zurück lässt. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10


Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 47:41 min
Label: Prophecy Records
Veröffentlichungstermin: 02.05.2014

Wertung der Redaktion
David Jan Jochen Maik Katha Anne Jannick
7 7 5 8 6,5 7 8
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Jochen antwortete auf das Thema: #12752 3 Jahre 6 Monate her
Sorry, aber was soll das sein? Das hat ja schon kaum was mehr mit Musik zu tun. Und selbst wenn, werden fast immer die gleichen Methoden angewandt. Es ist alles vorhersehbar, und das Geflüster ist auch keine Bereicherung. Ein Song - ok, ein Album - unnötig.

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