thunder ripitupWie lange die britischen Hardrocker das muntere On/Off-Spielchen noch weiter treiben wollen ist nicht bekannt. Zur Zeit darf sich der Fan glücklich schätzen, dass die Band nach diversen Splits wieder voll aktiv ist. Nachdem die letzte Reunion eher ruhig angegangen wurde, ging es nach dem letzten Longplayer „Wonder Days“ Schlag auf Schlag. Dabei sind Drummer Harry James und Bassist Chris Childs mit MAGNUM und TYKETTO jeweils in anderen Bands beschäftigt. Nur ein Jahr später schoben THUNDER das Live-Boxset „All You Can Eat“ nach und ein weiteres Jahr darauf dürfen wir uns auf „Rip It Up“ freuen. Können sie damit den starken Vorgänger noch übertrumpfen?

Zwei Sachen werden schnell deutlich, zum einen bewegt sich die Formation kein Stück von ihrem angestammten Terrain weg, zum anderen ist der nunmehr elfte Longplayer keine Kopie von „Wonder Days“. Die auf dem Werk sehr starken LED ZEPPELIN-Referenzen werden deutlich zurück geschraubt, man orientiert sich eher in Richtung späte Siebziger, was sehr gut zum aktuellen Klangbild passt. Zu Beginn treibt „No One Gets Out Alive“ rock´n´rollig nach vorne, setzt aber mit der luftigen Bridge schon die ersten Kontrapunkte, welche den Songs immer noch zusätzliche Facetten abringen.

So wirkt der anschließende Titelsong zwar betont lässig, die Riffs besitzen dennoch eine bluesige Schwere. Diese mündet im Chorus in den typischen schwer swingenden Groove, für den der Fünfer bekannt ist und der auch das kraftvolle „Shakedown“ prägt. Bei „Tumbling Down“ wird dieser sogar über den kompletten Song durchexerziert, wobei die Nummer noch die deutlichste Luftschiffreferenz darstellt. Die Vielfalt verstärken die Herren noch, wenn sie im coolen She Likes The Cocaine“ ein paar wavig anmutende Gitarren über den trockenen, stoischen Rhythmus legen. Pianotupfer und weibliche Soulchöre verwandeln das Stück zu einem der ungewöhnlichsten der Bandgeschichte.

Noch sphärischer kommt „Heartbreak Hurricane“ rüber, in welchem die sechs Saiten ein paar Soundscapes beisteuern, über die Harry James dezente Drumfiguren legt. Mit dem Refrain und zum Ende hin wissen THUNDER die Dynamik des Songs noch zu steigern. Gleichzeitig ist dies ein gutes Beispiel für den dezente und geschmackvollen Tasteneinsatz, mit dem die beiden Gitarristen ebenfalls glänzen können.
Sehr stark sind die Orgeleinschübe und das Solo auf dem E-Piano, mit dem sie „In Another Life“ würzen. Hier kommen die Blueswurzeln so richtig zur Geltung, der ruhige und dennoch unaufhaltsame Basslauf gibt den Takt vor. Durch den Überzug des melodischen Hard Rockgewandes der Truppe erinnert das Lied an „Black Velvet“ vom One-Hit-Wonder ALANNAH MYLES.

In „The Chosen One“ fordert das Piano ungemein und lässt im Zusammenspiel mit dem auffälligen Riff an die ROLING STONES denken. Diese an die Frühphase erinnernden prägnanten Riffstrukturen finden sich auch in „The Enemy Inside“, bei dem der verschleppte Shuffle-Groove überrascht. Und wenn der gute Harry schon mal das Shuffle auspackt, dann haut er es bei der abschließenden Pianoballade „There´s Always A Loser“ erneut raus. Wobei „Right From The Start“ die eindeutig bessere ist, herrlich vom Kitsch befreit, sehr gefühlvoll und mit großartigem Solo am Ende.

Nicht nur hier zeigt Luke Morley was er drauf hat, aus seiner Feder stammen fast alle Songs und auch die Produktion hat er wieder übernommen. Man muss allerdings zugeben, dass „Rip It Up“ nicht ganz an den überragenden Vorläufer heran reicht, wobei die Kompositionen immer noch genügend Klasse haben. Den Eindruck kann auch der gewohnt sensationell singende Danny Bowes nicht wegwischen, die Melodien gehen ihm dieses Mal nicht ganz so leicht von der Hand. Doch mit ihrer Routine, dem tighten Spiel und dem Gefühl für den richtigen Ton gelingt THUNDER ein Album, mit dem sie es im Hard Rock Akzente setzen können. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 51:18 min
Label: EAR Music/Edel
Veröffentlichungstermin: 10.02.2017

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