asia symphoniaSo richtig weiß keiner wie es weitergehen soll, der Fachmann wenn es im melodischen Prog hapert, Billy Sherwood springt für die US-Tour mit JOURNEY ein. Ein Album soll Geoff Downes mit John Wetton komponiert haben, ob es je erscheint, weiß nach Wettons Tod niemand. Mit ihm ist eine der schönsten Stimmen im Rockbusiness verklungen, was für ASIA alles verändert. Dabei war die Veröffentlichung des nun vorliegenden Livedokuments gar nicht an dessen tragisches Dahinscheiden gebunden, sondern schon länger geplant. Immerhin sind die Aufnahmen bereits dreieinhalb Jahre alt, was aber bei den Briten irgendwie schon immer Standard war. So wird "Symphonia - Live in Bulgaria" ungewollt zum Abschiedswerk eines großartigen Sängers.

Die ganz großen Zeiten der Achtziger-Supergroup sind lange vorbei, weswegen sie finanziell kleinere Brötchen backen müssen. Früher hätte man für so ein Unterfangen das Royal Philharmonic Orchestra verpflichtet, heute nimmt man die Dienste von Klassikensembles aus Osteuropa in Anspruch. Diese sind deutlich kostengünstiger, aber fast gleichwertig talentiert, oft ist Prag die Adresse, Downes und seine Kollegen gingen dafür nach Plovdiv in Bulgarien. Die Show dort fand im römischen Theater aus dem zweiten Jahrhundert am 21. September 2013 statt und sollte ein Highlight in der Bandgeschichte werden.

Es ist in der Tat interessant wie sehr das Publikum mitgeht, in der Ära der großen Erfolge dürfte die dortige Bevölkerung große Probleme gehabt haben, an die Scheiben ihrer Helden zu kommen. Dennoch scheint das Material vertraut, welches sich fast gänzlich aus den ersten beiden Longplayern rekrutiert. Klar ist das die Quintessenz der Band, doch auch in jüngster Vergangenheit hatte man einige gute Songs vorzuweisen. Hier kommt von „Omega“, dem stärksten Album nach der Reunion gibt es leider nur „Holy War“, stattdessen mit „Face On The Bridge“ ein Lied des schwächeren „XXX“.

Dabei würde sich vor allem „There Is A Time“ gut für die Umsetzung mit Orchester eignen, doch ASIA haben davon ohnehin reichlich. Ihre immer vorhandene leicht episch-sakrale Note ist geradezu prädestiniert für eine Bearbeitung mit klassischen Instrumenten, selbst in der Zwischenphase mit John Payne am Mikro. Was sich aber in der Theorie sehr gut anhört, ist in der praktischen Ausführung eher halbgar geraten, zumindest auf dem vorliegenden Dokument.
Denn die 48 zusätzlichen Musiker sind eigentlich kaum zu vernehmen, selbst in den ruhigen Passagen von „The Smile Has Left Your Eyes“ muss man genau hinhören. Eben jenes Stück muss doch am Ende nur so überquellen vor orchestralem Bombast, dieses ausladende Arrangement schreit förmlich nach einem Himmel voller Geigen. Aber der Endmix will diese Elemente nicht zur Geltung bringen, stattdessen spielt sich vor allem die Orgel von Meister Downes in den Vordergrund.

Zwar ist der Gesamtsound schon druckvoll, ohne dabei den Livecharakter zu verleugnen, doch da bleiben eben die Ausgewogenheit und die Feinheiten auf der Strecke. Ich frage mich zwar, ob es eventuell am Downloadformat hängt, wobei ich das Argument nicht gerne gelten lasse. Vielleicht nimmt man in der DVD-Version das Orchester mehr wahr, wenn man es auch sieht, aber uns liegt nur die Audioversion vor. Neben dieser Unzulänglichkeit kann auch die Stimme des sonst so großartigen John Wetton nicht überzeugen, was weniger am Klangbild liegen dürfte.

Sein Gesang wirkt gepresst, es fehlt diese unbeschwerte Melodiösität, die den Songs diese wohlige Wärme verleiht. An seiner Erkrankung kann es noch nicht gelegen haben, ich hatte ihn nur ein paar Wochen zuvor auf der Bühne gesehen, da war er bestens bei Stimme. Die Band spielt zwar sehr gut und beseelt auf, aber das war nicht Ziel dieser Übung. Man hätte Klassikern wie „Wildest Dreams“ oder „My Own Time“ neue Facetten abringen können, auf „Symphonia – Live in Bulgaria 2013“ gelingt dies leider nicht, so dass es sich in die Reihe durchschnittlicher Livescheiben aus dem Hause ASIA einreiht. (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer6,0 6,0 / 10


Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 76:48 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 24.02.2017

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