freedomcall masteroflightTrotz oder gerade wegen des vielen Gegenwindes in der Szene geht es für die Franken immer weiter nach oben. Das letzte Output knackte die Top 40 in Deutschland und auch die anschließenden Touren waren gut besucht. Mittlerweile hat das Quartett auch wieder ein stabiles Line-Up, so dass man ohne große Planung an die nächsten Aufgaben gehen kann. Die „happieste“ Metalband der Welt hat aber auch mit „Beyond“ eines ihrer stärksten Werke vorgelegt, da müssen sie erst mal Schritt halten. Wie haben FREEDOM CALL die letzten Jahre und die Feierlichkeiten zum 666wöchigen Jubiläum ihres erfolgreichsten Albums „Eternity“ überstanden.

Zumindest soweit gut, als das sie sich von den vielen Chören auf dem Vorgänger haben inspirieren lassen, denn nun hauen sie in der Beziehung noch mehr drauf. Schon vor dem ersten gespielten Ton im Opener kommt der erste zum Einsatz, wenn der Refrain a capella als Intro fungiert. Nach einem kurzen Galopp folgt verhältnismäßig modernes Riffing, was „Metal Is For Everyone“ eigentlich ganz gut zu Gesicht steht, sich leider nicht mit den einsetzenden Keyboards vertragen will. Dieses Gitarrenthema wird nach dem Solo noch zu einem Breakdown ausgebaut, was nun wirklich zu plakativ wirkt. Ob die Jungs um Chris Bay das ernst meinen oder mit einem Augenzwinkern sehen, offenbart sich mir nicht, zuzutrauen wäre ihnen der Spaß.

Zum Glück ist das neben „Ghost Ballet“ der einzige allzu zeitgemäße Ausreiser, schon das folgende „Hammer Of Gods“ legt die angestammten Referenzen offen. Die rockige Attitüde und die Leads haben etwas von „ I Want out“ aus dem Katalog einer norddeutschen Band. Doch auch hier sind mir die Gesangsarrangements im Chorus etwas zu prominent und stören ein wenig den Fluss. Das gilt auch für die Bridge in „Emerald Skies“, die die eigentlich tolle stampfende Strophe und den Fanfarenrefrain verbindet. In „Hail The Legend“ kommen sie zwar größer und weiter daher, doch damit machen sie den schweren Biker Rockansatz zunichte. Ein klein wenig Zurückhaltung wäre in der Hinsicht angebracht gewesen, doch einen gewissen Experimentierspielraum muss man der Band zugestehen.

Das Problem liegt darin, dass die Dramatik, die vielen Songs innewohnt gänzlich in Fröhlichkeit untergeht. Natürlich erwartet man von FREEDOM CALL Nummern wie die Mitsinghymne „Rock The Nation“ oder den Schlusspunkt „High Up“, doch eine Prise Ernsthaftigkeit hat vor allem „Legend Of The Shadowking“ gut getan. Hier findet man sie im epischen und wuchtig fordernden „A World Beyond“ oder dem Titelsong wieder. In dem haben sich die Vier auch wieder einen Gag erlaubt, wie am Ende des Refrain das Wort „Master“ intoniert wird, sollte jedem Metalfan bekannt vorkommen. Ebenfalls hervor stechen die beiden schnellen Brocken auf „Master Of Light“, wobei „Kings Rise And Fall“ melodischer ausfällt, während „Riders In The Sky“ eine echte Speedgranate darstellt.

Viel Handlungsspielraum haben sich die Erlanger bisher nicht gelassen, und auch auf dem nunmehr neunten Longplayer bleiben sie zumeist innerhalb ihrer Koordinaten. Die Versuche da auszuscheren sind nicht ganz so von Erfolg gekrönt wie beim Vorgänger, der epischer und erhabener klang. Mit „Cradle Of Angels“ wagen sie sich wieder an eine Ballade und können durchaus eine Stimmung ähnlich wie BLIND GUARDIAN entfachen. Was sie zum Glück beibehalten haben ist die erneut sehr gute Produktion, die wieder richtig Dampf in den Kesseln hat und damit tierisch Spaß macht. Davon kann sich die Konkurrenz ein Scheibchen abschneiden, zum Glück hat man ja aktuell viele Vergleichsmöglichkeiten auf dem Markt. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 50:29 min
Label: Steamhammer/SPV
Veröffentlichungstermin: 11.11.2016

 

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