wishboneash liveinparisDen ganz großen Erfolg konnten WISHBONE ASH nie einfahren, aber ihr fast 50 Jahre dauerndes, unerschütterliches Engagement hat ihnen eine treue Fanschar auf der ganzen Welt gesichert. Zu Beginn der Siebziger sehr vielversprechend unterwegs, ging es schon nach dem ersten Line-Up-Wechsel, dem viele weitere folgten, bergab. Mittlerweile hat die Besetzung seit zehn Jahren Bestand, drei Alben eingespielt, und ist immer noch ständig auf Tour. Diese führte sie im letzten Jahr sogar in so exotische Gefilde wie Südafrika, Ende des Jahres waren sie auch wieder in den USA unterwegs. Neben den obligatorischen Deutschlanddates zum Auftakt jedes Jahres, besuchte man auch Frankreich, wo man in der Hauptstadt drei Konzerte spielte. Vom letzten gibt es jetzt nun einen Mitschnitt in Form einer DVD, welche schlicht "Live In Paris 2015" betitelt wurde.

Le Triton nennt sich das Ambiente, ein kleiner, feiner Club, ganz so wie es die Briten mögen, die lieber mehr intime Konzerte geben, als einmal vor größerem Publikum aufzutreten. Ob der Laden für eine DVD-Aufnahme nun geeignet ist, lasse ich mal dahin gestellt. Zwar kommt aufgrund der Nähe zum gesamten Auditorium aufgrund des Balkons viel Stimmung auf, doch dessen Brüstung stört bei den Totalaufnahmen von oben. Die Tage im Mai in Paris haben WISHBONE ASH laut den kurzen Liner Notes auf der Rückseite genossen, so ging es entspannt auf die Bühne.
Für meinen Geschmack ein wenig zu entspannt, denn zum Auftakt fehlt mir doch ein bisschen der Biss, da bin ich besseres gewohnt. Gerade dieses Quartett weiß immer durch seine Spielfreude zu beeindrucken, hier agieren sie lange mit angezogener Handbremse. Möglicherweise haben sie wegen den Aufnahmen zu sehr auf ihr Spiel geachtet und sind deswegen nicht so aus sich heraus gegangen wie gewohnt. Dabei ist die Formation doch so dermaßen eingespielt, dass das alles blind gehen sollte, was hier auch der Fall ist.

Das mag vielleicht auch an dem mit "The Power", dem Quasi-Titelsong von "The Power Of Eternity" ein eher schwacher Opener gewählt wurde. Jener konnte auch die jüngst absolvierten Deutschland-Dates nicht so richtig anschieben. Wobei man der Band natürlich zugutehalten muss, dass sie sich sehr häufig bei den Alben bedient, die mit dem Line-up eingezockt wurden. Vor ein paar Jahren verließ man sich mit der Komplettaufführung von "Live Dates" sehr auf die glorreiche Vergangenheit.
Davon gibt es dieses Mal wenig, überraschenderweise aber das Cover von "Baby What Do You Want Me To Do", das nur hier aufgenommen wurde. Darüber hinaus gibt es keinen Song von "Wishbone Four", dem letzten Longplayer in Originalbesetzung, dafür vieles aus der Spätsiebzigerphase, in welcher sich die Truppe mehr dem Hardrock zuwandte. Von "Just Testing" gibt es statt dem gewohnten "Living Proof" "Lifeline" und von "Front Page News" neben dem zuletzt oft gebrachten Titeltrack auch noch "Surface To Air".

So dauert es eine Weile, bis vor allem die Band richtig in die Gänge kommt, das Introlead zu "Warrior" wirkt da als Initialzündung, es sind also doch die Tracks aus den ersten vier Scheiben, die immer noch am besten ankommen. Von ihrem Referenzwerk gibt es dieses Mal die komplette zweite, wesentlich folkigere Seite, wobei das sehr ätherische, selten gespielte "Leaf And Stream" den Schlusspunkt setzt. Gerade dann wenn Andy Powell und sein Partner Muddy Manninen ihre doppelten Leads raushauen, suchen sie die Nähe zueinander. Je näher die Band auf der Bühne zusammen rückt, desto enger ist auch der Kontakt zum Publikum. Wobei die Fans schon von der ersten Minute an in bester Stimmung sind.

Den absoluten Höhepunkt setzt dann eine grandios rockende Version von "Lady Whiskey" von ihrem Debüt. Da gehen die Vier endlich mal aus sich heraus und versprühen die richtige Attitüde. Man muss den Mitgliedern auch zugestehen, dass die kleine Bühne eben kaum große Bewegung darauf zulässt. Da hätte man entgegen ihrer angestammten Herangehensweise ein größeres Venue für eine DVD-Aufzeichnung buchen sollen wie auf "40-Live In London". Das Manko ist einfach, dass der Draht zwischen Band und Publikum, der bei Konzerten immer glüht, hier nicht wirklich in eingefangen werden konnte. Man hat zwar die Zuschauerperspektive gut dargestellt, aber die Bilder transportieren nicht ganz die Emotion, die beim Gig rüber kommen.

Was aber richtig gut in die visuelle Konserve übertragen wurde, ist das Spiel der Musiker, selten hat man bei einer solchen Produktion so viele Close-Ups gesehen, viele werden hier beim Zusehen öfter den Herren auf die Finger schauen, als sie es normalerweise beim Konzert tun. Von der Bildqualität gibt es ebenfalls überhaupt nichts zu bemängeln, was für eine solch kleine Location schon sehr gut ist. Das selbe gilt für den klaren Sound, welcher druckvoll und differenziert rüber kommt. Auch wenn man hier für kleines Geld eine Produktion aus dem Boden stampfte, muss man anerkennen, dass sich diese in technischer Hinsicht durchaus mit so manchem Hochglanzprodukt messen kann.

Jetzt hätte die Band nur noch ein wenig mehr mitarbeiten müssen, was sie aber mit ihrem sehr sauberen Spiel schon gemacht hat. Ein paar kleinere Flirts mit der Kamera, ein wenig mehr Interaktion wäre aber wünschenswert gewesen. Am Ende des Sets scheint man endgültig angekommen, wenn man sich bei der Coda von "Open Road" wie bei allen jüngeren Konzerten solotechnisch in den Rausch spielt. Die Zugaben nach fast zweieinhalb Stunden machen zwar auch in der Hinsicht die Vollbedienung perfekt, doch der kleine Beigeschmack bleibt. Für Fans ist "LIve In Paris 2015" eine lohnenswerte Aufnahme, ebenso für Neueinsteiger, die sich ein Bild von den Bühnenqualitäten machen wollen ich würde aber die angesprochene Jubiläums-DVD vorziehen. (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 20
Spielzeit: ca. 144 min
Label: Solid Rockhouse Records/Soulfood
Veröffentlichungstermin: 12.02.2016

 

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