lacunacoil brokencrownhalonb mehrfachwertungSchon seit einigen Alben werden LACUNA COIL immer dunkler. Nicht unbedingt im musikalischen Sinne, aber das Coverartwork ihrer Alben läßt durchaus einen roten Faden erkennen. Vorbei ist es mit bunten Blümchen wie noch auf „Comalies“. Schon das Cover zu „Karmacode“ war auf seine Art verstörend, aber seit „Shallow Live“ wird das Artwork immer düsterer und hat nun mit „Broken Crown Halo“ seinen Höhepunkt gefunden. Das Cover ist sehr dunkel und schlicht gehalten, allerdings dadurch auch nicht mehr so ins Auge springend und auffallend wie die Cover der letzten beiden Alben. Ob das auch auf die Musik dieses Albums zutrifft, das gilt es herauszufinden.

Und – ja, auch die Musik ist dunkler geworden. Jetzt kommen LACUNA COIL ja ursprünglich sowieso aus der Gothic-Ecke und es mag seltsam erscheinen wenn ich schreibe, daß die Band düsterer geworden ist. Aber auf gewisse Weise stimmt es eben doch. Sie haben nun eben einfach eine andere Schattierung als vorher. Die Band hatte im letzten Jahr laut eigener Aussage eine schwere Zeit. Und das hört man. Dazu kommt, daß nach 16 Jahren Bandzugehörigkeit Cris “Pizza” Migliore und Cristiano “CriZ” Mozzati die Band aus persönlichen Gründen verlassen haben.

Das kann man eigentlich nicht hören, denn die beiden haben die Band erst nach den Aufnahmen verlassen. Aber irgendwie ist es jetzt doch anders. Und vor allem verdammt schade. Waren LACUNA COIL doch auch einer der Bands, die offenbar niemals Mitglieder austauschten. Nun denn, da stehen wir nun und haben „Broken Crown Halo“ als letztes musikalisches Werk der „alten“ LACUNA COIL.

Bekanntlich klingt bei den Italienern ja kein Album wie das andere, obwohl sie längst ihren eigenen, unverkennbaren Sound gefunden haben. Und so enthält auch „Broken Crown Halo“ Elemente, die man so von der Band noch nicht gekannt hat. Am auffälligsten sicher Christinas fast schon gerappte Sprechgesangsparts in „Victims“. Gleichzeitig kehrt man aber auch zurück zu den Wurzeln und präsentiert mit „Die And Rise“ den ersten Song seit langem, in dem es auch einen italienischen Text gibt.

In der Vergangenheit wurde der Band ja oft vorgeworfen, sie würde zu „amerikanisch“ klingen. Ich muß zugeben, auch ich finde, daß LACUNA COIL auf ihren letzten Alben „amerikanisch“ klangen. In diese Richtung geht man auch weiter mit Songs wie „Cypersleep“, in dem Christina Scabbias Stimme passend zum Songtitel am Anfang verzerrt wird. Dennoch klingt „Broken Crown Halo“ in seiner Gesamtheit wieder „europäischer“, „italienischer“. Wie auch immer man das definierten mag. Ob dies daran liegt, daß das Album nicht in Amerika, sondern in der Heimat Mailand aufgenommen wurde?

Gleichzeitig ist „Broken Crown Halo“ aber auch etwas sperriger, etwas weniger poppig, etwas härter als der Vorgänger „Dark Adrenaline“. Hm. Härter ist irgendwie nicht der richtige Ausdruck. Harscher vielleicht. Forscher. Die Gitarren dürfen wieder etwas härter sein. Definitiv ist das Album nicht so eingängig wie das letzte. Während „Dark Adrenaline“ eigentlich sofort gezündet hat, brauche ich bei „Broken Crown Halo“ deutlich mehr Durchläufe. Und schaffe es doch nicht, daß mir das Album so gut gefällt wie sein Vorgänger. Und das, ohne daß ich jetzt konkret einen Grund nennen könnte. Die Songs wollen einfach nicht in meinem Kopf bleiben.

Dabei kann man sagen was man will: LACUNA COIL sind ja fast immer gut. Und auch auf diesem Album kann ich keinen Song finden, den ich als Ausfall bezeichnen würde. Auf seine Art mag ich jeden einzelnen Song auf diesem Album. Andererseits fällt es mir aber auch schwer, einen Favoriten zu benennen. Und doch haben die Italiener sich wieder weiterentwickelt, so wie sich stetig weiterentwickeln. Neben den bereits erwähnten Neuerungen gibt es auch einige sanfte Songs, allen voran das abschließende „One Cold Day“, bei dem Christina noch einmal all ihr Können zeigt und das auch mit Streichern punkten kann. Ein sehr schöner Abschluß für ein sehr schönes Album (Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters), das einfach etwas Zeit braucht, damit man seine Klasse auch wirklich erkennen kann. (Anne)

Bewertung: 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 47:35 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 28.03.2014

Wertung der Redaktion
Maik Jannick Pfälzer Andreas Pascal Brix Seb
8 7 6,5  7 6,5 
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Jannick antwortete auf das Thema: #12260 4 Jahre 1 Monat her
Dass hier Musik geboten wird, die auf jeden Fall auch hohen Ansprüchen genügt, steht wohl außer Frage. Was aber auch mich stört ist die Ziellosigkeit, die in den Mitten jedes 2. Songs für eine latente Langatmigkeit Sorge trägt. So etwas sollte bei einer Band vom Kaliber Lacuna Coils eigentlich nicht auftreten...
Pascals Avatar
Pascal antwortete auf das Thema: #12259 4 Jahre 1 Monat her
Obwohl ich normalerweise nicht auf so "moderne" Sachen abfahre, hat mir die Scheibe auf Anhieb gut gefallen.
Mir gefällt eigentlich besonders der druckvolle Sound gut, doch dies ist für das Genre ja nicht untypisch. Einige der Songs gehen mir nach ein paar Durchläufen durchaus gut in den Kopf.
Sebastians Avatar
Sebastian antwortete auf das Thema: #12257 4 Jahre 1 Monat her
Kann mich da nur anschließen. Solides Album. Für zwischendurch vollkommen ok, aber leider kein Tiefgang und kein Wiedererkennungswert… Plätschert so vor sich hin und nach dem Hören ist einfach alles wieder weg…
Pfaelzers Avatar
Pfaelzer antwortete auf das Thema: #12246 4 Jahre 1 Monat her
Ich meinte nicht seicht, ich meinte komprimiert. Dynamik finde ich da keine, der Aufnahmepegel bewegt sich kein Bisserl, der zuckt noch nedd mo e weng!
Bjoerns Avatar
Bjoern antwortete auf das Thema: #12245 4 Jahre 1 Monat her
Die Scheibe ist annehmbar, hat ein paar nette Momente, aber wie der Pfälzer bereits sagte: Seicht!

Gehört und schon im nächsten Augenblick vergessen.
Pfaelzers Avatar
Pfaelzer antwortete auf das Thema: #12244 4 Jahre 1 Monat her
Oh weh, hätte der indische Ozean die Tiefe dieses Albums, hätte man diesen malayischen Vogel schon lange gefunden.

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