alicecooper theatreofdeathDa Shows des Altmeisters immer ein Spektakel sind, war es umso trauriger, dass sich der Vorreiter des Schock Rock für einige Jahre von den Bühnen des alten Kontinents zurückgezogen hatte. Wie viele andere Acts von der anderen Seite des großen Teichs realisierte ALICE COOPER Mitte des letzten Jahrzehnts, welch Potential im europäischen Markt, besonders auf dessen Festivals liegt. Seitdem ist er wieder verstärkt in unseren breiten unterwegs, wenn er auch auf Konserve seltener in Erscheinung tritt. Das stellt bei 26 Studioscheiben bisher kein so großes Problem dar, bei der Vielzahl an Klassikern bekommt er jede Show voll. Mittlerweile gibt es auch eine ganze Reihe DVDs von ihm, erst im letzten Jahr erschien ein Mitschnitt aus Wacken. "Theatre Of Death" hat bereits fünf Jahre auf dem Buckel, wurde aber kürzlich wiederveröffentlicht. Diese nahm man in einem der legendärsten Konzertsäle auf dem alten Kontinent, dem Hammersmith in London auf.

Etliche Umbenennungen und zwischenzeitliche Schließungen konnten dem Laden und seinem Ruf bis heute nichts anhaben, mittlerweile firmiert er unter Eventim Apollo, aber der geneigte Rockfan weiß, um was es sich da handelt. Das besondere an dem alten Filmtheater ist die enge und weitwinklige Bauweise, bei der die 5000 Stehplätze und 3500 Sitzplätze sehr nah an die Bühne heran rücken, was für eine grandiose Stimmung sorgt. So auch an dem Abend im Dezember 2009, als es direkt zum Einstieg den absoluten Klassiker gab, dessen Refrain der Chef im Ring nicht zu singen brauchte, der Publikumschor fällt wirklich gigantisch aus.

Bereits als der Vorhang fällt ist der Jubel groß, die Buchstaben des Wortes "Alice" hängen die ganze Zeit von der Bühnendecke herab, die Band allen voran der Frontmann ist bestens aufgelegt. Dieser hat wie erwähnt keine Probleme die Menge in den Griff zu bekommen, sie frisst ihm aus der Hand. An den Gitarren sind zu der Zeit Kerri Kelli und Damon Johnson, wobei Johnson der aktivere ist. Auf dem Drumschemel nimmt Jimmy DeGrasso Platz, welcher sich ja wie Johnson mittlerweile den THIN LIZZY-Legaten BLACK STAR RIDERS angeschlossen hat.
Sein Rhythmuspartner Chuck Garric ist der Einzige, bis heute in der Band befindliche, zu der aktuell sogar drei Sechssaiter gehören. So toll die Truppe showmäßig unterwegs ist, spieltechnisch erlaubt sie sich ein paar kleine Hänger. Zwar solieren Kelli und Johnson sehr gekonnt und bekommen dafür auch Freiräume von Meister Cooper, doch so manchen Chor verhauen sie. Speziell bei "Poison" fehlt da einfach der Druck und ein bisschen das Timing. Was ebenso stört ist, dass die Show allzu straff durchgezogen wird, in gerade mal eineinhalb Stunden jagen sie 26 Lieder durch, da werden viele nur auf des Wesentliche reduziert.

Glücklicherweise bleibt da dennoch genug Zeit für die vielen Showelemente, wodurch man sich fast überfahren fühlt. "The Ballad Of Dwight Fry", ebenfalls stark eingekürzt mit der obligatorischen Enthauptung kommt sehr früh im Set, auch sonst segnet "The Coop" ein paar Mal das Zeitliche. Egal ob am Galgen oder mit einer überdimensionalen Spritze, am Ende steht er doch immer wieder auf. Bis auf stumme Aufforderung zu Singalongs gibt es eigentlich keine Interaktion mit dem Publikum was in so einem Laden wie dem Hammersmith schade ist. Die Showelemente und einzelnen Songs werden zwar lautstark bejubelt, doch es wird zu sehr lediglich die Show durchgezogen.

Hier taucht auch seit längerem mal wieder Nurse Rozetta auf, die bearbeitet ihren eisernen Slip mit einem Trennschleifer, im Volksmund Flex genannt, dass die Funken fliegen. Bei der Setlist gibt es einige Überraschungen, so sind nicht alle Hits von "Billion Dollar Babies" am Start. Dafür wie angesprochen zwei Lieder aus "From The Inside", das Hauptaugenmerk liegt auf der frühen Solophase von ALICE COOPER. "Welcome To My Nightmare" wird fast vollständig aufgeführt, vom Nachfolgealbum "Goes To Hell", von welchem es normalerweise nur den Titeltrack gibt, immerhin drei Songs. Am Ende gibt es "School´s Out" ein zweites Mal, was nicht unbedingt nötig gewesen wäre, der Mann hat genug Klassiker, dass auch diese Ausnahmenummer nicht besonders heraus gestellt werden muss.

Von den Aufnahmen her ist auch Luft nach oben, viele Kameraeinstellungen wirken ein bisschen distanziert und wenig fokussiert. Nur bei den Soli gelingen einige gute Close-Ups und die Schockelemente sind ebenso gut visualisiert. Klanglich könnte manches ebenso besser sein, der Mix von Bob Ezrin kann da auch nicht alles kaschieren, dafür ist das Publikum gut eingefangen worden. Dies ist bester Laune und hat sich in alle möglichen Charakter der Bühnenshow verkleidet, auch wenn es nicht unbedingt das beste Konzert zu sehen bekommen hat. Da auch die Umsetzung auf DVD nicht immer optimal ist und auf Bonusmaterial komplett verzichtet wurde, stellt "Theatre Of Death" keinen Pflichtkauf dar. (Pfälzer)

Bewertung: 6,5 / 10

Anzahl der Songs: 26
Spielzeit: ca. 91 min
Label: Eagle Vision/Edel
Veröffentlichungstermin: 15.05.2015

 

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