electric citizen200pxIm Dezember 2014 machte ich endlich Nägel mit Köpfen und legte mir eine Download-Version von ELECTRIC CITIZENs erstem Album „Sateen“ zu, welches ich zuvor bei Bandcamp rauf und runter gehört hatte, bis mich Bandcamp freundlich drauf hinwies, es wäre nun an der Zeit das Album zu kaufen, wenn ich es weiter hören möchte. Was war passiert? Wieso hatte ich mich so in die Musik von ELECTRIC CITIZEN verliebt, dass ich sogar Zeit und Raum vergessen hatte?

Da es damals für ein Review von „Sateen“ schon viel zu spät war, möchte ich nur ganz kurz beschreiben, was mich an dem Album so fesselte. Der flotte und schmissige Stil, mit dem ELECTRIC CITIZEN ihre an frühe BLACK SABBATH-Alben angelegte Musik zelebrieren, garniert mit Laura Dolans unverwechselbarer Stimme und ihrem verschliffenen Gesang, mit dem sie die Texte in wunderbarem Cincinnati-Slang vorträgt, sucht meiner Meinung nach seinesgleichen! Die Musik swingt, ist düster und geheimnisvoll und reisst dennoch den Zuhörer auch bei miesem Wetter aus seinem Dämmerzustand.
Die ersten Livetermine in Europa wurden 2015 angekündigt, jedoch leider wieder verworfen. Ich vermute, es war zum damaligen Zeitpunkt ein zu großes finanzielles Wagnis, über den großen Teich zu hüpfen. Mit RIDING EASY RECORDS wurde glücklicherweise ein erfahrener Partner für die Eroberung Europas gefunden.
Mein erster Kontakt zur Band fand über Laura Dolan statt, welche sich um den Vertrieb von Merch kümmerte. So flogen nach ein wenig Hin und Her ein paar Shirts über den Atlantik, um dann im deutschen Zoll hängenzubleiben. Was Fans nicht alles auf sich nehmen, um Musiker zu unterstützen!
ELECTRIC CITIZEN bestritten derweil erfolgreich eine US-Tour.

Im Herbst 2015 suchte man auf der fleißig gepflegten Facebook-Seite der Band nach einem festen Keyboarder und die Aufnahmen zum zweiten Album wurden angekündigt. Dann ging es Schlag auf Schlag: neues Album und große Europatournee als Support für niemand geringeren als WOLFMOTHER. Besser kann es eine noch relativ junge und weitgehend unbekannte Band kaum treffen. Auch das neue Album „Higher Time“ hatte ich recht schnell zum Besprechen erhalten.
Auch wenn die mp3-Dateien den Sound der Band nur ansatzweise wiedergeben können, lässt sich doch einigermaßen gut erahnen, was ELECTRIC CITIZEN sich bei „Higher Time“ gedacht haben.
Der Sound ist von Anfang an düsterer und weniger spritzig. Die Lieder sind insgesamt nicht so flockig. Tatsächlich sind sie stimmungsmäßig näher an BLACK SABBATH als noch beim Vorgängeralbum „Sateen“.
Die mächtigen Riffs, die sich Ross Dolan, Lauras Ehemann, aus dem Handgelenk zu schütteln scheint, harmonieren sehr gut mit Lauras Timbre. Auf Ozzys im Vergleich dazu eher quäkende Stimme kann ich hier gut verzichten. Nach einem kurzen, aber für volle Aufmerksamkeit sorgenden Intro startet das Album mit „Evil“. Auch die nachfolgenden Stücke sind recht interessant, jedoch bleiben diese nicht so im Ohr hängen wie die Lieder auf „Sateen“. Leider wirken sie auf mich etwas müde und traurig, was aber auch Absicht sein kann. BLACK SABBATH wollten ja auch düstere Stimmung, wie in einem Horrorfilm erzeugen.
Erst beim Titelsong „Higher Time“ wendet man sich mehr dem psychedelischen Heavy-Rock zu, was ELECTRIC CITIZEN ebenfalls aus dem ff beherrschen.
Bis zum Ende des Albums kann man die Mischung aus Traurigkeit und Psychedelik erleben. Jedoch ist der letzte Song „Two Hearted Woman“ wieder ein Titel mit einer eher trockenen, vielleicht auch spröden Gangart.
Zu meiner Überraschung gibt es eine Neuauflage von „Ghost Of Me“ vom vorherigen Album „Sateen“, welches man ein wenig an das Soundkorsett von „Higher Time“ angepasst hat, so dass nun noch Hammond-Orgel-Klang zu hören ist.
Mein Eindruck von Müdigkeit und Traurigkeit hält sich leider bis zum Schluss. Aus einem Guss wirkt „Higher Time“ leider nicht und auch das Cover wirkt weniger spirituell und recht einfallslos. Eventuell hat sich die Band im letzten Jahr ein wenig verausgabt. Bleibt abzuwarten, wie sich die Lieder bei der Liveshow integrieren.
Die aktuell laufende Tour mit WOLFMOTHER ist überwiegend schon ausverkauft. Für den Herbst hat man vereinzelt schon neue Termine angekündigt.
Nun bin ich ein wenig ratlos und nur ein ausführliches Gespräch mit den Musikern könnte meine Eindrücke in den richtigen Kontext rücken. So lange lege ich lieber „Sateen“ im Ganzen auf, denn das zieht mich nicht so runter. Wer BLACK SABBATH-artige Riffs mit wunderbarem und in dieser Qualität ziemlich einzigartigem weiblichem Gesang sucht, ist hier goldrichtig! Alle anderen Fans düsterer 70er-Jahre Heavy-Riffs sollten trotzdem mal reinhören, denn der ein oder andere Titel regt schon zum Mitwippen an. (Andreas)


Bewertung:

Andreas7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 39:36
Label: Riding Easy Records
Veröffentlichungstermin: 06.05.2016

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