blackrain releasedLange ist es schon her, dass ich mein erstes Review für dieses Magazin verfasste, seinerzeit das Debüt der Franzosen. Die spielten damals eine Mischung aus Power Metal und Hardrock, wollen aber heute unter Sleaze eingeordnet werden, angesichts des Outfits passt das schon mal. Seitdem habe ich die Truppe aber irgendwie aus den Augen verloren, doch nun liegt eine neue Scheibe auf meinem Schreibtisch. Es scheint, als ob BLACK RAIN tatsächlich meinem Wunsch nachgingen, kürzere Songs zu schreiben und diese nicht zu überfrachten. Auch beim Blick auf die Spielzeiten der letzten Alben war das da bereits der Fall, ob das jetzt nun an mir lag, wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall war ich auf die Entwicklung gespannt, die sie bis „Release“ hinter sich gebracht haben, welches nun auf einem größeren Label erscheint.

Optisch ist das auf alle Fälle Ende der Achtziger zu verorten, wie sich die Jungs auf den Promophotos heraus geputzt haben. MOETLEY CRÜE in ihrer „Dr. Feelgood“-Phase oder aktuell HARDCORE SUPERSTAR fallen einem da als erstes ein. Die L.A.-Legende scheint dann auch bei „Puppet On A String“ gehörig durch, vom Rhythmus her als auch vom Gesang könnte man durchaus auf die jüngst den Hut nehmenden schließen. Gut, wer will darf auch gerne POISON als Querverweis hinein interpretieren, in Sachen nasaler Gesang gaben sie sich gegenüber der Crüe nicht viel, und auch musikalisch gibt es durchaus Parallelen.

Die Berührungspunkte sind in Songs wie „Home“ sofort heraus zu hören, klingt die Nummer mit den swingenden Klampfen in der Strophe doch arg nach „Don´t Go Away Mad, Just Go Away“. Noch mehr Glam bieten die Franzosen in der Siebziger-Hommage „Run Tiger Run“, während „Electric Blue“ den Bogen zum Pop von CHEAP TRICK spannt. Knallige Arrangements setzt man vor allem bei „Killing Me“, in dessen Refrain die Double Bass überraschend aber nicht unpassend durchgetreten wird.
Auch in den härteren Stücken sind die Einflüsse nicht zu verleugnen, schon zu Beginn erinnern die punkigen Anleihen von „Back In Town“ an die derzeitigen Szeneführer aus Schweden. Ist hier noch der Bass recht präsent, so herrschen im folgenden „Mind Control“ die Leadfills. Ein wenig abgefahrener geht es in „Eat You Alive“ zu, der treibende Refrain geht sofort ins Ohr, die psychedelischen Einschübe verweisen eher auf „Rocks“ von AEROSMITH. Und das spaßig-ironische „Rock My Funeral“ bietet simplen Fun-Punk.

Richtig stark sind die Vier aber vor allem immer dann, wenn sie auf Melodien setzen, das wer schon beim Debüt so. Gerade weil es ihnen gelingt, tolle Powerballaden zu schreiben, die ein wenig abseits der Norm wandeln. „Words Ain´t Enough“ überzeugt mit ein paar interessanten Keyboardeinsätzen und schöner Atmosphäre. Von der lebt auch das rockige „For Your Love“, welches mit der Dynamik spielt, ebenso wie „Fade To Black“. Diese Ballade fängt gemächlich mit Pianoklängen an, steigert sich dann aber zur Hymne, das Gleiche gilt für „Our Last Prayer“, das aber ein bisschen zu schunkelselig daher kommt.

Von der Attitüde und den Songs her kann man BLACK RAIN keinen Vorwurf machen, hier stimmt vieles. Dies war schon auf ihrem Erstling der Fall, trotz der von mir angesprochenen Makel, denn spielen konnten die Truppe schon damals. Nur in Sachen Sound und Produktion hätte man in den vergangenen acht Jahren ein wenig nachbessern können, denn gerade der Schlagzeugsound klingt etwas dünn Volumen. Zwar hätten auch die Gitarren ein wenig mehr Volumen vertragen können, die wissen sich aber noch zu behaupten.
Nach so vielen Jahren im Geschäft und Tourneen rund um den Globus müsste man seine Erfahrung besser einbringen können. Dazu erscheinen die einzelnen Titel etwas uneinheitlich, als ob sie in mehreren Sessions aufgenommen wurde. Selbiges gilt für die Qualität der Kompositionen, die ebenfalls Schwankungen unterworfen ist, insbesondere die schwächeren leiden unter der geringen Durchschlagskraft des Klangbilds. So bleibt am Ende ein Album, das richtig Spaß macht, von dem ich mir aber mehr erhofft habe. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer6,0 6 / 10


Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 52:47 min
Label: UDR Music
Veröffentlichungstermin: 25.03.2016

 

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