crystalbal dejavoodooNachdem sich die Hardrocker ein paar Jahre eine Auszeit genommen hatte, ticken die Schweizer wieder wie ein Uhrwerk. Nur eineinhalb Jahre nach „Dawnbreaker“ erschien mit „Liferider“ der Nachfolger, solang brauchte man dieses Mal gar nicht, um die nächste Scheibe einzuzocken. Begünstigt wurde das Ganze natürlich dadurch, dass es keinerlei Besetzungswechsel gab und sich CRYSTAL BALL voll auf ihre Musik konzentrieren konnten. Nun steht mit „Déjà Voodoo“ der neunte Longplayer in den Läden, wobei man bei so einem hohen Output immer vorsichtig sein muss, damit es keine Abnutzungserscheinungen gibt.

Zumindest stilistisch ist man sich absolut treu geblieben, wobei es sich immer noch die Frage aufdrängt, ob man die Truppe nun im Melodic Metal oder im Hardrock verortet. Eine gewisse Nähe zu PRETTY MAIDS ist nicht von der Hand zu weisen, die ja ähnliche Grenzgänger sind. Wobei hier, wie es sich für Eidgenossen gehört, der Pendel allerdings traditionell eher in Richtung Riffrock ausschlägt. Da sich die Zielgruppen ja aber zum großen Teil überschneiden, gibt es da weniger Problem und die Band hat sich ihre eigene Identität heraus gearbeitet.

Legte man auf dem Vorgänger eher Wert auf Dynamik, so geht man auf dem aktuellen Werk etwas kerniger zur Sache. Das auf „Liferider „ noch vielfach exerzierte herunterschrauben der Härteschraube in den Strophen findet hier nur noch selten, wie etwa in „Time And Tide“ statt. Dennoch kann der titelgebende Opener nicht so richtig zünden, der stampfende Rhythmus kommt nicht so gut aus der Hüfte. Hier könnte es ein wenige catchier zugehen, wie es zuletzt der Fall war, das folgende „Director´s Cut“ würde sich hier besser anbieten, hier geht es deutlich mehr zur Sache.

Doch auch wenn die Strophen mehr Druck aufbauen, passiert in ihnen auch nicht wirklich so viel in Sachen Gitarrenarbeit, das Hauptthema steht meist immer noch im Vordergrund. Dafür gibt es viele überzeugende Soli und ein paar feine Leadfills wie in „Full Disclosure“. Erstaunlich hoch ist auch der Anteil an Keyboards, weil im Line-Up kein Tastenmann gelistet ist. Was bei der Fanfare „Suspended“ noch funktioniert, kommt in „Never A Guarantee“ ziemlich verwässert rüber.
Es bedarf dem orientalischen Hauch von „To Freedom And Progress“ um aus den sich nur marginal unterscheidenden Songs etwas besonders heraus zu hören. Die mitunter progressivste Nummer in der Geschichte von CRYSTAL BALL fällt, ebenso wie „Fool´s Parade“, mit einer schwerfälligen Gangart aus dem Rahmen. Was ich vermisse, sind Melodien, die wirklich im Ohr kleben bleiben, die bieten nur die Stadionhymnen „Reaching Out“ und „Without A Net“.

Interessant sind auch die ruhigen Töne, wobei das abschließende „To Be With You Once More“ die klar bessere Ballade abgibt als das belanglose „Home Again“. In den Momenten klingt der mittlerweile etablierte Steve Mageney ein bisschen wie die Klarstimme von Udo Dirkschneider. Ob es an der Nähe von Wuppertal zu Solingen liegt oder daran, dass Produzent Stefan Kaufmann auf dieses Timbre schört, lässt sich nur erraten. Hatte ich dessen Produktion bei den letzten beiden Scheiben noch gelobt, fängt er auch hier wieder an, alles allzu sehr komprimieren.

Der Schlagzeugsound ist sehr steril und auch den Gitarren fehlt der authentische Touch. Man muss ja nicht so roh klingen wie BLACKFOOT auf ihrem Comebackwerk, doch das hier ist zu verfremdet. Vielleicht ist es auch in der Schweiz in Mode gekommen die Harmonien aus Keyboard und Sechssaitern völlig verschwimmen zu lassen. Auch bei GOTTHARD und SHAKRA beobachte ich das in letzter Zeit, und es klingt einfach nicht gut. So ist „Déjà Voodoo“ leider ein Rückschritt und sicher das schwächste Album seit dem Neustart, so müssen sie live auf Tour mit SHAKRA beweisen, was die Kompositionen wirklich wert sind. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer6,0 6 / 10


Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 54:23 min
Label: Massacre Records
Veröffentlichungstermin: 02.09.2016

 

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