brotherfiretribe sunboundMitte der Nullerjahre schickten sich die Finnen an, um mit unverblümt in den Achtzigern hängen gebliebener Mucke die Szene zu erobern. Und eigentlich standen die Zeichen gar nicht schlecht, STEEL PANTHER waren noch nicht erfunden, mit Emppu Vuorinen von NIGHTWISH hatte man ein prominentes Mitglied an Bord und die beiden ersten Scheiben waren bärenstark. Woran es gelegen hat, dass der große Durchbruch ausblieb, lässt sich schwer sagen. An der Zeit für das Projekt dürfte es nicht gelegen haben, dass dann eine lange Durststrecke kam, zumal die Truppe in dem damaligen Line-Up zusammen blieb. Sänger Pekka Ansio Heino hat mit LEVERAGE nicht gerade die umtriebigste Nebenbühne und das Hauptbetätigungsfeld des Gitarristen gönnt sich immer wieder lange Pausen und noch längere Orchesteraufnahmen. Erst vor drei Jahren erschien mit "Diamonds In The Firepit" ein drittes Werk, welches aber etwas lahmer ausfiel. Nun legen BROTHER FIRETRIBE noch einmal mit "Sunbound" nach, geht das noch was?

Musikalisch bleiben sie mit ein paar minimalen Kurskorrekturen auch auf dem vierten Longplayer ihrem Stil treu und lassen die große Dekade des Metal und Hairsprayrock wieder aufleben. Das ist die Musik mit der die Herren aufgewachsen sind und die immer noch unglaublich viel Spaß macht, einfach sich von den Stadionrefrains mitreißen lassen. Natürlich kommen sie dabei nicht ohne reichlich Keyboardkitsch aus, der schon beim eröffnenden instrumentalen Titelsong deutlich Richtung SURVIVOR weist. Den Haupteinfluss offenbaren die Finnen immer wieder, speziell in ihrer Melodieführung, aber auch den Arrangements.

"Help Is On My Way" treibt im Anschluss schön nach vorne, wobei immer wieder Synthesizerschwaden über die sechs Saiten von Vuorinen gelegt werden. Hier stehen die Riffs, wenn auch sehr simpel gehalten noch im Vordergrund, was ansonsten nur noch in wenigen Fällen wie dem fanfarenhaften "Big City Dream" gelingt. Am rockigsten kommt "Give Me Tonight" daher, welches trotz der soften Gesangsarrangements gut nach vorne geht. Gerade wenn sich die anderen Stimmen der Truppe ins Geschehen einbringen wissen die Melodiebogen von BROTHER FIRETRIBE zu zünden.
Schon der Opener gefällt in dieser Disziplin und auch das zwischen Atmosphäre und Harmonien pendelnde "Last Forever" schmeichelt sich damit beim Hörer ein. Hier setzen die Fünf gekonnt auf knallige Arrangements, welche die Stücke zusätzlich befeuern. Besonders gut nachzuhören in der Hymne "Strangeld", welches eher von schweren Synthies getragen ist und im Refrain explodiert. "Taste Of The Champions", das in ihrer Heimat einige Fernsehshows ziert, kann das zwar auch, doch benutzt man hier allzu häufig programmierte Rhythmusspuren, eine der Untugenden der Achtziger.

Diese machen das vorab veröffentlichte "Indelible Heroes" oder das hymnische "Restless Heart" zu einer sehr zwiespältigen Angelegenheit, denn in den äußerst poppigen Tracks werden die Gitarren vollkommen in den Hintergrund gedrängt, wobei die Riffs durchaus stark sind. Überhaupt kann die Produktion nicht mit der der beiden ersten Alben mithalten, vieles wirkt doch zu komprimiert und ein paar Modernisierungsversuche wie "Phantasmagoria" scheitern. Die Rhythmusfraktion entwickelt nicht genug Druck, der Bass pumpte schon mal besser und auch die Drums sind zu wenig heraus gemischt. Das ist schade, denn so manch guter Ansatz hätte einen knackigeren Sound verdient gehabt.

Da wäre die sphärische Halbballade "Shock" mit erneut schweren Synths oder das eher britische "Heart Of A Matter", bei dem ein prägnanter Basslauf fast New Wave-Attitüde herauf beschwört. Bei anderen Versuchen scheitern die Jungs allerdings, die akustische Neuauflage von "For Better Or For Worse" vom letzten Longplayer hat einen geschickten Off-Beat, plätschert aber zu sehr vor sich hin. Und auch der andere Bonustrack "Don´t Cry For Yesterday" versinkt völlig in cheesy Melodien. "Sunbound" kann die Scharte des letzten Langeisens nicht gänzlich ausmerzen, vielleicht hätten es zwei oder drei Lieder weniger auch getan, dafür ein paar mehr von den tollen Gitarrensoli. Für ein paar Runden im Auto durch den aufkommenden Frühling und Vorfreude auf die Konzerte im Herbst reicht es dennoch. (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 55:00 min
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichungstermin: 24.03.2017

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