anapopovic trilogyIm boomenden Bluessektor hat sich unter vielen talentierten Frauen vor allem die gebürtige Serbin einen Namen gemacht. Lange in den Niederlanden lebend, von wo auch ihr Ehemann stammt, ist sie seit ein paar Jahren in Nashville beheimatet. Im Mekka der US-amerikanischen Musikindustrie findet sie ideale Bedingungen vor, so wurde ihr letzter regulärer Longplayer „Can You Stand The Heat“ vom Grammy-dekorierten Tony Coleman aufgenommen. Im letzten Jahr überraschte ANA POPOVIC mit „Blue Room“, einem sehr persönlichen Coveralbum, welches sie zusammen mit ihrem Vater aufnahm. Dieses war wieder deutlich reduzierter als ihre immer größer werdenden Produktionen, ging zu den Wurzeln zurück. Nun setzte die Dame alles auf eine Karte und veröffentlichte ein Dreifachalbum, auf dem alle Facetten ihres Schaffens zur Geltung kommen. Kann sie die Spannung über die gesamte Strecke des passenderweise „Trilogy“ betitelten Werkes hochhalten?

Da der zweite und dritte Silberling von der Spielzeit her nicht über eine halbe Stunde hinaus kommen, ist diese Hürde nicht allzu hoch. Doch auch sonst tut die Dame alles, was nötig ist, um dieses Mammutprojekt gelingen zu lassen. Alle drei Teile könnten als eigenständige Releases bestehen, sind sie doch musikalisch sehr geschlossen und unterscheiden sich jeweils stark voneinander. Nicht nur kompositorisch werden bei den, nach den Tageszeiten „Morning“, „Mid-Day“ und „Midnight“ benannten, Scheiben die abgrenzenden Merkmale heraus gearbeitet.
So wird nicht nur die Instrumentierung angepasst, sondern jeder Part wurde von einem anderen Personalstamm eingespielt, um den unterschiedlichen Ausfärbungen des Genres auch vom Spiel her die individuelle Note zu geben. Dazu nahm ANA POPOVIC jeweils in anderen Studios und mit anderen Produzenten auf, um auch klanglich alles noch mehr hervorzuheben. Was die drei Teile eint, ist die druckvolle und zeitgemäße Produktion, die aber dennoch warm und differenziert ausfällt. So bekommen die Songs die nötige Tiefe und selbst in den opulenteren Arrangements kommen alle Details zur Geltung.

Die Musiker bringen jeden Ton sehr exakt auf den Punkt, auch in Sachen Dynamik wissen alle Beteiligten ihre Parts genau einzusetzen. Die Dame mit der blonden Wuschelmähne weiß sich ebenfalls noch ein bisschen zu steigern. Bei ihrem Spiel brilliert sie immer wieder mit fein eingeschobenen Leads, bearbeitet dabei gerne das WahWah-Pedal, und beweist mit härterem Anschlag oder clean gepickten Soli Mut. Den größten Fortschritt hat sie allerdings gesanglich gemacht, anscheinend konnten die guten Sessions noch mehr aus ihr heraus locken. Ihren rauen Charme hat ihre Stimme behalten, aber sie lässt sie noch lasziver klingen, pendelt zwischen Souldiva und verruchter Femme Fatale.

Auf der ersten Scheibe frönt sie dem Funk und Soul mit dicken Bassläufen, feurigen Grooves, Chorarrangements und vielen Bläsersätzen. Mit der Melange kommt sie der Richtung, welche sie zuletzt eingeschlagen hat am nächsten, womit allerdings auch die Gefahr einher geht, zu sehr in zeitgenössische R´n´B-Gefilde abzudriften. Doch wie schon auf Scheiben wie "Unconditional" ist es vor allem die erdverbundene Produktion, welche ihre Musik den Tiefgang verleiht, um sie nicht zu einem Produkt für die Popbranche verkommen zu lassen. Es sind vor allem die Titel mit knalligen Arrangements wie "Show You How Strong You Are" oder "If Tomorrow Was Today", die dem verdächtig nahe kommen. Letzteres könnte mit seiner rockigen Steigerung auch von ANASTACIA stammen, eine der besseren Vertreterinnen jenes Genres.

