dpurple-dvd_sm.jpgZu der Band braucht man wohl kaum noch Worte verlieren, niemand der hier liest dürfte mit dem Namen nichts anzufangen wissen. DEEP PURPLE sind eine der größten und einflussreichsten Hard´n´Heavy-Bands aller Zeiten. Zwar ließ man es in den letzten Jahren ruhiger angehen und die Qualität der letzten Outputs litt unter dem Ausstieg der beiden Protagonisten, dennoch dürften die Briten im Herbst die größten Hallen wieder reihenweise voll bekommen. Ein neues Album ist zwar noch nicht angekündigt, doch man kann wie kaum jemand anders von seiner Vergangenheit zehren. Und die wird auf der DVD „History, Hits & Highlights 1968 – 76“ noch einmal beleuchtet. Auf dieser Sammlung befindet sich eine umfangreiche Kollektion von Videos, Live-Sequenzen und anderen audiovisuellen Dokumenten. Dabei beschränkt man sich auf die Zeit von den Anfängen bis zum Split 1976 nach dem Tode von Tommy Bolin, immerhin die prägendste Ära dieser Legende.

Diese Doppel-DVD ist in drei Teile unterteilt, die History ist allerdings zu kurz ausgefallen, zumal die dort gezeigten Ausschnitte alle später noch einmal auftauchen. Danach geht es aber mit einer Fülle an vollständigen Songmitschnitten aus unterschiedlichsten Quellen in die vollen. Hier wird nichts ausgespart, was die Truppe damals an eben Hits zu bieten hatte.

Los geht es mit der Mark I Besetzung mit „Balladensänger“ Rod Evans und Basser Nick Simper. Damals noch mit Beatles-Pilzköpfen und dem Cover von deren „Help“ bevor mit dem Auftritt beim Playboy TV der erste Höhepunkt kommt. Meine Fresse, was Klamotten, Evans sieht aus wie bei „Ali Baba“ und auch der Rest glänzt in Sixties-Satin. Ein paar nette Miezen und ein genialer Dialog zwischen Hugh Hefner und Jon Lord komplettieren das Ganze.
Den Großteil der Spielzeit macht allerdings die Abarbeitung der klassischen Mark II-Besetzung aus. Die Haare wurden länger und die Songs berühmter. Neben einigen Livedarbietungen sind vor allem die Fernsehauftritte beachtenswert. Darunter sind auch einige aus dem deutschen TV, wie etwa beim Musikladen und „Disco“ mit der Originalanmoderation von Ilja Richter. Besonders zu beachten auch immer das Publikum, das zwischen exstatischem Tanzen und völliger Konsterniertheit ob der Dinge die da hereinbrechen pendeln.
Dazu gibt es noch den skurrilen Collagen-Clip von „Speed King“ sowie das Video zu „Strange Kind Of Woman“, das noch seltsamer als besungene Dame daherkommt. Witzig auch die aus heutiger Sicht billig wirkenden psychedelischen Lichteffekte.

Die Live-Mitschnitte sind meist von Jazz-Festivals, ja, damals spielte man als Progressive-Act in Ermangelung des Begriffes Hardrock oder gar Heavy Metal auf eben solchen. Dass man in der breiten Öffentlichkeit dieser Musik noch skeptisch gegenüber stand zeigt sich auf dem Paket desöfteren. Vor allem auf der Bühne können DEEP PURPLE zu Höchstform auflaufen, ihr perfektes Zusammenspiel, ihre Improvisationswut zeigen. Neben einem unvergleichlichen Feeling fällt natürlich sofort das explosive Gitarrenspiel von Ritchie Blackmore auf, bei dem am Ende nicht selten Teile des Equipments zu Bruch gehen.

Obendrein gewähren Studiosession – und Probenmitschnitte Einblicke in die Arbeitsweise des Fünfers. Ein paar rare Interviews gibt es ebenfalls zu begutachten, bei denen aus heutiger Sicht schon einige komische Fragen gestellt wurden. Genauso zweifelhaft sind die Inhalte der Dokumentationen für das französische oder neuseeländische Fernsehen. Genug Aufschlussreiches bleibt am Ende dennoch über, um sich ein Bild der damaligen Zeit machen zu können. Durch die chronologische Abfolge kann man schön die Entwicklung von hippeskem Tanzen hin zum Headbanging verfolgen.
Abgerundet wird das ganze mit tollen Photogalerien von bekanten Künstlern wie Didi Zill. Diese werden in deren Verlauf noch mit einer kurzen Bio vorgestellt.

Einziges Manko bei der Zeitreise ist der Sound, der bei den Originalaufnahmen kaum nachgebessert wurde und auf dem Stand von damals ist. Dadurch wurde aber auch die Dynamik und der Charme der Titel erhalten. Nur bei den Live-Sachen mit David Coverdale ist die Qualität unzureichend, teilweise katastrophal abgemsicht. Hi-End-Fetsichisten und Leute, die schon die Verbesserung der Blue-Ray fordern werden sich mit Grausen abwenden, aber das ist nicht die Intention hinter „History, Hits & Highlights 1968-76“. Wer dem zeitgenössischen Klang etwas abgewinnen kann wird mit einer umfassenden und äußerst unterhaltsamen Geschichtsstunde in Sachen Hardrock belohnt. Kult! (Pfälzer)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 36
Spielzeit: ca. 287 min
Label: Eagle Vision / Edel
Veröffentlichungstermin: 26.06.2009

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