joebonamassa livegreektheatreIrgendwie kann der derzeitige Blues-Branchenführer seine speziellen Shows nur in den Staaten bringen. So spielte er vor zwei Jahren im Red Rock Amphitheater eine Tributshow an Muddy Waters und Howlin´ Wolf, welche als DVD veröffentlich wurde. Nun war das Greek Theatre in Kalifornien Schauplatz, als sich JOE BONAMASSA der Musik der der Kings des Blues widmete. Auch dieser Abend mit Liedern von „B.B., Albert und Freddie King wurde auf einem Silberling festgehalten. Dass nur ein Jahr nach der letzten Liveveröffentlichung „Live At The Radio City Music Hall“ erneut ein Konzertmitschnitt in den Regalen steht ist mittlerweile normal, die Quote von einem Produkt im halben Jahr wird konsequent verfolgt. Dabei kommt qualitativ stets hochwertiges, aber nicht immer so grandioses zu Tage wie der letzte Studiodreher „Blues Of Desperation“, wo ordnet sich die Königshuldigung ein?

Der Mann hat bei der Show am 29. August 2015 in der Open Air Arena nahe Los Angeles erneut aufgerüstet, zumindest personell. Mit Kirk Fletcher hat er einen Rhythmusgitarristen an Bord, dem er auch das ein oder andere Solo zugesteht. Dazu kommen gleich drei Backgroundsängerinnen, die ja schon auf seinem aktuellen Studioalbum zu Zug kommen. Nach der Hinzunahme des Bläsertrios orientiert er sich weiter weg vom Rock und immer mehr zu traditionellen Blues und Soul hin. Das könnte interessant werden, wenn die Damen im Mai auch mit nach Europa kommen, da man dann auf Nummern wie das famose „The Valley Runs Low“ hoffen kann. Mittlerweile ist die Produktion des Blueserneuers mächtig aufgebläht, bei den Ansagen stellt er sich aber ganz bescheiden als „Three Kings Bluesband“ vor.

Die besteht natürlich nur aus Könnern, wobei die Rumpftruppe seit Jahren eingespielt ist. Anton Fig löst seine Aufgaben etwas unspektakulärer als Tal Bergman, setzt aber immer sehr pointiere Schläge oder lässigen Shuffle-Groove. Sein Rhythmuspartner, der hoch aufgeschossene Glatzkopf Michael Rhodes ist ohnehin die Lässigkeit in Person. Noch mehr Freiraum als zuletzt bekommen die beiden Saxophonisten Paulie Cerra und sowie Trompeter Lee Thornburg. Vielleicht sind sie manchmal zu sehr im Gesamtsound präsent, harmonieren aber sehr gut miteinander, sowie mit dem Meister höchst selbst.
Gerade in den ruhigen Momenten wie in „The Thrill Is Gone“ erzeugen sie tolle, atmosphärische Harmonien. Immer wieder bekommen sie auch Solospots, bei welchen sie sich auch ständig abwechseln. Dem Fokus auf ihren Einsatz ist ein wenig die dynamische Ausdrucksweise des Rock geopfert worden, statt Jams stehen jetzt vermehrt Soli auf dem Programm, bei denen natürlich Bonamassa voll aufgeht. Auch der geniale Tastenmann Reese Wynans rückt ein wenig mehr in den Hintergrund als bei den Konzerten, auf denen ich ihn erleben durfte. Dabei ist sein Spiel von einer so phantastischen Leichtigkeit geprägt und seine Spielfreude in jedem Augenblick zu spüren.

Wer aber JOE BONAMASSA kennt, der weiß, dass sich das schon bei der nächsten Tour ändern kann. Die Vielfalt dieses Künstlers kennt nur die Grenzen des Blues, welche bis zum Exzess ausgelotet werden. Das Schöne an solchen Veröffentlichungen ist ja, das man quasi ein komplett neues Werk geboten bekommt, bis auf wenige Ausnahmen wie „Nobody Loves Me But My Mother“ hat man diese Songs noch nie von ihm gehört, wenn dann auch nur live. Die öfter vertretenen Stücke „Never Make Your Move To Soon“ und „Going Down“ wurden hier noch einmal umarrangiert. Das Konzert wurde in Blöcke von Freddie, Albert und B.B. eingeteilt, bei der Zugabe gibt es noch ja einen Song der drei.

Was mir allerdings etwas Sorgen macht ist die Umsetzung der DVD, vor allem im optischen Bereich. Soundtechnisch ist ja bei Kevin Shirley wie gehabt alles in besten Händen, der Liveklang wird in der druckvollen Abmischung bewahrt, wenn sich auch mittlerweile da eine gewisse Gewöhnung einstellt. Um die zu umgehen, wollte Regisseur Phillipe Klose einen anderen, möglicherweise einen dem Thema angemessenen, eher retro gewandten Ansatz nehmen. Die Bilder lassen oft die Schärfe vermissen und auch die Kameraeinstellungen sind seltsam fokussiert, ohne jetzt schöne Close-Ups auf das Spiel zu liefern.
Das kommt manchmal recht interessant, wenn die synchronen Tanzbewegungen der drei Sängerinnen eingefangen werden, ohne sie komplett zu zeigen. Aber oft nerven diese Ausschnitte nur, weil einfach Dinge fehlen, die man sich dazu denken muss. Damit täuscht man dem Zuschauer eine gewisse Clubintimität vor, ob dies das Ziel war, vermag ich nicht festzustellen. Da sich aber mittlerweile die Lightshow ein wichtiger Bestandteil ist, hätte man die mehr einfangen können, auf den Bildern mit der Totalen der Arena kann man im Dunklen wenig erkennen.

Garniert wird das Paket von ein paar Bonusfeatures, die neben der Standardware Fotogalerie und Tourdoku ein paar Schätze bereithält. Als Abspann läuft das JOHN HIATT-Cover „Riding With The King“, dass es hier noch einmal komplett gibt. Zu der unglaublich lebendigen Version, bei der Backgroundvokalistin Mahalia Barnes viel Leadgesang übernimmt, wurde ein Videoclip gedreht. Und als sehr interessant ist das lange Interview mit Joe´s Familie einzustufen. Die äußerst stolzen Eltern reden viel über seine Anfänge, gewähren private Einblicke und nehmen den Zuschauer mit zu den ersten Auftrittsorten ihres Sohnes. Insgesamt eine runde Sache, aber der, nach den Worten seines Vaters, Workaholic Bonamassa muss dennoch aufpassen nicht zu omnipräsent zu sein. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 23
Spielzeit: ca.196 min
Label: Provogue/Mascot
Veröffentlichungstermin: 23.09.2016

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