Super Duper Alice CooperSpätestens seit dem Dokumentarfilm „Flight 666", bei dem man erstmalig IRON MAIDEN von einer ganz anderen Seite sehen konnte, ist die Produktionsfirma Banger Films aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken. Zuletzt sorgten die Herren Scott McFadyen und Sam Dunn über ihre eigene Serie „Metal Evolution" für Aufsehen. Dort wurden Stück für Stück alle Metal-Genres zerlegt und deren Herkunft ausführlich besprochen. Bei fast allen bisherigen Dokumentationen schien immer wieder durch, dass Sam Dunn wohl auch ein riesiger ALICE COOPER-Fan ist. Daher verwundert es nicht, dass 2014 mit „Super Duper Alice Cooper" nun endlich ein Film über den Schockrocker das Licht der Welt erblickt.

Mit gerade mal 86 Minuten ist „Super Duper Alice Cooper" der bisher kürzeste Film. Sowohl „Rush: Beyond the Lighted Stage" als auch „Flight 666" waren etwas länger. Ergänzt durch das Bonusmaterial auf der Blu-Ray lässt sich dies aber verkraften. Schaut man sich den Film zum ersten Mal an, erkennt man auf Anhieb auch den Grund für die Kürze. Der komplette Film besteht nämlich aus Archivaufnahmen und Bildern von ALICE COOPER und der frühen ALICE COOPER BAND. Aus dem Off sprechen dann immer wieder die verschiedenen Interviewpartner. Unter diesen befinden sich neben ALICE COOPER selbst auch einige musikalische Weggefährten wie Produzent Bob Ezrin, Iggy Pop, Elton John oder auch Dee Snider. Zu sehen bekommt man allerdings keinen der Musiker, höchsten auf Archivbildern. Aus allen bisherigen Dokumentarfilmen, die ich gesehen habe, kenne ich dieses Konzept noch nicht. Und somit stellt es einerseits nicht nur einen mutigen Schritt dar, sondern macht „Super Duper Alice Cooper" zumindest in diesem Punkt zu einer Ausnahmeerscheinung. Normalerweise sieht man die Interviewpartner immer gut ausgeleuchtet auf irgendeinem Stuhl sitzen, was nach ungefähr zehn Minuten durchaus an Reiz verliert. Sehr gut gefällt mir außerdem, wie die die alten Bildern mit Leben gefüllt werden. Anstatt einfach nur eine Diashow zu zeigen, wurden die Bilder digital so überarbeitet, dass eine Art 3D-Effekt entsteht. Dadurch wird in jedes Bild ein wenig Bewegung eingebracht und man hat einen ähnlichen Eindruck wie bei einem Video. Musikalisch gekonnt hinterlegt macht der Film auf der visuellen Ebene einiges her. Auch die alten Videoaufnahmen sind von besserer Qualität als man aufgrund des Alters denken würde.

