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rainbow donington80Zieht es den guten Ritchie Blackmore also doch noch einmal zu seinen Wurzeln in der Rockmusik. Nachdem er zwanzig Jahre mit seiner Frau Gemahlin unter dem Banner BLACKMORE´S NIGHT dem mittelalterlichen Folkpop frönte, lässt er in dem Jahr den Regenbogen wieder steigen. Unter dem legendären Monsters Of Rock-Logo geben RAINBOW mit THIN LIZZY und MANFRED MANN´S EARTHBAND mehrere Konzerte in Europa, zwei davon in Deutschland. Keine andere Band eignet sich besser für die Wiederbelebung der Konzertreihe, denn die allererste Ausgabe headlinte die Truppe 1980 auf dem Castle Donington. Da große Ereignisse ihre Schatten voraus werfen, war klar, dass da auch einiges wieder ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird. So erschien nun ein Mitschnitt eben jenes Gigs, der in die Geschichte einging, der schlicht „Monsters Of Rock – Live In Donington 1980“ betitelt ist.

Von der ebenso schlichten Aufmachung als Jewel Case-Doppel-CD sollte man sich nicht beeindrucken lassen, schließlich wurde die Audioversion gleich mitgeliefert. Beeindruckend ist zu Beginn erst mal der Funkenregen der von der Bühne runterprasselt, ja in Sachen Showeffekte wurden schon in den Siebzigern Maßstäbe gesetzt. Beeindruckend ist auch das Spiel von Cozy Powell, der wie ein Berserker auf sein Kit eindrischt und dabei ein cooles Break nach dem anderen einschiebt. Dabei gelingt ihm immer dieser satte Ton und auch von seiner Bewegungsdynamik ist er ein echter Blickfang, auch wenn er immer nur frontal aufgenommen wurde. Jede DVD-Veröffentlichung mit ihm hinter der Schießbude macht mir immer wieder klar, was ich verpasst habe, ihn nie live gesehen zu haben.

In gewisser Weise auch beindruckend, wenn auch in umgekehrtem Sinne ist die Qualität der Aufnahmen, denn was ich nur kurz andeutete, entpuppt sich als Achillesverse des ganzen Produkts. Nicht nur dass die Einstellungen recht eindimensional und wenig abwechslungsreich sind, auch die Bildqualität lässt zu wünschen übrig. Klar, hatte man damals noch nicht die Möglichkeiten, Kameras waren schwer und konnten nicht in jeden Winkel geschleppt werden. Doch in Sachen Bildauflösung wurde Blackmore ein paar Jahre später auf „Perfect Strangers Live“ deutlich besser aufs Band gebannt. Griesig ist hier streckenweise noch unter trieben, in der totalen ist kaum etwas zu erkennen, außer dem angesprochenen Funkenregen.
Leider schließt sich der Sound dann auch noch dem ganzen Dilemma mit an, kommt über weite Teile eher undifferenziert daher, wobei auch die Qualität deutlich schwankt. Einmal ist der Gesang zu leise, dann übertönen selbst die Backgroundgesänge alles. Da nur ein kleiner Teil des Konzertes in der Audioversion vorliegt muss man annehmen, dass der Rest gänzlich unbrauchbar war. Das hat zur Folge, dass einige Songs nicht vollständig auf der DVD zu finden sind. Speziell bei „Catch The Rainbow“ ein riesiges Manko, gibt es hier nur die Coda, während der ruhige Beginn schmerzlich vermisst wird. Als wäre das nicht genug variiert die Reihenfolge von Bild- zur reinen Tonkonserve, da muss man noch die Setlist googeln, um zu wissen, was wann gespielt wurde, wobei man heraus findet, dass auch die CD nicht vollständig ist.

Schon ein bisschen komisch, wenn Graham Bonnett mal seine Jacke an, beim nächsten Song wieder aus hat. So ganz der exaltierte Showman war er jetzt nicht, dass er solche Spielchen nötig hatte, das erledigt der Schnitt. Ein guter Performer war er dennoch, wie hier zu sehen ist, sowohl stimmlich als auch vom Bewegungsdrang und den Posen passt da alles. Und das ist eben schade bei dieser Aufarbeitung, denn der Gig war musikhistorisch ein absoluter Leckerbissen. Blackmore selbst ist blendend aufgelegt, obwohl er ja bekanntlicherweise von Bonnetts neuem Kurzhaarschnitt angepisst war.
Oder war es genau das, was ihn zu dem aggressiven Spiel trieb. Wie ein Berserker sprang er herum, oft war nur maximal ein Bein auf der Erde, und malträtierte wild seine Gitarre. Seine Leidenschaft ist auch trotz der schlechten Tonqualität heraus zu hören. Roger Glover war ebenfalls sehr agil, bildete wie auch heute noch bei DEEP PURPLE das Rückgrat der Band, wenn auch hier sein Tänzeln leichtfüßiger wirkt. In den wenigen Szenen, die der Mitschnitt bietet ist die Spannung zwischen den Musikern zu sehen, wie sie toll miteinander agieren, neben der „Rising“-Besetzung das beste Line-Up, welches RAINBOW hatten.

Auch das Publikum wurde mit einbezogen, vor allem bei „All Night Long“ gibt es einen massiven Singalong, auch wenn die Leute von der Bewegung her eher reserviert waren. Bei der Songauswahl ist vor allem „Stargazer“ lobend zu erwähnen, weil gerade das 76er-Jahrtausendwerk live eher ein Schattendasein fristete. Warum man allerdings die CAROLE KING-Schmonzette „Will You Love Me Tomorrow“ interpretierte wird wohl ewig ein Rätsel bleiben, da hätte sich genug anderes angeboten.
Insgesamt ist „Monsters Of Rock-Live At Donington 1980“ eine zwiespältige Angelegenheit, denn so richtiger Konzertgenuss will nur bedingt aufkommen. Und der Headlinergig seinerzeit war sicher überragend, doch wenn er in der Qualität und so unvollständig eingefangen wurde, muss man solche ein Produkt in Frage stellen. Dass nichts nachgebessert wurde, wirkt zwar authentisch, aber die Audioversion ist manchmal schon nah am Soundbrei. So ist dieses Package höchstens für Nostalgiker geeignet, die gerne dabei gewesen wären. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer5,0 5 / 10


Anzahl der Songs: 8 (DVD) / 12 (CD)
Spielzeit: 39: 32 min (DVD) 77:58 min (CD)
Label: Eagle Vision
Veröffentlichungstermin: 22.04.2016

 

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