bethhart fireonthefloorWenn es eine Sängerin gibt, die mich in den letzten vier, fünf Jahren ganz besonders geprägt hat, dann ist es BETH HART und das hängt nicht nur mit ihren Kollaborationen mit JOE BONAMASSA zusammen („Don’t Explain 2011 und „SeeSaw“ 2013), die wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Mitvierzigerin inzwischen öffentlich die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient und nicht mehr nur die ganz kleinen Clubs in Europa bespielen muss.

Die Ironie der Geschichte ist nun, dass BETH HART ihre besten Zeiten eigentlich bereits hinter sich hat, denn die Klasse von Alben wie „Leave The Light On“ (2003), „37 Days“ (2007) und „My California“ (2010) wird die amerikanische Sängerin höchstwahrscheinlich nie mehr erreichen, ganz einfach weil sie die dunkle Seite ihres Lebens weit hinter sich gelassen hat und Musiker für gewöhnlich dann ihre besten Werke abliefern, wenn die Dämonen zum Greifen nahe sind.

Diese positive Lebensveränderung hört man den Alben von BETH HART spätestens seit dem 2012 veröffentlichten „Bang Bang Boom Boom“ deutlich an, aus der extrovertierten Bluesrock Sängerin, deren frühere Bühnenshow zurecht einen „Parental Advisory“ Sticker verdiente (siehe „Live At Paradiso“), ist eine Dame geworden, die in den vergangenen Jahren zunehmend auch andere Stile als Blues in ihre Musik integriert.

Und genau hier knüpft „Fire On The Floor“ an, welches BETH HART so vielseitig präsentiert wie niemals zuvor. Gleich zu Beginn des zwölf Songs umfassenden Werkes trägt „Jazz Man“ nicht umsonst den Jazz im Titel, wenig später folgt ein weiteres Stückchen, das BETH HART so entspannt vorträgt als gäbe es in ihrem Leben 365 Tage lang eitel Sonnenschein. Konträr gegenüber stehen dann im weiteren Verlauf zwei rockige Stücke wie „Fat Man“ (heftig!) und „Baby Shot Me Down“ (wegen seiner Latinoeinflüsse durchaus tanzbar), die an „Trouble“ vom Albumvorgänger „Better Than Home“ oder an „Waterfalls“ vom „37 Days“ Album erinnern.

Natürlich findet man auf „Fire In The Floor“ auch noch die dritte Kategorie, quasi die Paradedisziplin von BETH HART, die wunderhübsche Pianoballade, von diesen finden sich mit „Woman You’ve Been Dreaming Of“, „Picture In A Frame“ und „No Place Like Home“ mindestens drei auf dieser Platte, eine schöner wie die andere und alle drei können unterschiedliche Emotionen beim Hörer wecken.

Das klingt alles bis jetzt gar nicht so spektakulär, das Bewundernswerte an vorliegendem Album ist, dass alle aufgezeigten Gesichter und Facetten prima zur Protagonistin passen, die alle Songs selber komponiert hat und einfach das macht, worauf sie Lust hat. Da kann man sich dann auch damit arrangieren, dass die Titelreihenfolge bei "Fire On The Floor" nicht ganz das Gelbe vom Ei ist, da fünf der letzten sechs Stücke als Balladen eingeordnet werden können, das Album in seiner Gesamtheit aber trotzdem lebhafter und kräftiger klingt als "Better Than Home" aus dem letzten Jahr.

Habe ich eingangs gesagt, dass BETH HART ihre musikalisch besten Zeiten bereits hinter sich hat, dann stehe ich auch am Ende dieser Albumpräsentation hinter diesen Worten, nichtdestotrotz kann ich guten Gewissens auch die Meinung vertreten, dass „Fire On The Floor“ das Beste ist, was eine von allen Fesseln befreite BETH HART dieser Tage zu leisten im Stande ist und das ist wie nachzuhören eine ganze Menge. Und wem das noch nicht reicht, der findet mit dem Titelstück dann doch noch eine reinrassige, intensive Bluesnummer. (Maik)


Bewertung: 

Maik 20168,5 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 48:30 min
Label: Mascot
Veröffentlichungstermin: 14.10.2016

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