all things must passNicht nur die Bands mussten unter dem Aufkommen des Internets leiden, auch die Plattenläden hatten zu kämpfen. Ein umfangreiches Bild der Auswirkungen kann man sich mit „All Things Must Pass“ machen, einer sehr gelungenen Dokumentation rund um den legendären Aufstieg und Fall des amerikanischen Plattenladens Tower Records.

Zunächst erscheint einem eine solche Doku vielleicht nicht ganz so interessant, und direkt mit Musikern oder Bands hat der Film nichts zu tun. Man sollte also nicht damit rechnen, sogenannte „In-Store-Performances“ von Bands präsentiert zu bekommen. Genau so wenig bekommt man eine Vielzahl von Musikern präsentiert, die lediglich erzählen, wie toll sie es damals fanden, ihre Platten bei Tower Records zu sehen. „All Things Must Pass“ setzt wesentlich tiefer an und erzählt die bewegende Geschichte einer Idee, der Idee eines Mannes namens Russ Solomon, der unbewusst eine ganze Generation beeinflusst hat. Und das meine ich genau so, wie ich es schreibe. Denn zu den Hochzeiten von Tower Records war es gang und gäbe, dass man sich nachmittags im lokalen Plattenladen traf und zusammen die neuesten Musiktrends erforschte. Etwas Derartiges kennt man heute nicht mehr, natürlich gehe ich selbst noch in Plattenläden und treffe mich mit Freunden, um über Musik zu sprechen oder diese zu hören. Möchte man sich über Neuveröffentlichungen informieren, gibt es in der heutigen Zeit hingegen unzählige Internetplattformen, die dies ermöglichen. Und all das macht man natürlich von zu Hause aus.

Ist man, wie ich, in diese Generation hineingewachsen und schaut sich dann einen Film wie „All Things Must Pass“ an wird man geradezu wehleidig. Wie gerne hätte ich diese Zeit miterlebt, doch mittlerweile bekommen auch Plattenläden wieder Aufschwung, daher besteht noch Hoffnung für mich. Doch zurück zum Film, auf sehr bewegende Art und Weise beginnt dieser ganz zu Beginn des rasanten Aufstiegs und dem ersten Laden in Oklahoma. Der Fokus des Films liegt auf der Darstellung der Menschen, mit dessen Hilfe es gelang, Tower Records so groß werden zu lassen, wie sie es (???) letzten Endes wurde. Dabei ist man teils zu Tränen gerührt, wenn man über deren Schicksal erfährt, und freut sich wiederum, wenn sie aus den Hochphasen von Tower Records erzählen. Dabei ist Gründer Russ Solomon, der selbst in vielen Interviewausschnitten zu sehen ist, sehr bodenständig und hat sich immer vortrefflich um seine Mitarbeiter gekümmert. Wer im Lager begonnen hatte, konnte somit später durchaus Filialleiter sein. Natürlich traf auch Solomon Fehlentscheidungen, so schaffte es Tower Records gerade so, das Aufkommen der CDs zu überstehen. Überteuerte Preise, das Aufkommen des Internets und die immer größere Expansion der Geschäftsstellen brach der Firma letzten Endes aber leider das Genick.

Der Film erzeugt neben der emotionalen Seite auch eine gewisse Spannung, man bangt förmlich wie bei einem Spielfilm mit, dass es Tower Records doch noch irgendwie schafft. Auch wenn ich eingangs erwähnte es ginge nicht um Musiker, sind doch einige zu sehen, auch wenn es der Film meiner Meinung nach nicht nötig hätte. So kommen der Boss BRUCE SPRINGSTEEN, Sir ELTON JOHN und DAVE GROHL zu Wort. Letzterer hatte sogar selbst bei Tower Records kurzzeitig gearbeitet. Man erhält tiefe Einblicke in das Geschäftswesen eines Plattenladens, und auch hinter die Kulissen der Musikindustrie wird geblickt. Der Film zeigt einmal mehr, wie falsch auf den Internetboom reagiert wurde. Statt ein neues Angebot zu schaffen und das vorhandene anzupassen wurde das Internet solange es ging ignoriert, bis es schließlich zum kompletten Zerfall der damaligen Strukturen kam. Mittlerweile erholt sich dies zum Glück wieder einigermaßen.

Neben dem Hauptfilm gibt es zusätzlich noch einige Interviewausschnitte als Bonusmaterial. Auch diese sind mit Untertiteln versehen und ergänzen den ohnehin schon sehr sehenswerten Film. „All Things Must Pass“ ist eine äußerst interessante Dokumentation, die ich jedem der sich für Musik interessiert ans Herz legen kann. Man erhält viel Hintergrundwissen und bekommt interessante Einblicke in das Wesen von Tower Records. Eine sehr mitreißende und spannende Geschichte, die auch den Nicht-Musik-Fans gefallen dürfte. (Pascal)


Bewertung:

Pascal9,0 9 / 10


Anzahl der Songs: -
Spielzeit: 93:00 min
Label: Universal Pictures
Veröffentlichungstermin: 19.05.2016

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