regulus quadraltihDer Vierer aus Sheffield nimmt den Mund ziemlich voll und erklärt uns in ihrem Promoschreiben, mit welcher Passion und Akribie er an seine Musik heran geht. Bisher haben sie neben einigen EPs mit "Smoke" einen Longplayer auf ihre Habenseite bringen können. Dennoch fühlen sie sich auserkoren neue Standards zu setzen, die ihre Stärke ausdrücken sollen. Um die Einheit als Band auszudrücken haben sie mit "Quadralith" ein optisches Äquivalent als Titel genommen, der auch auf dem Cover erscheint. Wohin wollen uns REGULUS mit der Scheibe entführen?

Neben dem Steinmonument liefert auch die Wüste auf dem Artwork einen nicht unerheblichen Hinweis, den ihrem trockenen Soundgebräu ist die Wüste alles andere als fremd. Viel hat man sich von Stoner Rock-Kapellen in Sachen Riffing und der obligatorischen BLACK SABBATH-Huldigung abgeschaut. Doch da gab es in den Neunzigern noch eine andere Strömung, welche sich stark an den Vorgaben von Iommi & Co. orientierte. Ich weiß nicht, ob dieser Sound wieder zurück ins Bewusstsein der Rockhörer drängt, auch wenn einige der damaligen Protagonisten wieder aktiv sind.
Doch Grunge war vielleicht zu sehr Modewelle, um noch einmal ein Revival zu feiern, wobei man schon beobachten kann, dass sich viele junge Bands an die Dekade anlehnen, die so viel versprach und so wenig hielt. Da macht das Klangbild keine Ausnahme, der Bass wummert ganz tief in die Magengrube, das rockt zwar ordentlich, auch die Schwingungen der sechs Saiten wurden nach unten verfrachtet. Leider adaptiert man auch den damals angesagten Schrammelsound ein Stück weit, denn wirklich differenziert kommt das effektbeladene Spiel nicht rüber.

Dafür mangelt es den Jungs nicht an Groove, der flotte Opener "Dominion" scheibt schön mit halboffener Hi-Hat nach vorne, dazu lässt sich die Leadgitarre ein wenig blicken. Wenn dann der Gesang einsetzt, kommt einem dann "Even Flow" von PEARL JAM etwas zu offensichtlich in den Sinn, während die Truppe im Refrain gut zu rocken vermag. Mit ähnlich deftigem Riffing geht es auch in "Last Chance To Die Young" weiter, wenngleich das Tempo ein wenig schwerfälliger daher kommt. Passend zum sehr Grungetypischen Songtitel bellt Frontmann Luke Jennings den hymnischen Chorus mit einer gewissen Verzweiflung hinaus. Noch angriffslustiger geben sich REGULUS beim treibenden "Overcome", in dessen hymnischem Refrain sie sich an Twin-Leads versuchen.

Da Bassist Martyn Lucas-Bewick auch die Produktion übernommen hat, will er sein Instrument natürlich auch etwas heraus stellen, wobei ihm "Seven Tales Told" die erste Gelegenheit dazu bietet. Die Nummer kommt etwas ruhiger daher, die vier Saiten übernehmen den Rhythmus, während die Gitarren mehr auf die Leadarbeit setzen. Ähnlich kommt das fast doomige "Bones" daher, nur setzt man da noch mehr auf Atmosphäre und reduzierte Arrangements, bluesige Licks und ein paar weibliche Vocals ergänzen das Ganze. Erst gegen Ende zieht das Stück von der Dynamik her an, wobei man sich die Machart zu sehr bei "Snowblind" oder "Sabbra Caddabra" abgeschaut hat. Auch der Einstieg von "The Dream Reaper" kennt einen prominenten Bass, der mit den Drums und den Dynamiksprüngen einen hypnotischen Sog entwickelt.

Interessant ist vor allem "Heart Of Stone" bei dessen Beginn klassischer amerikanischer Rock aus dem Staub der Wüste transportiert wird, auch der Blues redet ein Wörtchen mit. Mit zunehmender Songdauer und Steigerung der Intensität, kommen die Sologitarren SOUNDGARDEN in ihrer erfolgreichsten Phase immer näher. Im Instrumental "Dutch" setzen die Vier ebenfalls auf Songstrukturen und den Kontrast zwischen Groove und Atmosphäre, wobei hier die Leads etwas melodischer ausfallen. Und der epische Titelsong am Ende vereint noch einmal alle Stärken der Band in sich, inklusive rockiger Attitüde.
Was man REGULUS zu Gute halten muss, ist dass es ihnen gelingt, trotz vieler offensichtlicher Einflüsse eine sehr dichte geschlossene Platte zu komponieren. Ihre Handschrift ist zu erkennen, lässt aber genug Raum für Abwechslung. Obwohl sie oft rüber nach Birmingham schielt, klingt die Formation so gar nicht britisch, man verortet sie entweder in die Wüste oder eben in der Boomtown im Nordwesten der Staaten. Es fehlen vielleicht die ganz großen Momente, die hängen bleiben, aber nicht nur beinharte Roadburn-Pilger dürfen ein Ohr riskieren. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer6,5 6,5 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 52:07 min
Label: Off Yer Rocka Recordings/Cargo
Veröffentlichungstermin: 17.03.2017

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