allthemwitches liveinbrusselsMan könnte über ALL THEM WITCHES aus Nashville/Tennessee einiges sagen. Man könnte sagen, dass – auch wenn Fender Rhodes Pianos in Rockbands eher ungewöhnlich sind – Allen Van Cleaves seines nicht nur perfekt in die Band integriert, sondern den gesamten Sound prägt. Man könnte auch sagen, dass Gitarrist Ben McLeod sein Instrument minimalistisch und mit Fingerspitzengefühl bedient und damit eine deutliche Distanz zu herkömmlichen Stoner-Bands schafft oder, dass Schlagzeuger Robby Staepler die Band nicht nur rhythmisch unterstützt, sondern mit großer technischer Finesse auf die Songs eingeht. Man könnte ohne weiteres sagen, dass Sänger und Bassist Michael Parks Jr. mit seiner tiefen, sonoren Stimme und seiner gechillten Attitüde die zurückgelehnte Haltung der Band perfekt unterstreicht und für Unverwechselbarkeit sorgt. Das könnte man alles sagen, und man hätte vermutlich in allen Fällen Recht.

Die Band hatte 2014 mit ihrem zweiten Longplayer “Lightning At The Door” für viel frischen Wind im Heavy Psych Lager gesorgt. Sie haben es sogar geschafft, den Stoner-Rock Muff vom ersten Album abzulegen und auch außerhalb der Szene für Aufsehen zu sorgen. Jedenfalls ist die Band im Moment – zu Recht – sehr gefragt und da ein Trip über den großen Teich ganz schön teuer ist, dauerte es bis Anfang des Jahres, bis sie sich in Europa blicken ließen. Umso besser, dass sie eines der Konzerte aufgezeichnet und als Live-Album veröffentlicht haben. Mitgeschnitten wurde in Belgien, um genauer zu sein in Brüssel, im “Ancienne Belgique” am 03. März 2016.

Was gleich zu Beginn positiv auffällt ist, dass man es bei ALL THEM WITCHES nicht mit den typischen Rockstars zu tun hat. So fallen die Ansagen eher ruhig und besonnen aus und bringen einen durchaus zum schmunzeln. Es wird sich für das zu spät kommen entschuldigt und während dem Stimmen zur angeregten Unterhaltung aufgefordert, während angemerkt wird, dass die Brüsseler Fans doch viel ruhiger seien, als die Briten. Und so wird zu Beginn mit einem lockeren “Let’s play some music” in “Death Of Coyote Woman” gestartet.

Bei der Setlist werden dann auch keine Kompromisse gemacht. Die wichtigsten Meilensteine von “Lightning At The Door” sind mit dabei (“Death/Marriage Of Coyote Woman”, “Charles William”, “Mountain”, “Funeral For A Great Drunken Bird”, “When God Comes Back”). Vom Erstlingswerk “Our Mother Electricity” (das übrigens auf COLOUR HAZE-Mastermind Stefan Kogleks Elektrohasch veröffentlicht wurde) gibts “Elk.Blood.Heart” und “Heavy/Like a Witch”. Die Songs werden in absoluter Perfektion umgesetzt und Sound und Atmosphäre der Veröffentlichungen werden bedingungslos auf die Bühne gebracht. Songs auf denen im Original nichts, oder nur wenig von Allen Van Cleaves Fender Rhodes zu hören ist, werden entsprechend erweitert und gewinnen deutlich an Dichte und Atmosphäre.

Die Teils etwas komplexer arrangierten Stücke vom neuesten Werk “Dying Surfer Meets His Maker” werden, bis auf kleinere Ausschweifungen, wie auf dem Album umgesetzt, klingen an manchen Stellen aber noch etwas hölzern. Ganze 5 Songs gibts von der neuesten Veröffentlichung und zwar “Dirt Preachers”, den Opener “Call Me A Star”, das großartige “Open Passageways”, eine etwas längere Variante von “Talisman” und überraschenderweise auch “Blood And Sand /Milk And Endless Waters”. Am Ende gibt es mit “My Middle Name Is The Blues” noch eine Coverversion von Multiinstrumentalist ABNER JAY. Die EPs “A Sweet Release” und “Effervescent” wurden leider nicht berücksichtigt.

Letztlich bleibt ein Bild von einer Band, wie sie sympathischer nicht sein kann und ein paar technisch und musikalisch makellos aufgenommene Songs. Man kann sich jetzt die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, sich ein Live-Album zu kaufen, welches nahezu perfekt eingespielt ist und bei dem der Unterschied zum Studioalbum an vielen Stellen kaum auszumachen ist. Man könnte es aber auch einfach lassen, sich einen Kopfhörer aufsetzen und diese etwas mehr als 90 Minuten einzigartiger Musik genießen. (Uwe)


Bewertung:

9,0 9 / 10

Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 96:38 min
Label: New West Records
Veröffentlichungstermin: 16.09.2016

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