benjamin aveBENJAMIN ist auf den Färöern schon längst kein Unbekannter mehr und „Ave“ ist sein mittlerweile drittes Studioalbum. Dieses Mal allerdings in Zusammenarbeit mit Petur Pólson. „Ave“ wurde Ende 2015 vom deutschen Label Cargo Records veröffentlicht, erschien auf den Färöern jedoch schon 2014, hat mittlerweile also schon fast 2 Jahre auf dem Buckel. Aber für gute Musik ist es ja nie zu spät, oder?

„Ave“ wurde innerhalb von 6 Tagen live im Studio eingespielt und das hört man den Songs auch an. Sie wirken viel wärmer, lebendiger und spontaner als der Großteil der derzeit erscheinenden Musik. Die Liste der Musiker, die BENJAMIN dabei unterstützt haben, kann sich durchaus sehen lassen, da finden sich doch so einige bekannte Gesichter der färöischen Musikszene, allen voran natürlich Teitur Lassen, aber auch Namen wie Mikael Blak, Sohn von Kristian Blak, Jan Lamhauge und natürlich den schon genannten Petur Pólson kann man im Booklet lesen.

Aprospos Booklet. Da hat man sich zwar sehr viel Mühe gegeben und die Texte der einzelnen Songs übersetzt beziehungsweise sinngemäß ins Englische übertragen, leider fehlen aber die färöischen Texte. Das ist zwar einerseits toll, andererseits tritt da mal wieder die falsche färöische Bescheidenheit zutage, die übersieht, dass es doch den ein oder anderen gibt, der die Texte gerne auch im färöischen Original lesen würde.

Auf „Ave“ zeigt BENJAMIN die ganze Bandbreite seines Könnens. Sei es das ruhige akustische „Tíðum“ oder das atmosphärische und stimmungsvolle „Oyðin“, das man schon vom zweiten Sampler der „Music From The Faroe Islands“-Reihe kennt und das mein persönlicher Favorit auf dem Album ist. Häufig basieren die Songs nur auf Akustikgitarre und Gesang, wie z.B. bei „Títt Sanna Andlit“, oft wird aber auch dezent das Schlagzeug eingesetzt oder diverse Streichinstrumente, gerne helfen auch mal Blechbläser und Keyboard beim Stimmungsaufbau.

Auffallend ist, wie kurz die meisten Stücke sind. Keines kommt auf vier Minuten Spielzeit, insgesamt 3 kommen noch nicht einmal auf zwei Minuten. Dabei wird eines dieser Stücke auf der Rückseite der CD gar nicht betiteltet, auf der CD selber heißt es schlicht „30 Seconds Of Silence“ und der Name ist hier Programm, bevor das abschließende „Arr“, das ebenfalls auf der CD nicht aufgeführt ist, fröhlich, folkig und unbeschwert das Album ausklingen lässt. Damit passt es nicht so zum Rest und ist wahrscheinlich deshalb so eine Art Hidden Track.

Bei „Øskuhav“ wird BENJAMIN am Gesang von einer weiblichen Stimme, vermutlich Sunneva H. Eysturstein unterstützt und ihre sanfte Stimme gibt dem Song das gewisse Etwas. Die fröhliche Melodie von „Lík Líkum“ steht im krassen Gegensatz zum Text, so dass dieser Song doch etwas verwirrt. Herausragend ist auch „Úr Vøggu Í Grøv“, bei dem mit tiefem Gesang und Pauken eine düstere Stimmung erzeugt wird. Hier darf endlich auch einmal eine E-Gitarre ran, die diese Düsternis perfekt unterstützt. Dafür hat das ruhige, von einer Orgel begleitete „Legg Allar Byrðar“ einen Hauch von Schlaflied.

Am beeindruckendsten ist auf diesem Album aber der angenehm warme, organische und harmonische Klang, bei dem man sich sofort zu einem Wohnzimmerkonzert versetzt fühlt. Durch die Liveeinspielung konnte man eine ganz besondere Stimmung festhalten, die „Ave“ seinen Zauber verleiht. Ein wirklich schönes Album, das man am besten zuhause warm eingekuschelt anhört. Es könnte nur auch etwas länger sein. Eine knappe halbe Stunde ist nun wirklich nicht viel. (Anne)


Bewertung:

Anne8,0 8 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 32:40 min
Label: Tutl/Cargo Records
Veröffentlichungstermin: 27.11.2015

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