Soviel zur technischen Umsetzung, kommen wir nun zum Inhalt des Films, denn dieser enttäuscht leider ein wenig. Als ich zum ersten Mal darüber las, dass es einen Film über ALICE COOPER geben würde, war ich natürlich sehr darauf gespannt. Dementsprechend bauten sich auch gewisse Erwartungen auf; über das private Leben von Vincent Furnier alias ALICE COOPER ist schließlich nicht allzu viel bekannt. Man weiß natürlich, dass er liebend gerne Golf spielt, doch wie er lebt und was er sonst noch so treibt, ist relativ unbekannt. Nicht dass so etwas wichtig wäre, aber für Fans sind solche Dinge dennoch interessant, auch wenn der Musiker oder die Band dadurch oft ein wenig von seiner Magie und der Mystik verliert. Doch all das kommt bei „Super Duper Alice Cooper" fast gar nicht zum Zuge. Anfänglich wird auf die frühen Tage der ALICE COOPER BAND und natürlich über die Kindheit von ALICE COOPER berichtet. Hauptsächlich geht es aber um die Musik, was ja auch so sein sollte. Allerdings verliert sich der Film insgesamt ein wenig in einer Art Aufzählung von Ereignissen. Und genau da liegt mein Problem, dadurch entsteht keine wirkliche Spannung. Man erfährt überwiegend Dinge, die man bereits weiß, der Vergleich von ALICE COOPERs Persönlichkeit mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist naheliegend, aber kein großes Geheimnis. Die alten Liveaufnahmen und die Details, wie und wo die Band mit den GTOs (Anm. d. R.: weibliche Rockgruppe, die als Groupies bekannt waren und sehr viel mit FRANK ZAPPA zu tun hatten)in Verbindung kam und dadurch ihr Outfit geändert hat, ist wirklich interessant, aber irgendwie fehlt im Großen und Ganzen der richtige Kick. In dem Teil, wo Bob Ezrin zu Wort kommt, erfährt man überraschend viel über den Hintergrund der Aufnahmeprozesse, was wirklich interessant ist. Im letzten Drittel des Filmes geht es fast ausschließlich um die Problematik ALICE COOPER vs. Vincent Furnier. Das Leben von Vincent Furnier gerät zunehmend aus den Fugen, da er nicht mehr zwischen der Figur ALICE COOPER und seinem eigenen Leben unterscheiden kann. Schließlich geht es um seinen Entzug, das Auseinanderbrechen der Band und letzten Endes natürlich auch darum wie er wieder auf die Beine kommt. Hier wäre dann der nächste Knackpunkt, denn dort endet der Film. Mit seiner Rückkehr auf die Bühne 1986 zusammen mit dem neuen Gitarristen Kane Roberts ist Schluss. Andererseits stellt dieser Zeitpunkt aber auch das Ende der „Frühzeit" von ALICE COOPER da, ab dort ging es für ihn und seinen Erfolg natürlich noch weiter. Dies ist aber Teil einer anderen Story.

Die technische Umsetzung von „Super Duper Alice Cooper" ist wirklich genial. Selten habe ich derart alte Aufnahmen so gekonnt in Szene gesetzt gesehen. Dennoch bleibt ein wenig der fade Beigeschmack, dass es sich bei dem Film nicht um das handelt, was ich ursprünglich erwartet habe. Für Fans, die daran interessiert sind, wie die Frühphase der Band ausgesehen hat, wird „Super Duper Alice Cooper" ein wirklicher Leckerbissen sein. Allerdings bekommt der Film nicht so richtig die Kurve. An manchen Stellen hat man das Gefühl, dass die Persönlichkeit von Vincent Furnier belichtet wird und es eben um die Person hinter ALICE COOPER geht. An anderen Stellen erinnert der Film hingegen an eine Banddokumentation. Doch dafür, müssten die einzelnen Musiker viel mehr zu Wort kommen und es müsste viel mehr Details über die einzelnen Geschehnisse geben. Natürlich kann man all dies nicht in einem Film verpacken, eventuell hätten Banger Films sich da zu Beginn auf eine Sache einigen sollen. Hier sollte aber auch nicht ignoriert werden, dass vermutlich ein sehr großer Druck auf den Produzenten lag, denn die Erwartungen des Publikums sind nach den vorherigen Filmen natürlich enorm. Angesichts der Tatsache, dass „Super Duper Alice Cooper" vollkommen anders ist als alle bisherigen Filme, stellt es eine wirklich enorme Leistung seitens der Produzenten dar.

Trotz aller Kritik ist der Film aber keine langweilige Banddoku. Er ist durchaus sehenswert und bietet sehr interessante Informationen. Wer sich eher für die Erfolge in den 80er interessiert ist hier allerdings falsch. Hinzu kommt außerdem, dass der Film wohl wirklich nur etwas für Fans der Band oder für Leute ist, die sich für das Mysterium ALICE COOPER interessieren. Im Gegensatz zu „Global Metal" oder „Flight 666", welche durchaus auch für den Nicht-Metal oder Hard-Rock-Fan interessant waren, ist „Super Duper Alice Cooper" eher etwas für Fans des Genres. (Pascal)

Bewertung: 7,0

Anzahl der Songs: -
Spielzeit: 127 min (mit Bonusmaterial)
Label: Eagle Vision
Veröffentlichungstermin: 23.05.2014

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