rainbow blackmasqueradeDie Geschichte dieser legendären Formation dürfte erzählt sein, denn Ritchie Blackmore und seine Herzdame Candice Night frönen mit BLACKMORE´S NIGHT seit mehr als 15 Jahren dem Renaissancefolk. Und das mit beachtlichem Erfolg und immer noch tollen Konzerten, wie zuletzt in Saarbrücken bewiesen. Doch wie so oft bei den altgedienten Acts taucht immer noch etwas aus den Archiven auf, was veröffentlichenswert wäre. Rockpalast-Mitschnitte gehören da zu der qualitativ besseren Resteverwertung, zumal RAINBOW mit ihrem Münchener Gig von 1977 eine Sternstunde dieser Reihe ablieferten. Nach dem endgültigen Abschied von DEEP PURPLE 1994 wagte sich Blackmore an eine Reunion, die allerdings nur das „Stanger In Us All"-Album und eine Tour hervor brachte. Auf dieser wurde ebenfalls für den Rockpalast ein Konzert mitgeschnitten, der nun unter dem Titel „Black Masquerade" auf DVD erhältlich ist.

Für das am 9. Oktober 1995 in der Düsseldorfer Phillipshalle aufgezeichnete Konzert brachte der Altmeister wieder eine ganze Reihe junger, bis dahin unbekannter Musiker an den Start. Zwar saß auf der Tour mit Chuck Bürgi ein alter Bekannter an den Drums, der bereits „Bent Out Of Shape" einspielte. Doch auf dem Album hatte John O´Reilley den Platz übernommen und war auch später an einigen BLACKMORE´S NIGHT-Scheiben beteiligt. Bassist Greg Smith machte danach nicht mehr auf sich aufmerksam und Keyboarder Paul Morris trat auch nur noch bei der Quasi-Coverband OVER THE RAINBOW in Erscheinung.

Die große Entdeckung dieser Zeit war sicherlich Sänger Doogie White, der seitdem immer wieder bei größeren Bands wie YNGWIE MALMSTEEN oder Projekten wie CORNERSTONE anheuerte. Derweil ist er in Diensten von Michael Schenker, einem weiteren Gitarrengott, mit dem er aktuell im Studio weilt. Und dieser junge Mann füllte die übergroßen Fußstapfen gut aus, und versuchte auf der Bühne in Erscheinung zu treten. Die ganz große Aura eines Ronnie James Dio strahlte er zwar nicht aus, dennoch war er viel unterwegs und stets um sein Publikum bemüht. Dabei half ihm sicherlich, dass ihm sein Chef die Freiheiten einräumte, während sich dieser, wie auch heutzutage in Sachen Präsenz zurück hielt.

Blackmore steht bei dieser Aufzeichnung meist vorm Drumkit herum und ist, allein auf sein Spiel bedacht, oft darin versunken. Und das ist natürlich vom Allerfeinsten, sein Ton ist traumhaft und unverkennbar, er gibt den ohnehin starken Kompositionen immer noch eine besondere Note. Auch in Sachen Zusammenspiel glänzt der Mann und unterlässt jegliche Egotrips. Vor allem seine Soloduelle mit Paul Morris sind großartig, auch seinem Keyboarder überlässt er Solospots. Und diese sind immer gut eingefangen, man spürt als Zuschauer die Energie, die Virtuosität wird gut dargestellt. Während der Songs fallen aber schnellere Schnitte schon mal negativ ins Gewicht.

Vom technischen her gibt es bei der DVD weitere Knackpunkte, wie etwa der Sound, der zwar differenziert daher kommt, aber ruhig etwas druckvoller hätte ausfallen können. Die Lichtshow ist zwar mit vielen Vari-Lights sehr ausgefeilt, vermag aber keine allzu große Atmosphäre zu erzeugen. Den Eindruck verstärkt noch das nüchterne Bühnenbild und die Tatsache, dass der Bewegungsdrang von Smith fast gar nicht zu sehen ist.
Irgendwie ist das alles ein wenig steril, die Kameraposition aus der unvorteilhaften Vogelperspektive wird ebenfalls zu oft benutzt. Dazu überblendet das Licht teilweise das gesamte Bild, womit ein professionelles Produkt nicht zu kämpfen haben sollte. Das dürfte dem Fehlen von Verfolgerspots geschuldet sein. Dennoch bieten die Bilder einen klaren Mehrwert gegenüber der CD-Ausgabe, da eben die Spielfreude der Akteure immer wieder optisch durchscheint.

Ein weiteres Manko stellt die Setlist dar, die einfach zu wenig RAINBOW-Klassiker bietet. Ich bin ja normalerweise niemand, der sich groß über das Programm auslässt, aber ich war schon damals – ein paar Tage später in Ludwigshafen – enttäuscht. Natürlich muss man den Musikern zugestehen ihr neues, und auch gutes Werk präsentieren zu wollen. Aber dazu kam mit „Greensleeves" noch ein Stück, welches der Meister später bei BLACKMORE´S NIGHT verwendete.
Und bei den Improvisationen ließ der gute Ritchie schon damals sein augenzwinkerndes Faible für altes deutsches Liedgut durchsickern. Die vielen DEEP PURPLE-Standards wie „Burn" oder „Perfect Strangers" sind natürlich alle großartig, heute allesamt unantastbare Klassiker. Doch irgendwo auch zu oft gecovert und gehört, dass sie schon etwas abgenudelt wirken. Durchaus legitim, diese zu bringen, nur muss man deswegen ein Jahrtausendwerk wie „Rising" komplett außen vor lassen?

Dem Publikum war dies egal, es feierte die Stücke, sicher auch zu recht ab. Überhaupt wurde die Stimmung gut eingefangen, wenn ich mir auch mehr Frontalbilder von den Zuschauern aus dem Photograben heraus gewünscht hätte. Es ist halt klar zu sehen, dass solche Produktionen damals noch nicht gang und gäbe waren, viele Einstellungen erinnern an ein Fernsehstudio. Dennoch ein schönes Zeitdokument, das vor allem von der Spielfreude und dem Enthusiasmus der Protagonisten lebt. „Black Masquerade" zeigt eine RAINBOW-Inkarnation, die leider nur kurz Bestand haben durfte, von der vielleicht noch mehr gekommen wäre. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 18
Spielzeit: 103:46 min
Label: Eagle Vision
Veröffentlichungstermin: 23.08.2013

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