Der flotte Einstieg mit den dominanten Bläsern von "Love You Tonight"  sorgt erst einmal für viel Lebensfreude. Diese wird trotz der schwermütigeren Herangehensweise von "She Was The Doorman" im Anschluss kaum gebremst, von der bluestypischen Melancholie ist wenig zu spüren. Höchstens bei der Soulballade "Train" blitzt sie etwas durch, hier hat kein Geringerer als JOE BONAMASSA, ein Fachmann für Züge, ein Solo beigesteuert. Sind diese Gastbeiträge oft nicht nennenswert, so zeigt der Szeneführer auch hier sein tolles, melodieseliges Spiel. Alles garniert von feinen Orgelflächen, die sich in "Long Road Down" schön mit den angefunkten Gitarren duellieren. Gesanglich weiß ANA POPVIC auf "Morning" im abschließenden "Too Late" am besten zu gefallen, dessen Dynamik nach akustischem Beginn anzieht.

Gänzlich anders startet der zweite Rundling, die funkigen Riffs drücken direkt nach vorne, die CHAKA KHAN-Vorlage "You Got The Love" wird im Stile von MOTHER´S FINEST rockig verarbeitet. Hier wird der Sound gepflegt, welcher dem Bühnenstil am nächsten kommt, nicht umsonst waren auch Mitglieder ihrer Liveband an den Aufnahmen beteiligt. Der reduzierte Slow Blues "Johnnie Ray" hätte so auch auf ihrem letzten Output "Blue Room" Platz finden können, wären da nicht ausnahmslos Covers verwendet worden. Mittlerweile können sich die eigenen Kompositionen durchaus mit der Qualität von den Adaptionen bekannter Künstler messen, lediglich Nummern absoluter Könner wie TOM WAITS bleiben unerreicht.

So rockig wie zum Auftakt geht es hier nur noch beim Rockabillyinstrumental "Who´s Yo´Mama?" zu, bei der ANA POPVIC nur so vor Spielfreude sprüht. Hier packt die Dame die Slidegitarre aus wie auch im Schlussakkord "Crying For Me". Der beginnt ebenfalls ruhig, steigert sich mit viel Tiefe in einen außergewöhnlich maskulinen Gospelchorus. Allerdings haben sich auf "Mid-Day" auch ein paar gewöhnungsbedürftige Stücke eingeschlichen, den "Woman To Love" klingt im Refrain zu sehr nach "Mo´Better Love" vom Vorgänger. Und das von CURTIS MAYFIELD geschriebene "Let´s Do It Again" wildert mit dem Gesang von Al Kapone zu sehr in Hip Hop-Gebieten.

Der Clou wartet allerdings auf der dritten Disk, auf der sie sich ganz tief in die rauchigen Kellerbars zurück zieht und unverhohlen dem Jazz frönt. "New Coat Of Paint" kommt ohne die Leadfills daher, welche ihm JOE BONAMASSA verpasste, stattdessen regieren lässige Bläser und klimperndes Piano. Hier macht sich der sehr klare, echte Klang am stärksten bemerkbar, man spürt jede Schwingung und wird in den Sog einer schwülen Nacht hinein gezogen. Und was ANA POPOVIC aus DUKE ELLINGTONs "In A Sentimental Mood" macht ist schlicht meisterhaft, hier stimmt jedes Timing. Der ohnehin auf "Trilogy" sehr präsente Bass wird hier akustisch gespielt, was die phantastische Dynamik noch verstärkt, besonders in dem supercoolen "Heaven´s Crying".

Ganz groß spielt sie auch auf ihrem "Waiting On You" auf, welches in zwei Versionen mit unterschiedlichen Tempi gibt. Geniale Shuffledrums von ausgewählten Könnern scheiben vor allem den "Double Time Swing" nach vorne, dazu geben sich Piano, Gitarre und Altsaxophon bei den Soli die Klinke in die Hand. Soviel Tiefe und Wärme sind unfassbar, das hat ungemein Seele, jeder Ton hat den Raum, den er benötigt. Wenn dann immer wieder die verlorenen Pianotupfen in Lieder wie "Old Country" auftauchen, dann ist Gänsehaut garantiert. Und als Krönung die gesanglich nun zu Hochform auflaufende Serbin, deren Stimme auch hier genau das richtige Timbre findet. So sexy wie auf "Midnight" war Jazz nicht mehr, seit Michelle Pfeifer bei den Baker Boys ausgestiegen ist. (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer8,5 8,5 / 10


Anzahl der Songs: 23
Spielzeit: 94:17 min
Label: Artist Xclusive/In-Akustik
Veröffentlichungstermin: 16.05.2016

 

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