gotthard bangnb mehrfachwertungDie zweite Chance! Nachdem das erste von Nic Maeder eingesungene Album bei den Fans und Kritikern beider maßen ordentlich ankam, aber nicht zu Begeisterungstürmen hinriss, legen die Schweizer keine zwei Jahre später nach. Man muss dem Mann konstatieren, dass er die sehr schwierige Aufgabe Steve Lee zu ersetzen gut gemeistert hat, auch wenn er (noch?) nicht an seinen Vorgänger heran reicht. Zumindest menschlich scheint es zu stimmen, denn das Pensum ist schon recht hoch, das funktioniert nur in einem guten Bandgefüge. Aber können GOTTHARD auch die etwas schwächeren Songs der beiden voran gegangenen Alben wieder wett machen? Denn auch davon ist, es abhängig, ob die neue Konstellation langfristig Zukunft hat.

Direkt zu Beginn machen der Titelsong und das etwas schwerer rockende „Get Up ´n´ Move On" deutlich, dass es hier nicht den ursprünglichen, fast Retroklang des Vorgängers gibt. Befeuert durch einen dicken Sound drücken die beiden Stücke mächtig nach vorne, dass es einfach Spaß macht. Direkter, rauer und treibender Hardrock, der Erinnerungen an die glorreiche Frühphase aufkommen lässt.
Danach wird erst mal das Tempo rausgenommen, mit den Synthesizern der Single „Feel What I Feel" hält der Mainstream Einzug. Auf dem Dreher finden die Tasten wieder mehr Verwendung, ohne jedoch die Gitarren in den Hintergrund zu drängen. Schon bei den angesprochenen Liedern kann man das nachhören, wenngleich GOTTHARD da auf die gute, alte Hammond setzen. Völlig ungewöhnlich sind dann die Akkordeonklänge in der ruhigen Akustikballade „C´est La Vie".

Es gibt also viel zu entdecken auf „Bang!", etwas mehr als bislang von den Schweizern gewohnt. Doch diese Vielfalt ist vielleicht auch etwas mehr als der Scheibe gut tut. Mit Charlie Bauernfeind und Ronald Prent haben die beiden Produzenten, welche die letzten Alben betreuten hier gemeinsam ihre Finger im Spiel. Dazu mietete man sich für den Mix im Hilversumer Wiseloord-Studio, einem der renommiertesten Soundtempel ein. Mir drängt sich einfach der Verdacht auf, dass die beiden die Möglichkeiten dieser Lokalitäten zu sehr ausgereizt haben und die Songs teilweise überfrachten.
Jedem Song den passenden Klang hinzuzaubern, dient dem zwar einzelnen, entpuppt sich aber als Bumerang. Dass die harten Stücke wie „Mr. Ticket Man" fast ein wenig modern daher kommen, „C´est La Vie" sehr geschliffen ist und die bluesigen Stücke trockener produziert wurden, wirkt ein Stück weit uneinheitlich. Man hat es einfach nicht geschafft, die vielen Ideen unter einen Hut zu bringen, hier fehlt die Balance zwischen den einzelnen Elementen. Das gilt auch für einzelne Titel, etwa „I Won´t Look Down", bei dem die Gangshouts nicht mit der „Kashmir"-Atmosphäre harmonieren wollen.

Schade ist das insofern, da das eingangs angesprochene Songwriting endlich wieder stimmt und die Jungs ein paar echte Perlen versteckt haben. „Jump The Gun" beginnt lässig wie ein „Firebirth"-Überbleibsel, bietet dann aber feinstes Gitarrensperrfeuer, Obertöne der Marke John Sykes meets Zakk Wylde inklusive.
Und vor allem das grandiose „Spread Your Wings", welches den Hörer an WHITESNAKE denken lässt. In den Strophen croont der neue Mann wie „The Cov" zu besten Zeiten, der Refrain entwickelt sich zur Hymne, die Orgel heult und die beiden Gitarristen steuern ein paar Moody/Marsden-Gedächtnis-Twin-Leads bei. Diese Zwillingsgitarren packen Leoni und Scherer auf „Bang!" auch noch öfter aus.
Zu erwähnen wäre da noch der Stadionrocker „My Belief", der ebenfalls die Brücke zu den Anfangstagen schlägt. Am Ende präsentiert sich das Zehn-Minuten-Epos „Thank You" endlich mal perfekt ausgewogen – zwischen Robbie Williams-Schmacht und geigenverhangenem „November Rain"-Pathos.

Zwar habe ich schon die tolle Gesangsleistung von Nic Maeder angedeutet, doch man muss ihm einfach noch gesondert attestieren, dass er mehr in der Band angekommen scheint. Er singt viel kräftiger und variabler, strahlt eindeutig mehr Selbstbewusstsein aus. Überhaupt ist sehr vieles selbstbewusst und mutig auf dem Album. Ein Mut, der aus erwähnten Gründen nicht ganz belohnt wird, weil man einfach zu viel wollte. Das hier hätte ein Hammerteil werden können, so geht es nur knapp vor „Firebirth" über die Ziellinie. War der Vorläufer in sich geschlossener und betonte die Siebzigerschlagseite mehr, so hat „Bang!" ganz klar die besseren Einzelsongs. (Pfälzer)

Bewertung: 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 62:26 min
Label: G. Records
Veröffentlichungstermin: 04.04.2014

Wertung der Redaktion
David Anne Kevin Maik Pascal Jannick Andreas
7 7,5 7 7 8 8 8,5
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