scarletanger freakshow200pxDer erste Gedanke, der einem einfällt, wenn man an Luxemburg denkt, ist bei den meisten sicher: Steuerparadies und Banken! Anschließend fallen einem noch die günstigen Genussmittelpreise ein und vom Saarland aus gesehen, die günstigen Benzinpreise! Das jedoch ist etwas zu kurz gedacht, denn es gibt in Luxemburg nicht umsonst drei großartige Orte um Konzerte zu erleben.
Wenn man, so wie ich, mal die Gelegenheit hatte, die Metalszene dort kennen zu lernen, wird man schnell feststellen, welche Perlen sich dort tummeln. Sei es INFACT oder MILES TO PERDITION. Von SCARLET ANGER hatte mir jedoch noch niemand erzählt, bis zu dem Tag, als Tobi, Drummer von JOHNBOY, mir die Band empfahl.

Nachdem ich mir im Netz ein Bild über die Band verschafft hatte, konnte ich es kaum erwarten, das Album zum Besprechen zu erhalten. Joe Block, Sänger von SCARLET ANGER, tütete höchstpersönlich die Promo ein, die ich ein paar Tage später erhielt.
Unglücklicherweise konnte ich mich „Freak Show“ nicht gleich ausführlich widmen, aber nach dem ersten Durchlauf kam ich aus dem Staunen schon nicht mehr heraus. Wenn ich schon so ein Gefühl habe, dann versuche ich meist, mir das Album an allen möglichen Orten reinzuziehen: Auto, iPhone, Klo, laut, leise, lange Reise, mit Stresspegel und auch entspannt bei einem Glas Wein.
Eine ganz eigene Welt tut sich auf, sobald man mit „Awakening The Elder God“ die Lautsprecher füttert. Der majestätische Breitwandsound, welchen das Intro bildet, schafft eine herrliche Grundlage für das anschließende Thrash-Gewitter. Zum Einstieg ist der Song schonmal ganz nett, aber da geht noch was. „Attack Of The Insidious Invader“ bietet einfach mehr fürs verwöhnte Ohr. Ein erstklassiger Spannungsbogen, gepaart mit guten Hooks und Melodiebögen sowie saftigen Riffs lässt keine Wünsche aufkommen. So reiht sich Perle an Perle und ich bin mir nicht sicher, ob ich „The Abominable Master Gruesome“, welches schön nach dem „Rust In Peace“-Album von MEGADETH klingt, oder „The Thing Without A Name“ als meinen Favoriten küren soll. Die Lieder haben alle etwas Besonders, sie funktionieren einzeln und auch zusammen im Album. Es gibt auch eine Neuaufnahme von SCARLET ANGERs erstem Song überhaupt „Stupid Boy“, welcher 2012 zum 5-jährigen Jubiläum der Band schon einmal neu arrangiert wurde. Hier wurde unter anderem der Songtitel auf Linie gebracht, der jetzt „The Unbelievable Story Of A Stupid Boy“ lautet. Der Song steht allerdings kompositorisch etwas außerhalb des Albums und ist somit der einzige Wermutstropfen, den ich anführen kann.
Das 80er/90er Jahre Gruselcomic Thema ist im Prinzip simpel und lässt genug Raum für schöne, von der Musik geformte Erzählstränge.
Mir fiel als erstes auf, wie brillant und transparent das Album von Anfang an produziert ist. Es öffnet sich eine Bühne, auf der alle Musiker Platz finden.
Beschreiben würde ich die Musik auf „Freak Show“ als eine interessante Mischung aus ORANGE GOBLIN und MEGADETH, mit viel TESTAMENT. Trotz aller Ähnlichkeiten bleiben SCARLET ANGER eigenständig mit hohem Wiedererkennungswert. Melodiös und technisch verspielt, auf den Punkt komponiert. Leicht progressiv, mal Vollgas-Thrash, mal Groove-Monster.
Die Musiker geben den Songs auf dem neuen Album mehr Raum für Melodien und komplexe Songstukturen. Beim Vorgängeralbum herrschte doch eher noch der „Geradeaus-Thrash“ vor, was nicht heißen soll, dass das schlecht war. „Freak Show“ erinnert wegen der vielseitigen Songs ab und zu an PESTILLENCE. Sänger Joe Block (was für ein cooler Name!) setzt seine kräftige und raue Stimme sehr gerne in allen Variationen ein. Vom hohen Kreischen, welches durch Mark und Bein geht, bis hin zu bedrohlichem Growling. Dabei steht der Gesang sehr gut austariert zwischen den Instrumenten und ergänzt diese nahezu perfekt. All das lässt das Album aus der Masse der Veröffentlichungen hervortreten.
Die Gitarrenarbeit von Fred Molitor und Jeff Buchette ist unbedingt hervorzuheben. Sie schwankt zwischen heiterem Thrash-Riffing und doppelläufigen melodiösen Passagen. Gerne wird auch mal die Leadgitarre ausgepackt, welche oft die Richtung vorgibt bzw. die Führung hat und nicht nur schnödes Beiwerk ist, wie bei so vielen anderen Kapellen, welche eher auf Geschwindigkeit setzen. Hier wird das volle Spektrum des Thrash ausgekostet. Der Bass kommt knackig und bildet mit dem jederzeit präzisen und spannenden Schlagzeugspiel eine stabile Grundlage des Albums.

„Freak Show“ hat das Zeug zum Klassiker und das schreibe ich, weil ich dieses gute Stück Musik immer wieder auflegen kann und es beim Hören niemals ermüdet. Ich stelle es in eine Linie mit meinen persönlichen Thrash-Klassikern wie z.B. „Seasons In The Abbys“, „Rust In Peace“ oder „Alice In Hell“. Hut ab, Jungs! (Andreas)


Bewertung:

Andreas9,0 9 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 49:44
Label: MIG Music / Hänsel & Gretel
Veröffentlichungstermin: 18.03.2016

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