Mehrfach-Wertung der Redaktionbsr_hellbreakeslooseEigentlich war das Kapitel THIN LIZZY ja schon lange beendet. 1983 löste sich die Truppe auf und der viel zu frühe Tod ihres Mainmans Phil Lynott machte alle Hoffnung auf eine Reunion zunichte. Doch plötzlich tauchte die Band 1999 mit dem Gitarristen John Sykes am Mikro wieder auf. Seitdem waren sie ständig unterwegs, um ihre Klassiker weiter an den Herrn zu bringen. In der Zwischenzeit rotierte das Line-Up öfter, vor allem der Ausstieg von Sykes war signifikant. In der neuesten Zusammensetzung mit Ricky Warwick als Sänger reifte die Idee, ein weiteres Album aufzunehmen. Mittlerweile ist man allerdings sehr weit weg von dem großen Namen, da mit Scott Gorham nur noch ein Originalmitglied an Bord ist. So entschied sich die Formation, fortan unter BLACK STAR RIDERS weiter zu machen, um in diserer Besetzung "All Hell Breaks Loose" einzuspielen.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob das nach all den Jahren funktionieren kann und wohin die Reise musikalisch gehen soll. Der eröffnende Titeltrack klärt dann schon mal ein paar Fronten. Nach einem trockenen Riff geht es cool und abgehangen weiter, nur ein paar Akkorde bringen den Song voran. Beim eingängigen Refrain braust die Nummer dann richtig auf, der Gesang erinnert an Warwicks alte Combo THE ALMIGHTY. Das Solo wird von einem lässigen „Come on, Scotty" eingekickt, bevor dann zum ersten Mal die berühmten doppelten Gitarenleads kurz aufblitzen. Eine kurze Verbeugung vor „Bad Reputation" als Schlussakkord, fertig ist die Blaupause für THIN LIZZY anno 2013.

Gab es die Twinleads bei dem starken Opener nur im Ansatz, so bekommt man sie beim folgenden „Bound For Glory" fassweise. Fast glaubt man einen alten Bekannten vor sich zu haben. Nicht von ungefähr, denn die Nummer wurde in den letzten Wochen auf allen Kanälen verbreitet, damit auch der letzte Kulturbanause mitbekommt, dass die Jungs zurück sind in der Stadt. So nah an der eigenen Vergangenheit sind die BLACK STAR RIDERS nur noch beim ruhig beginnenden „Hey Judas".
Doch ganz können sie ihre Wurzeln nie abschütteln und wollen das wohl auch nicht. Jedes Lied versprüht, egal ob in der Melodieführung, den Riffstrukturen oder eben den Sologitarren einen Hauch der legendären Formation. Dabei vermeidet man es aber immer, direkt bei einem früheren Stück abzukupfern, sondern überträgt die Trademarks einfach in die heutige Zeit. „All Hell Breaks Loose" kommt unheimlich geschlossen daher, ohne dass die Titel gleichförmig klingen.

Irische Einflüsse waren ebenso immer ein Teil der Band; da Warwick selbst Ire ist, bringt er diese nun auch mit ein. „Kingdom Of The Lost" könnte als das neue „Black Rose" durchgehen, ist aber mit seinen an die typischen Shantys angelegten Melodien weitaus beschwingter. Und wie es sich für Iren gehört, umweht alle Kompositionen immer ein Hauch von Melancholie. Die fallen innerhalb der Grenzen variabel aus, bei „Valley Of The Lost" wird der Härtegrad ein wenig hochgeschraubt, also eher in der Art wie „Thunder And Lightning" statt wie „Jailbreak".

Genauso vielseitig präsentiert sich auch der neue Frontmann, der seine Stimme gut anpasst und öfter wie der selige Phil Lynott persönlich klingt. Aber auch sein rotziges Timbre aus THE ALMIGHTY-Tagen kommt ebenso zum Vorschein wie tiefe, klare Vocals. Bei der Wahl des Produzenten bewies man ein ebenso gutes Händchen, Kevin Shirley ist derzeit die Topadresse, wenn es um einen erdigen, ursprünglichen Sound geht. Keiner sorgt für so ein warmes und differenziertes Klangbild, auch wenn er schon druckvoller abgemischt hat.
Manches könnte auch ein wenig ausgefeilter sein, aber ich denke, man hat sich bewusst für das sehr spontane Feeling, wie bei den bissigen Soli entschieden. So ist „All Hell Breaks Lose" eine klassische, unaufgeregte Rockscheibe geworden, der vielleicht ein paar Höhepunkte fehlen und die daher nicht an die Kultalben der Siebziger ran reicht. Doch seien wir ehrlich, gäbe es THIN LIZZY noch und die hätten das Album auf den Markt gebracht, könnten die Fans verdammt gut damit leben. (Pfälzer)

 

Bewertung: 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 46:16 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 24.05.2013

Wertung der Redaktion
David Pascal Anne Maik Andreas Jochen Kevin
6 8 7,5 7,5 8 7,5 8
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