annihilator triplethreatWürde mich jemand auffordern eine Liste der besten Thrash Metal Alben aller Zeiten zu erstellen, dann würde „Alice In Hell“ von ANNIHILATOR mit Sicherheit unter den Top 5 landen. Leider ist die einzige Konstante in der Besetzung der Band, die immerhin schon seit 1984 existiert, Gitarrist und Bandgründer Jeff Waters. So gaben sich in den letzten 33 Jahren unzählige Musiker bei den Kanadiern die Klinke in die Hand. Nicht zuletzt bis zum heutigen Tag 6 verschiedene Sänger. Jeff Waters machte daher einmal mehr aus der Not eine Tugend und übernahm auf dem letzten Studioalbum „Suicide Society“ (2015) erstmals seit „Refresh The Demon“ (1996) wieder den Gesang bei ANNIHILATOR.

Fiel Waters in letzter Zeit eher durch Auktionen in den sozialen Medien, so konnte man unter anderem eines seiner Autos käuflich erwerben, auf, so legen er und seine Mitstreiter mit „Triple Threat“ nun ihr neuestes Werk vor. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich hier um eine Art Werkschau des kompletten musikalischen Schaffens. „Triple Threat“ erscheint gleich in mehreren Versionen und wird als 2CD im Jewelcase, digitaler Download, 2CD-Digi + DVD und 2CD-Digi + BluRay erhältlich sein. Mir lag die 2CD-Digi + DVD zur Bewertung vor.

Die erste CD beinhaltet den kompletten letztjährigen Auftritt von Jeff Waters (Gesang, Gitarre), Fabio Allesandrini (Schlagzeug), Rich Hinks (Bass) und Aaron Homma (Gitarre) auf dem „Bang Your Head“. Die Liveatmosphäre wurde hier recht gut eingefangen und die Band überzeugt mit Songs wie „King Of The Kill“, „No Way Out“, „Alison Hell“ usw. Der Klang der hier enthaltenen 11 Stücke lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Trotzdem merkt man der Scheibe deutlich an, dass das Publikum nicht ganz wie gewollt reagierte. So fielen die von Jeff geforderten Mitsingchöre bei „King Of The Kill“ und „Alison Hell“ eher verhalten aus.

Richtig interessant wird es dann bei der zweiten CD, die den Titel „Un-Plugged: The Watersound Studios Sessions“ trägt. Diese bietet rein akustische Versionen von 10 Stücken, die Mastermind Jeff Waters zusammen mit Rich Hinks (Bass, Gesang) und Aaron Homma (Gitarre, Gesang) in seinem eigenen Studio aufnahm und auch selbst produzierte. Unterstützung holte er sich hierbei in Form seines Freundes Marc LeFrance (Percussion, Gesang), welcher bereits 1992 die Backingvocals zu „Phoenix Rising“ auf „Set The World On Fire“ einsang und dem Session Musiker Pat Robillard (Gitarre).

LeFrance sorgt dann mit seinem Gesang bei „Sounds Good To Me“ auch gleich für den ersten Gänsehautmoment des Silberlings. Klar hat das mit Thrash Metal absolut nichts zu tun, doch wer diese Version der Nummer nicht wunderschön findet, sollte sich ernsthaft fragen, ob er nicht schon tot ist. Doch auch der Chef selbst zeigt beim darauffolgenden „Bad Child“, dass er durchaus ein passabler Sänger ist und verwandelt das Stück mal eben in eine richtig coole Bluesrocknummer. Doch die dicken Überraschungen kommen erst noch. Denn mit „Innocent Eyes“ und vor allem „Holding On“ beweist Jeff Waters, dass er als Sänger gnadenlos unterschätzt wird. Man würde sich durchaus wünschen, dass er sich das auch auf den nächsten Studioalben mehr traut.

Da ANNIHILATOR hier den Schwerpunkt auf die melodischen Lieder legen, sind hier logischerweise überwiegend Songs von „Set The World On Fire“ (1992) und „Refresh The Demon“ (1996) enthalten, was ein wenig schade ist, denn ich persönlich hätte es spannender gefunden Werke wie „Never, Neverland“ oder eben auch „Alison Hell“ in akustischen Versionen zu hören. Leider wurde das Ganze auch nicht vor Publikum aufgenommen, sondern eben in der Atmosphäre eines Studios. Positiv ist jedoch, dass das Set dadurch wie eine einzige lange Jamsession wirkt. Wer nur auf die harten Nummern von ANNIHILATOR steht, der wird mit der zweiten CD eh wenig, bis gar nichts anfangen können. Dennoch zeigt diese deutlich, dass die Kanadier eben deutlich mehr sind, als „nur“ eine Thrash Metal Kapelle und dass gerade das die Truppe ausmacht.

Abgerundet wird „Triple Threat“ durch eine DVD, die sowohl den Auftritt beim „Bang Your Head“ als auch die Unplugged Session nochmal in Bild und Ton festhält. In Balingen fällt jedoch auf, dass die Publikumsreaktionen eher spärlich ausfielen. Obwohl die Band sich redliche Mühe gab. Da hätte man wohl besser einen anderen Auftritt mitgeschnitten. Die Unplugged-Session gibt optisch leider relativ wenig her, da die Jungs hier nur auf Stühlen sitzend die insgesamt elf Stücke runterzocken. Bild und Ton sind jedoch hervorragend.

Als Bonus gibt es dann noch einen Kommentar von Jeff Waters zu den „Watersound Studio Sessions“ sowie die Mini-Doku „Annihilator Summer“, bei der neben den einzelnen Bandmitgliedern auch Kollegen wie Dave Ellefson von MEGADETH sowie Mike und Schmier von DESTRUCTION und Fans aus aller Herren Länder zu Wort kommen. Am Ende beantwortet Jeff Waters dann noch im Stadtpark von Ottawa Fanbriefe. Leider gibt es zu alldem keinerlei Untertitel. Und obwohl man Jeff Waters, wenn man einigermaßen fit in Englisch ist, wirklich sehr gut versteht, wünscht man sich spätestens bei dem Kauderwelsch des unfreiwillig komisch rüberkommenden Fans aus der Ukraine unweigerlich doch die Untertitel. Man versteht nämlich nur die Hälfte von dem, was der Junge da erzählt.

Insgesamt bieten einem ANNIHILATOR, sofern man sich beim Kauf für die Version mit DVD oder BluRay entscheidet, fast 5 Stunden Unterhaltung in bester Bild- und Tonqualität. Klar kann man über die Songauswahl der Unplugged Session durchaus geteilter Meinung sein und auch die DVD hat so einige Schwächen, aber im Großen und Ganzen ist „Triple Threat“ eine durchaus gelungene Angelegenheit. (Matthias)


Bewertung:

Matthias8,0 8 / 10

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 42
Spielzeit: 291:39
Label: UDR/Warner Music ADA
Veröffentlichungstermin: 27.01.2017

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