bonfire bytethebulletNachdem das letzte Line-Up der Ingolstädter so groß angepriesen wurde, war ihm keine allzu lange Lebensdauer beschieden. Nach dem formidablem „Glörious“ verabschiedete sich der frühere ACCEPT-Sänger David Reece schon wieder. Als Ersatz wurde zuerst der Name des ehemaligen Frontmannes, Michael Bormann gehandelt, einer der stärksten deutschen Shouter. Letzten Endes schwingt aber nun mit Alexx Stahl ein eher Unbekannter das Mikro. Trotz der Umformierungen lässt sich Bandchef Hans Ziller nicht unterkriegen und schmiedete mit „Byte The Bullet“ das nächste Langeisen. Um das rechtzeitig zur geplanten Veröffentlichung im Kasten zu haben, mussten BONFIRE auch einige Konzerte verschoben werden. Macht sich das rotierende Besetzungskarussell auch musikalisch bemerkbar?

Schon alleine die Personalie David Reece macht die Sache interessant, denn der steuerte schon die Solinger Legende in deutlich rockigere Gefilde. Und auch der letzte Longplayer der Bayern fiel ein bisschen amerikanischer aus. Doch ein Mann von der Klasse wie Reece kann es sich auch erlauben, so konnte er seine technischen Fähigkeiten und sein größeres Feeling besser ausspielen. Der nebenbei bei der NWOBHM-Coverkapelle ROXXCALIBUR aktive Stahl trägt seine musikalische Vorliebe schon im Namen, kann aber seinem Vorgänger nicht das Wasser reichen. Aber so alte Haudegen wissen eben, dass man die Flucht auch nach vorne antreten kann.

Und so stampft „Power Train“ nach einem fiebrigen Intro mächtig nach vorne und liefert genau das, was ACCEPT-Fans seinerzeit auf „Eat The Heat“ vermisst haben. Und wo schon ordentlich Gas gegeben wird, da darf die DoubleBass im Refrain des folgenden „Stand Up 4 Rock“ richtig durchgetreten werden. In „Too Far From Heaven“ ballert diese dann die komplette Zeit und weckt Erinnerungen an beste Zeiten in den Achtzigern.
Auch die Stimmfärbung des neuen Frontmannes gibt alten Fans Grund zur Freude, ähnelt sich doch stark der von Claus Lessmann. Die Produktionsparameter sind ebenso in jener Ära angesiedelt, angefangen beim voluminösen Sound mitsamt schön klatschender Snare. Dazu pumpt der Bass in die Magengrube, speziell beim groovenden Titelsong, welcher ebenfalls an ACCEPT erinnert.
Wenn die Truppe das Tempo heraus nimmt und ein wenig Atmosphäre herein bringt gelingen auch tolle Nummernwie das hymnische „Praying For A Miracle“ oder der düstere, schwerfällige Stampfer „Some Kinda Evil“. Richtig klasse wird es bei der flüssigen Melodieführung von „Reach For The Sky“, die an die Qualitäten der unterbewerteten FIFTH ANGEL heran reicht, mit denen sie ja zeitweise Drummer Ken Mary teilten.

Natürlich dürfen da die Keyboards nicht fehlen, wobei sie in „Locomotive Breath“ zu sehr heraus gemischt wurden. Die Synthiestreicher verwässern die Nummer arg, hier hätte man eher die knackigen Riffs heraus stellen sollen, um mehr Power aus der Vorlage heraus zu holen. Stattdessen betonte man die klassische Seite von JETHRO TULL, was nicht ganz so gut gelingt wie im schlicht „Instrumetal“ betitelten Song. Hier werden gekonnt einige klassische Stücke in einem Medley verwurstet, dazu packt man noch das ein oder andere Solo drauf. Okay wer jetzt wieder ACCEPT schreit, der hat ja recht.

In Richtung Stadionrock schielen die Synthesizerschwaden, die in „Sweet Surrender“ über die Riffs gelegt werden, doch was ist da mit der Strophe passiert? Klar waren früher die Vergleiche mit den SCORPIONS durchaus berechtigt, aber wie dreist man hier „Make It Real“ abkupfert ist schon der Hammer. Da hat die knallige Bridge alle Mühe, das wieder heraus zu reißen, doch BONFIRE nehmen das ungeniert und legen einen drauf. Im Intro von „Too Far From Heaven“ kopiert man gleich noch frech die Boxerhymne von SURVIVOR.
Da fragt man sich schon, ob die das nicht merken, ob das eine Hommage sein soll, oder die Band das möglicherweise gar nicht ernst nimmt. In der Vergangenheit gaben Ziller und Co. reichlich Anlass, damit man sich an ihnen stößt, hier machen sie genauso weiter. Dabei kann der geneigte Hörer mit „Byte The Bullet“ sehr viel Spaß haben, wenn es ihm gelingt, all diese Kritikpunkte, wie auch das Gelaber in „Friedensreich“ und die erneute Neuaufnahme von „Sweet Obsession“ zu verzeihen, was nicht gerade einfach ist.

Aber man muss einfach festhalten, dass BONFIRE seit dem Ausstieg von Lessmann wieder Druck entwickeln und die Lieder nicht mehr vor sich hin plätschern. Und wenn sie dann in der Achtzigerparadeübung Powerballade ihre eigenen Maßstäbe angreifen, dann haben sie vieles richtig gemacht. Es gilt immerhin zu bedenken, dass sie mit „You Make Me Feel“ die zweitbeste deutsche Rockballade nach „Still Loving You“ verfasst haben, „Lonely Nights“ kommt da verdammt nah dran. Akustische Strophe, bluesige Licks, mit simplen Akkorden steigernde Dynamik, gefühlte 251 Gesangsspuren im großen Refrain und ein ausladendes Solo, so gelingt der perfekte Schmachtfetzen. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 60:13 min
Label: UDR Music
Veröffentlichungstermin: 24.03.2017

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