octo kitschMusik aus dem deutschsprachigen Raum ist einfach nicht meine Baustelle. Kein Wunder also, dass mich ein Album mit dem Titel „Kitsch“ erstmal nicht wirklich neugierig macht, zumal ich den Bandnamen OCTO in diesem Zusammenhang zum ersten Mal hörte. Zum Glück hatte ich aber die Gelegenheit, das Album vorab anzutesten und war gleichzeitig überrascht und angetan. Hier wird nämlich nur in der Schweigesprache musiziert, und ohrenscheinlich sind hier lediglich 2 Bässe und ein Schlagzeug im Spiel. Mein Interesse ist geweckt.

Im Laufe der vielen Jahre hörte ich Musik immer mehr in Bezug auf den Bassanteil, wobei dieser gerade im Metal-Bereich oft gar nicht oder nur sehr wenig spektakulär zu hören war. Cliff Burton sei Dank hat man sich heutzutage allerdings darauf besonnen, dass man das Instrument nicht nur besetzen, sondern auch deutlich hören sollte. OCTO nahmen sich dieses Vorhaben besonders zu Herzen und nahmen statt Gitarren gleich 2 Bässe in die Band auf. Hierbei schenken sich die beiden Dicksaiter nichts, wenn es um herzhaften und dominanten Sound geht. Eigentlich ist, ebenso wie die deutschsprachige Musik, auch die Instrumentalmusik bei mir immer mit etwas zweifelhaftem Beigeschmack verbunden, denn der schwierigen Aufgabe, ein ganzes Album lang interessant und abwechslungsreich zu klingen, sind viele dieser Combos einfach nicht gewachsen, geschuldet an der Wichtigkeit einer stimmlichen Präsenz.

Anders im Fall OCTO. Gerade als Liebhaber knackig-verzerrter Basssounds kommt man hier voll auf seine Kosten. Das Fehlen von Gitarren ist dabei leicht zu verkraften, denn das virtuose Spiel des Bass-Duos lässt diese nicht wirklich vermissen. Von hart bis zart, von zügig bis stapfend werden hier sieben Stücke mit nachdenklichen Betitelungen präsentiert, die irgendwie an die Anfangszeiten von KARMA TO BURN erinnern. Durchdacht und anspruchsvoll klingt dieser „Kitsch“ und somit anders, als man es vermuten könnte, wenn auch nicht für die breite Masse.
Ich zumindest bin froh, dass ich unvoreingenommen einen Probelauf mit OCTO zuließ und dadurch trotz aller anfänglichen Zweifel und schematischer Denkweise eines Besseren belehrt wurde.

„Kitsch“ ist das Debütwerk eines talentierten Trios, das ohne Scheuklappen und mit einem weit geöffneten Einflusstrichter ein interessantes und kurzweiliges Stück Musik abgeliefert hat. Vielleicht können die Kölner nicht jeden Kritiker damit überzeugen, ich aber mache dieses Album noch gerne einige Male in meine Playlist. (Jochen)

 


Bewertung:

Jochen7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 7
Spielzeit: 29:38 min
Label: Krachladen Records
Veröffentlichungstermin: 03.03.2017

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