ritchieblackmore storyAm 14. April dieses Jahres feierte er seinen siebzigsten Geburtstag, aus jüngster Erfahrung wissen wir, dass dies noch kein Alter für die Rockrente ist. Auch RITCHIE BLACKMORE ist weit davon entfernt sich auf sein Altenteil zurück zu ziehen, erst im Herbst veröffentlichte er ein weiteres BLACKMORE´S NIGHT-Album und im nächsten Sommer folgt eine Livereunion von RAINBOW. Dabei kann er auf eine beträchtliche Karriere zurück blicken, in der er so ziemlich alles erlebt hat. Sich aber hinzusetzen und großartig seine Memoiren zu schreiben, würde nicht zu einem Künstler wie ihm passen, vier Ehen würde da allerdings genug Stoff bieten. Vielmehr erschien nun "The Ritchie Blackmore Story" auf DVD, mit der die musikalische Laufbahn noch einmal nachgezeichnet wird.

Und genau das ist der Punkt an der Sache, womöglich ist der Künstler Blackmore weitaus interessanter, vielschichtiger und polarisierender als der Mensch dahinter. Einige Laudatoren in diesem Film machen immer wieder deutlich, dass der Brite tatsächlich jemand ist, der Musik um der Musik Willen schuf. Keiner der sein Ego in den Vordergrund stellt, sondern stets etwas auszudrücken gedachte. Dabei geriet sein Ego oft genug mit seinen Mitstreitern aneinander, doch der Gitarrenheld hatte dabei nur seine Vision vor Augen, die er auch beherzt durchzusetzen wusste.

Schwer greifbar sei er, immer eine etwas mystische Person, die trotz ihres immensen Einflusses nie ganz oben im Rampenlicht stand. Das liegt auch an seiner eigenwilligen Art, sich nie vereinnahmen zu lassen, selbst wenn RITCHIE BLACKMORE Popmusik komponierte erschien das in dem Moment wie eine Antihaltung. Dabei hatte er selbst dabei mehr Talent als andere, "Street Of Dreams" gehört bis heute zu meinen Lieblingssongs.
Doch seine größte Gabe war sein Gitarrenspiel, mit welchem er zahlreiche Rockklassiker zu veredeln wusste. Beispiele gibt es auf dieser DVD genug, wenn auch die vielen Videoclips immer nur angespielt werden. Wer auf vollständige Werke steht, dem sei die vor ein paar Jahren erschienene DEEP PURPLE-DVD-Schatzkiste "History, Hits & Highlights" ans Herz gelegt. Nicht umsonst wurde die Menüführung mit dem Solo von "Highway Star" bedacht, seinem wohl markantesten Beweis seiner Klasse.

Über die muss man hier nicht groß referieren, über seinen Einfluss auf Rock und Metal, auf Generationen von Gitarristen ebenso wenig. Das tun auf diesem Silberling genug andere, die mehr Ahnung von der Materie haben. Ehemalige Mitmusiker wie der mittlerweile verstorbenen Jon Lord oder Glenn Hughes kommen zu Wort, dazu ein weiteres "Who Is Who" der Rockgeschichte. Egal ob Saitenhexer wie Joe Satriani und Steve Lukather oder absolute Legenden wie Gene Simmons, Brian May oder Jon Anderson, sie alle plaudern über die Wertschätzung für den Siebzigjährigen und seine Stellung innerhalb der Szene.

Der Film zeigt chronologisch die musikalische Historie Blackmores nach, von seinen Anfängen im Sixtiespop und vielen Studioengagements, über die Entwicklung von DEEP PURPLE, seinen Ausstieg, die Zeit mit RAINBOW, die Reunion bis hin zu seinem auch schon lange existenten Mittelalterfolk-Vehikel BLACKMORE´S NIGHT. Die vielen Interviewsequenzen, in denen auch Journalisten und Produzenten zu Wort kommen, belegen dabei immer die jeweiligen Phasen. Für Kenner der Materie bieten sich allerdings wenig neue Aspekte, das meiste dürfte unter allgemeiner Rockkultur landläufig sein.

Viel interessanter sind die Einblicke in das Wesen des Mannes, zum ersten Mal trat dies beim Kampf um die musikalische Ausrichtung DEEP PURPLEs in Erscheinung. Trotz des Respekts gegenüber den Ambitionen Jon Lords wollte er seine Rockvision durchziehen, und gewann auf ganzer Linie. Der gute Ritchie weiß genau was er will, und scheut sich nicht vor klaren Worten, doch nur so kann man mit drei Bands so erfolgreich sein. Seinen eigenen Willen zu behaupten macht ihn so stark und kreativ, auf der anderen Seite aber auch schwierig.
Einen Umstand, den ich sehr gut nachempfinden kann, ebenso seine oft auftauchende bezaubernde Gattin Candice Night. Mit ihr scheint der Veteran endlich eine Verbündete gefunden zu haben, die seinen Weg teilt. Auch sie bestätigt, wie sehr ihr Ehemann unbeirrbar an seinen Ideen festhält. Gerade in den vierzig Minuten Zusatzinterviews wird die Beziehung noch weiter beleuchtet. Musikhistorisch ergeben sich keine weiteren Erkenntnisse zur ursprünglichen Doku, dafür werden einige interessante Anekdoten serviert, die vor allem seinen britischen Humor betreffen. Das macht "The Ritchie Blackmore Story" zu einer kurzweiligen Angelegenheit (Pfälzer)

Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: -
Spielzeit: ca. 127 min
Label: Eagle Vision
Veröffentlichungstermin: 06.11.2015

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