bodycount bloodlustBODY COUNT waren Anfang der 90iger eine große Nummer in der Crossover-Szene und dürfen durchaus als Pioniere betrachtet werden. Denn zwar veröffentlichten RUN DMC bereits 1986 mit „Walk This Way“ ihre Kooperation mit den Bostonern AEROSMITH und verbanden damit erstmals Hardrock und Rap und das 1987 veröffentliche „I’m The Man“ von ANTHRAX gilt als erste Verschmelzung von Metal und Rap, doch erst ein gewisser Tracy Lauren Marrow besser bekannt als ICE-T kam 1989 auf die Idee Hip-Hop-Elemente mit Heavy-Metal-Elementen und Hardcore Punk zu verbinden und zusammen mit seinem Schulkumpel Ernie C BODY COUNT ins Leben zu rufen.

Vor allem das 1992 veröffentlichte, selbst betitelte Debüt genießt bis heute Kultstatus. Dazu trug neben dem kontroversen Image der damals nur aus Afro-Amerikanern bestehenden Band und den polarisierenden Lyrics vor allem der Skandal um die Nummer „Copkiller“ bei, in der Ice-T den Fall Rodney King und das Thema Polizeigewalt thematisierte. Nachdem sich die von Tipper Gore und anderen Politikerfrauen ins Leben gerufene PMRC eingeschaltet hatte, entschloss man sich die Nummer vom Album zu nehmen und sie gegen das unverfänglichere „Freedom Of Speech“ auszutauschen. Unnötig zu sagen, dass der große Erfolg der Scheibe zu einem nicht unwesentlichen Teil auf der Diskussion über „Copkiller“ beruhte.

Mit dem 1994 erschienenen „Born Dead“ konnten BODY COUNT dann auch nicht an den Erfolg des Debüts anknüpfen. Mit „Violent Demise: The Last Days“ erschien dann, verzögert durch den Leukämietod des damaligen Schlagzeugers Beatmaster V, 1997 das zunächst letzte Album der Kalifornier. Das lag auch daran, dass nach dem Tod von Beatmaster V, der Ermordung des ehemaligen Bassisten Mooseman im Jahr 2000 und dem Krebstod des zweiten Gitarristen D-Roc 2004 nur noch Ice-T und Ernie C von der Urbesetzung übrig waren. Also verschwanden BODY COUNT von der Bildfläche und avancierten in den Folgejahren zur Kultband.

Erst 2005 reformierte Ice-T mit neuer Besetzung die Band. 2006 erschien dann mit „Murder 4 Hire“ endlich eine neue Scheibe, die die hohen Erwartungen der Fans jedoch nicht erfüllen konnte. Im Folgenden konzentrierte sich Ice-T zunehmend auf seine Zweitkarriere als Schauspieler, so dass er dem Mainstreampublikum wohl eher als Detective Odafin „Fin“ Tutuola aus Law & Order: Special Victims Unit denn als Musiker bekannt sein dürfte.

Doch 2014 kehrten BODY COUNT mit ihrem fünften Werk namens „Manslaughter“ zurück. Die Band konnte endlich an die Form ihrer Frühwerke anknüpfen und lieferte ein rundum gelungenes Werk ab. Nun erschien mit „Bloodlust“ nach gut 3 Jahren am 31.03. der Nachfolger. Man durfte also gespannt sein, ob der mittlerweile 59 Jahre alte Ice-T noch den Biss wie in alten Zeiten hat.

Ein Blick auf die Gästeliste zeigt deutlich, dass BODY COUNT bei ihren Kollegen auch heute noch sehr hohes Ansehen genießen. Mit Dave Mustaine (MEGADETH) beim Opener „Civil War“, Max Cavalera (SOULFLY, CAVALERA CONSPIRACY) bei „All Love Is Lost“ und Randy Blythe (LAMB OF GOD) bei “Walk With Me...” geben sich hier gleich drei Größen des Thrash Metal die Ehre. Wobei hier “Walk With Me..." mit Blythe definitiv die stärkste der Nummern mit Gastmusiker ist. Doch eigentlich kommen Ice-T (Gesang), Ernie C (Gitarre, Hintergrundgesang), Juan Garcia (Gitarre, Hintergrundgesang), Vincent Price (Bass, Hintergrundgesang) Ill Will (Schlagzeug) und Sean E Sean (Samples, Hintergrundgesang) auch hervorragend ohne Unterstützung aus, wie die restlichen der insgesamt 11 Stücke zeigen. Hierbei stechen vor allem „The Ski Mask Way“, „No Lives Matter“, der Titelsong und das finale „Black Hoodie“ heraus.

Auch das Medley aus „Raining Blood und Postmortem“ von SLAYER kann sich durchaus hören lassen. „No Lives Matter“ ist jedoch eindeutig der stärkste Song der Platte. Und auch dieser Titel wird wieder für Diskussionen sorgen bzw. entsprechend polarisieren. Natürlich schreiben wir mittlerweile 2017 und ein Skandal wie 1992 wird definitiv ausbleiben, aber die textliche Aussage, dass es in Amerika egal ist welcher ethnischen Gruppe du angehörst und du, wenn du arm bist, schlicht und ergreifend die Arschkarte hast, stößt schon jetzt nicht überall auf Gegenliebe.

Alles in allem ist den Musikern mit „Bloodlust“ ein würdiger Nachfolger für „Manslaugter“ gelungen, auch wenn hier das auf dem Vorgänger noch vorhandene Augenzwinkern bei manchen Texten komplett fehlt und auch nicht jedes Lied überzeugen kann. Natürlich hat Ice-T auch hier nicht plötzlich das Singen gelernt, aber seine aggressiven Raps passen nach wie vor wie die Faust aufs Auge und auch der alte Biss ist wieder da. Wer schon früher nichts mit der Band anfangen konnte, wird eh einen großen Bogen um „Bloodlust“ machen. (Matthias)


Bewertung:

Matthias7,5 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 41:00 min
Label: Century Media Records
Veröffentlichungstermin: 31.03.2017

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