Anthrax - Chile On HellDas etwas marode Image der New-Yorker Thrasher ANTHRAX lässt manchmal vergessen, welch geniale Musik die Band geschrieben hat. Stattdessen gibt es ewige Abhandlungen über das Personalkarussell und die schlechte Kommunikation innerhalb der Band. Nachdem Joey Belladonna mittlerweile wieder fest im Sattel sitzt, und Rob Caggiano von Jon Donais (SHADOWS FALL) ersetzt wurde, präsentiert sich die Band live absolut in Topform. Dies zeigt auch ihr aktueller Live-Output „Chile On Hell" der, ohne den „The Big 4"-Release, immerhin der Erste seit „Alive 2" aus dem Jahre 2005 ist.

Ihre Livequalität stellen ANTHRAX auf „Chile On Hell" eindrucksvoll unter Beweis. Kaum eine Thrash-Band zieht mich so extrem in ihren Bann und lässt mich im heimischen Wohnzimmer derart wild herumzucken. Joey Belladonna ist in absoluter Top-Form und wird wohl immer einer der unterbewertetsten Sänger der Thrash-Metal-Szene bleiben. Der Rest der Truppe, Scott Ian, Charlie Benante und Frank Bello, geben ab der ersten Minute Vollgas und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Moment, da fehlt doch jemand? Ach ja, genau, der Ersatzmann für Rob. Nun ja, da wären wir wieder bei dem immer wieder bemängelten Punkt bei ANTHRAX, Ersatzmann Jon Donais spielt nämlich das gesamte Set über fast vollständig im Hintergrund. Doch nicht nur das, es wirkt auch nicht gerade so, als wäre die Band sich untereinander besonders grün. Scott Ian und Joey Belladonna wechseln kaum Blicke miteinander, und offensichtlich ist an den diversen Gerüchten schon was dran. ANTHRAX scheinen eben nur noch aufgrund einer „Geschäftsbeziehung" zu existieren. Doch all dies ist für die Fans eigentlich weniger interessant, immerhin schafft es diese Band trotz dieser „Geschäftsbeziehung" untereinander, das „Caupolican-Theater" in Santiago de Chile zum Beben zu bringen. Das Publikum dankt und zerlegt gemeinsam mit ANTHRAX die Halle. Der „Wardance" zum Song „Indians" mag zwar bekannt sein, aber nicht der „Wardance" à la Chile. Einen besseren Aufnahmeort hätten sich ANTHRAX wirklich nicht aussuchen können, das Publikum reagiert absolut fantastisch auf die Thrash-Salven der Band. Auch die Setlist kann sich sehen lassen, obwohl diese auf den ersten Blick etwas kalkuliert wirkt und sich in den letzten Jahren kaum verändert hat, funktioniert die Mischung richtig gut. Showelemente bieten ANTHRAX wenige, lediglich die zwei Backdrops von Dimebag Darrel und Ronnie James Dio werden zu „In The End" über die Verstärker gehangen. Mehr Showelemente sind auch gar nicht notwendig, der charismatische Joey Belladonna hat die Menge gut im Griff und kommuniziert durchgehend mit dem Publikum.

Die Aufnahmen selbst sind gut geworden, auch wenn des Öfteren ein Kameramann im Bild steht, wurde das Konzert sehr gut eingefangen und es kommt richtige Konzertstimmung auf. Obwohl hier und da die Schnitte etwas hektisch wirken, gelingt ein guter Kompromiss zwischen Hektik und ruhiger Kameraführung. Neben den Konzertaufnahmen gibt es zwischendurch immer kurze Backstage-Aufnahmen und Kommentare zum 30-Jährigen Bestehen der Band zu sehen.

„Chile On Hell" steht „Alive 2" in nichts nach, außer vielleicht der Problematik mit der Besetzung, doch diese ist nicht wirklich repräsentativ für das, was die Band auf der Bühne abliefert. ANTHRAX sind live extrem stark und „Chile On Hell" fängt diese Tatsache gekonnt ein. Wer die Band bisher noch nicht live erleben konnte, sollte dieses Zeitdokument nicht verpassen. (Pascal)


Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 18
Spielzeit: 110:00 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 17.10.2014

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