tygersofpantang tygersofpantangDa war mal der Neustart schwieriger als der ursprüngliche Anfang der Band. Im Zuge der NWOBHM haben die TYGERS OF PAN TANG schon schnell große Erfolge feiern können, ihre ersten beiden Alben sind zurecht Klassiker aus der Zeit. Doch wie viele Andere scheiterten sie am Versuch kommerzieller zu klingen und lösten 1987 das Rumpf-Line-Up auf. Nach einem Reunionsgig (wo wohl?) 1999 dauerte es erneut zwei Jahre bis es mit einem Studiowerk weiterging. "Mystical" fiel aber derart schwach aus, dass man kaum noch einen Cent auf die Truppe gab, der Nachfolger war zwar stärker, aber vielen alten Fans zu modern. 2008 tauchte völlig aus dem Nichts "Animal Instinct" auf, welches endlich wieder den traditionellen Mix aus Hardrock und Metal brachte und vom Songwriting her überzeugen konnte. Damals wurde das Ganze von Ben Matthews sehr rockig umgesetzt, das ebenso starke "Ambush" vier Jahre später von Chris Tsangarides etwas metallischer. Nun gingen wieder vier Jahre ins Land, in denen es auch ein paar Besetzungswechsel gab, mit der Selbstbetitelung des Longplayers hat man schon mal ein starkes Statement voraus gegeben.

Ein weiteres Statement schießt einem direkt mit dem vorab veröffentlichten „Only The Brave“ um die Ohren. Wie auch beim Doublebass-Knaller „The Reason Why“ geht es ohne Kompromisse nach vorne, getrieben von besten NWOBHM-Riffs aus dem selben Arsenal, aus welchem auch SAXON oder JUDAS PRIEST ihre Waffen beziehen. Schon der Refrain des Openers lässt ob seiner Eingängigkeit aufhorchen, der folgende Stampfer „Dust“ bietet noch mehr Hitfaktor. Nachdem die Nummer stoisch und ebenso unaufhaltsam nach vorne groovt, drängt sich die Melodie förmlich in die Gehörgänge.
In den Achtzigern war es oft gang und gäbe, dass eine Band zugleich härter und dennoch eingängiger wurde, vor allem wenn sie so hymnisch zu Werke geht wie die TYGERS OF PAN TANG hier. Zum starken Songwriting zuletzt setzen sie unter der Ägide des im Melodic Rock bekannten Soren Andersen noch auf die richtige Portion Melodie. Fans müssen aber kein zweites „The Cage“ fürchten, denn wie gesagt, es geht hauptsächlich zur Sache. Lediglich die teilweise a capella vorgetragenen Partyshouts von „Glad Rags“ fallen etwas aus dem Rahmen, die Riffrockattitüde des Songs macht das aber wieder wett.

Der Albumtitel bekommt hier seine Gültigkeit, denn die Scheibe vereint die bisherigen Stärken der Band auf einmal. Rein auf melodische Rockhymnen zu setzten hat ohnehin nur bei drei Liedern in ihrer Bandgeschichte funktioniert, das machen DEF LEPPARD einfach besser. Deswegen versucht man es gar nicht mehr, zumal viele Versuche fehlschlugen, wozu man auch das Comebackwerk zählen muss. Die stärkere Ausprägung der Pole Härte und Melodie schlägt den Bogen zu den Achtzigern, nur das lässige „I Got The Music In Me“ mit seiner Voicebox erinnert etwas an das Siebziger-geprägte Debüt.
Ansonsten duftet alles auf „Tygers Of Pan Tang“ so herrlich nach der Dekade, welchen den Metal geprägt hat, dass es eine wahre Freude ist. Im Rausschmeißer „The Devil You Know“ pumpt der Bass kraftvoll, nur von ein paar Akkorden gefüttert, um im Refrain Richtung DOKKEN abzuheben. Und die verschleppten Staccatos von „Blood Red Sky“ erzeugen mit den knalligen Arrangements eine tolle Atmosphäre. Neben den feinen Riffmonstern beherrscht man auch die Disziplin der Powerballade, damals Pflichtprogramm. Speziell „Praying For A Miracle“ kann mit seiner Dynamik, schönen Leadfills und einer mächtigen Coda überzeugen.

Das macht alles unglaublich viel Spaß und lässt an die Zeiten denken, als ich so richtig in die harten Klänge eintauchte. Solcher Stoff lief damals in Dauerschleife, da ist es zu verschmerzen, dass „Do It Again“ zu sehr nach „Do You Like It“ von KINGDOM COME klingt. Um die Achtzigerehrerbietung perfekt zu machen, erinnerte man sich einer damals groß angesagten, heute eher vernachlässigten Tugend, die des Gitarrenhelden. Nachdem Dean Robertson, immerhin Robb Weirs Partner an den sechs Saiten seit der Reunion, ausgestiegen ist, nahm man sich dem jungen Talent Micky Crystal an.
Als Wunderkind gehandelt hat er es tatsächlich drauf, er bringt viel frischen Wind und Energie in die Formation. Gerade in den Soli brilliert er wie die Heroes von einst, unglaublich was er da abzieht. Da wird das Hauptthema aufgenommen und unter akzentuierenden Drums immer weiter gesteigert, bis es in superschnellen Skalen explodiert, um danach wieder ins Ausgangsriff überzuleiten. Jedes Solo ein kleines Kunstwerk für sich, nicht nur technisch, sondern auch vom Feeling her. Das setzt dem Werk die Krone auf, welches direkt nach „Crazy Nights“ hätte erscheinen müssen. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 45:17 min
Label: Mighty Music
Veröffentlichungstermin: 21.10.2016

 

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