uli jon roth tokyo tapes 200pxIm Zuge der Promotion zu ULI JOHN ROTHS Neuinterpretation seiner Zeit bei den SCORPIONS, welche unter dem Titel „Scorpions revisited“ für Aufsehen sorgte, verriet der Ausnahmemusiker im Interview mit dem „Sleeze Roxx“ -Magazin (Link zum Interview in englisch) seine Pläne für das weitere Jahr. So sei unter anderem geplant einen Livemitschnitt des besten Konzerts der Tour zum Album zu veröffentlichen.

Als Gegenentwurf zu „Scorpions Revisited“ gedacht war geplant die Konzerte der Japan-Tour mitzuschneiden und als Livemitschnitt zu veröffentlichen.
Zu seiner eigenen Überraschung war dann der Auftritt in der Nakano Sun Plaza Hall Tokyo dann so exzellent geraten, dass dieser zur Veröffentlichung auserkoren wurde. Das Konzert fand am 20.Februar 2015 am gleichen Ort statt, wie auch schon der legendäre Auftritt der SCORPIONS im Jahr 1978, welcher durch das Album „Tokyo Tapes“ schon seit fast vier Jahrzehnten als Referenz auf dem Livealbum-Sektor dient.
Auch mich hat „Tokyo Tapes“ in frühester Jugend gefesselt und wabbert ständig in irgendwelchen Synapsen umher. So bin ich sehr auf die moderne Umsetzung gespannt. Kein Klaus Meine singt, kein Rudolf Schenker drischt in die Saiten. Nein, es sind mir gänzlich unbekannte Musiker am Start, was jedoch gar nichts bedeutet, denn was nicht ist kann ja noch werden. Ich hab Ulis Biografie die letzten Jahre bis auf die Gastauftritte bei den SCORPIONS etwas vernachlässigt. Jedoch macht das nichts um ein Werk wie dieses einordnen zu können.
Dass Uli Jon Roth Gitarre spielt und den ein oder anderen Song selbst singt ist klar, den Hauptgesang teilt sich ein gewisser Nathan James mit Niklas Turmann, welcher auch die Rhythmusgitarre spielt.
Jamie Little am Schlagzeug versprüht ein wenig Versicherungsvertreter-Charme. Ule W. Ritgen am Bass hält sich show- und soundmäßig bedeckt, wie auch Keyboarder Corvin Bahn, der immer irgendwie beobachtend und suchend wirkt. Einziges künstlerisches Highlight neben Uli John Roth ist der junge Gitarrist David Klosinski, der während der Show auch mal durch einen Scheinwerfer auch visuell hervorgehoben wird. Ansonsten befindet sich das beste Licht immer auf dem Saitenhexer, der sich hinter Jimi Hendrix nicht zu verstecken braucht.

Da kommen wir auch schon zu der Show an sich. Da es keine mir bekannte Video-Aufzeichnung der Show von 1978 gibt, kann ich nur anhand der wenigen Bilder vergleichen. Eins ist sicher: so eine Akrobatik, wie Rudolf Schenker sie Anno Dunnemals auf die Bretter gelegt hat, gibt es nicht zu sehen. Bis auf ULI JOHN ROTH wirken alle Mitmusiker sehr brav. Bei der Energie, welche die Musik ausstrahlt, ist das für mich ein wenig befremdlich. Ehrlich gesagt finde ich Leadsänger Nathan ein wenig fehl am Platz. Über seine Leistung im Gesang kann man sicher scheußlich streiten, jedoch mag ich dieses aufgesetzte Gejaule bei jeder Gelegenheit nicht und es macht auch stellenweise die Songs kaputt. Was mir auch nicht schmeckt sind diese schwülstigen Keyboardeinsätze, was viele Songs nach Musical klingen lässt.
Über jeden Zweifel erhaben ist das Gitarrenspiel von ULI JOHN ROTH, der wie aus der Zeit gefallen aussieht. Jeder noch so komplizierte Melodiebogen, jedes noch so einfache Riff wird von ihm leichtfüßig vorgetragen. Bei seinen ausladenden Solo-Performances spielt er sich scheinbar in Trance, als würden seine Finger von mächtigen Energien über das Griffbrett geführt.
Zweifellos einer der besten Rockgitarristen unserer Zeit. Vergleiche mit Jimi Hendrix bieten sich wohl an, jedoch nervt der ständige Vergleich auch. Sind wir doch mal realistisch: Jimi Hendrix weilt nicht mehr unter uns, und mit Uli haben wir einen nach wie vor aktiven Musiker, welcher in seiner eigenen Liga spielt. Nicht umsonst hat er eine Gitarre erschaffen, mit der er seine Vorstellungen komplett umsetzen kann.
Die Zuschauer wirken gewohnt dröge und manche sehen aus, als wären sie gerade aus dem Büro gefallen. Bei der Frage von Uli ans Publikum ob es denn Zuschauer gibt, die 1978 auch dabei gewesen waren, melden sich nicht wirklich viele, was er in etwa mit: „ist ja auch wurscht...“ kommentiert. Dennoch gibt es anständigen Applaus. Die Zugaben mit Coversongs wirken etwas gezwungen und für meinen Geschmack überflüssig.

Zu Qualität von Bild und Ton der Blu-Ray Ausgabe kann man einfach auch „Top!“ sagen. Der Klang ist saftig und transparent und passt zur Musik. Die Bildqualität erreicht zwar nicht Referenzniveau wie so manche Pop-Produktion, ist aber fast rauschfrei in sehr guter HD-Qualität. Einen Filter kann ich nicht erkennen und man bekommt einen sehr guten Eindruck vom Geschehen und der Optik der Bühne.
Der Bildschnitt wirkt ab und an holprig, als wäre der ein oder andere Kameramann vom Ablauf der Show ganz überrascht worden. Aufmachung der Box mit den beiden CD ist zwar wertig, aber mittlerweile Industriestandard. Es gibt ein reich bebildertes Booklet, jedoch enthält die Blu-Ray keinerlei Bonusmaterial. Das findet sich nur in der „dicksten“ Inkarnation des Konzertes wieder – der auf 800 Stück limitierten Super-Deluxe-Box.
ULI JOHN ROTH-Fans können hier bedenkenlos zugreifen, denn in so brillanter Qualität hat man den Übergittaristen wohl noch nie gesehen. Alle anderen werden lieber weiter das Originalalbum von 1978 hören, denn ich finde auch das Klaus Meines Stimme einfach besser zu den Songs passt.
Der vielleicht ungehobelte Charakter von damals hatte seinen Charme und ich finde es gruselig wenn man da Zuckerguss und Schmalz drüber kippt. (Andreas)


Bewertung:

Andreas8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 19 (kein Bonusmaterial)
Spielzeit: 148:00 min
Label: UDR Music
Veröffentlichungstermin: 16.12.2016

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