allthemwitches sleepingthroughwarIn einer Zeit, in der viele Bands eines Genres absolut gleich klingen und sich ausschließlich gegenseitig referenzieren, ist es von größter Dringlichkeit Bands wie ALL THEM WITCHES hervorzuheben. Mit ihrem neuen Longplayer, der auf den griffigen Namen “Sleeping Through The War” hört, bauen sie weiter ihre makellose Diskografie aus.

Wo zwischen “Lightning At The Door” und “Dying Surfer Meets His Maker” ganze zwei Jahre lagen, mussten wir uns dieses mal – beim vierten Studioalbum – nur etwas mehr als ein Jahr gedulden. Dem aus Nashville/Tennesse stammenden Quartett fehlt es aber nicht an kreativem Potential, um in dieser kurzen Zeit erneut ein kleines Meisterwerk abzuliefern. Dabei behilflich war der zweifach grammy-prämierte Produzent Dave Cobb, der mit seinem Background aus sowohl Country- und Americana- als auch Rock-Produktionen eine absolut logische Besetzung für diesen Job war.

Bluesige Jams, chillige Bass-Grooves und hier und da die Fuzz-Gitarren. Die Komponenten bleiben die gleichen. Naja, fast die gleichen, denn die Background-Sängerinnen sind neu. Die Songs “Bulls”, “Am I Going Up?”, “3-5-7” und “Alabaster” werden durch das Trio Caitlin Rose, Erin Rae und Tristen – allesamt erfahrene Sängerinnen – unterstützt. Und dazu natürlich die tiefe Stimme von Charles Michael Parks Jr., die diese total entspannte Atmosphäre erzeugt, wie wenn er in einer Bar mit Kippe und Whiskey-Glas gegenüber sitzt und mit dieser winzigen Prise Arroganz seine Lyrics herunter betet.

Auch wenn zuvor die makellose Diskografie erwähnt wurde, die Alben in sich sind es nicht. Und so bietet auch “Sleeping Through the War” Längen. “Alabaster”, oder “Cowboy Kirk” fallen doch in den meisten Durchläufen der Skip-Taste zum Opfer. Aber das ist überhaupt nicht schlimm, denn der Rest des Albums gleicht alles aus und die zuvor genannten Songs behalten das Potential irgendwann zum Geheimtipp zu werden.

Songs wie “3-5-7”, oder “Guess I’ll Go Live On The Internet” haben nicht nur kuriose Namen, sie liefern auch den absolut unverkennbaren ATW-Vibe. Letzterer bietet dazu noch eine grandiose Einlage von Mundharmonika-Legende Mickey Raphael. Weiter fällt auf, dass der typische Fender Rhodes Sound nicht mehr so omnipräsent ist. Das liegt daran, dass Keyboarder Allan Van Cleave auch mal an die Hammond-Orgel, oder das Mellotron wechselt.

Letztlich unterscheidet sich “Sleeping Through The War” dann doch mehr von seinen Vorgängern, als man auf den ersten Blick denkt. Im direkten Vergleich fällt auf wie sehr die Band im letzten Jahr gereift zu sein scheint. Die Songs sind kompakter, abwechslungsreicher und legen mehr Wert auf Hooklines. Poppiger wird das ganze dadurch aber kaum. Es bleibt weiterhin die obskure Mischung aus Americana, Folk, Blues und Stoner induziertem Rock die weitab vom Mainstream ihre Kreise zieht. (Uwe)


Bewertung: 

Uwe9,0 9 / 10

Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 46:07 min
Label: New West Records
Veröffentlichungstermin: 24.02.2017

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