richardbarbieri planetspersonaDer Elektronikpionier gründete Ende der Siebziger zusammen mit Mick Karn, David Sylvian und Steve Jansen JAPAN, eine der talentiertesten britischen Formationen der New Wave-Ära. Leider waren sich die unterschiedlichen Charaktere nicht hold, sodass man die Truppe nach fünf Alben auflöste, wobei man in der Folge in unterschiedlichen Konstellationen andere Projekte anging. Als Steven Wilson seine One-Man-Show PORCUPINETREE zu einer richtigen band ausbauen wollte, erinnerte er sich an den Namen des Keyboarders, der die nächsten fünfzehn Jahre erneut bei einer der spannendsten Outfits ihrer Zeit Geschichte schreiben konnte. Offiziell ist der Vierer nicht aufgelöst, die Zukunft steht dennoch in den Sternen, so dass sich RICHARD BARBIERI anderen Ideen zuwenden kann. Nach ein paar Kollaborationen gibt es nun mit „Planets + Persona“ einen Alleingang.

Der große Songwriter war der Mann noch nie, ihm fiel eher die Rolle des Klangtüftlers zu, der die Vorgaben anderer mit seinen Sounds umsetzen und verfeinern sollte. Deswegen sucht man Songstrukturen auf diesem Solowerk vergeblich, vielmehr ist es ein Eintauchen in Klanglandschaften. Diese erstrecken sich über weite Flächen und lassen diese bei dem Hörer vor dem geistigen Auge entstehen. Im schön ausgestalteten Booklet gibt es dann ein paar Eindrücke für all diejenigen, bei denen das Kopfkino nicht in die Gänge kommt. Entstanden sein dürften die meisten Aufnahmen in Skandinavien, wo den Namen nach auch die meisten seiner Mitmusiker her stammen.

Alles wirkt irgendwie schemenhaft, ganz weit entrückt, so wie die Ferne, welche eben jene Photographien ausstrahlen. Das liegt daran, dass auf die Stimmen und auch auf einige Synthesizer viel Hall gelegt wurde. Die Synths tauchen immer nur ganz vereinzelt auf, scheiben sich ein die dezente Rhythmik hinein, ein Effekt, welchen PINK FLOYD mit „One Of These Days“ entscheidend geprägt haben. In dieser Zeit entstand auch „Echoes“, welches bei den Basslinien von „Night Of The Hunter“ Pate stand. Der Bezug zu den Art Rockgroßmeistern endet aber hier und ist nicht so ausgedehnt wie bei Barbieris letzten festen Arbeitgeber.

Eher versucht sich der Tastenzauberer an modernen Rhythmusgeflechten, gleich zu Beginn klingt „Solar Sea“ verdächtig nach Drum´n´Bass. Im Laufe dieses und auch der meisten anderen Songs lässt er die Dynamik immer weiter anschwellen, um diese dann wieder komplett einzureißen. Nach diesen Brüchen herrscht oft komplette Stille, aus der sich erst wieder Töne schälen müssen. Diese flirren dann mehr und verlaufen sich in Harmonien, wenn man im Bezug auf diese Atmosphäre überhaupt davon sprechen kann. Im Verlauf jedes Titels wird bei vielen Elementen Station gemacht, welche die Sphärik inmitten der pulsierenden Sequenzern generieren.

In „New Found Land“ und „Shafts Of Light“ mischen sich versponnene, akustische Gitarren fast wie Fremdkörper darunter. Doch finden diese mit der Zeit ihren Platz im Gesamtbild, ebenso wie das Vibraphon, dessen Röhren tänzelnd mitschwingen. Bei „Interstellar Medium“, dem einzigen Titel, den RICHARD BARBIERI ganz alleine interpretiert gleiten seine Finger verstärkt über eine Fender Rhoads, im folgenden „Unholy“ darf es ein echtes Piano sein. Hier wird seine Affinität zum Jazz angedeutet, die sich noch viel ausgeprägter zum Tragen kommt, wenn Trompete oder Saxophon leise in die Klangschichten hinein weinen.

Die Verquickung von Jazz und zeitgemäßer Elektronika erinnert ein wenig an Herbie Hancock, wenngleich der Brite weitaus wärmere Klangfarben aufträgt. Doch nicht nur deswegen wirkt „Planets + Persona“ bei aller Schroffheit und Distanziertheit zugänglich. Die Arrangements sind alle sehr spartanisch, in repetiven Phasen ein wenig an Minimal Music geschult. So wird man nie überfordert, bekommt zu greifen, was sich eigentlich nicht packen lässt. Ein Werk, das sowohl als Entdeckungsreise als auch zum Entspannen dient, die Zuhörer aber in jeder Lage fordert. Jetzt schon eine der interessantesten Veröffentlichungen des Jahres. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 7
Spielzeit: 53:52 min
Label: KScope
Veröffentlichungstermin: 03.03.2017

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