borknagar winterthriceEigentlich sollte „Winter Thrice“ ja schon im letzten Jahr, passend zum 20jährigen Bandjubiläum, erscheinen. Doch der Erscheinungstermin musste weit nach hinten geschoben werden, denn noch während den Aufnahmen hatte Andreas Hedlund alias Vintersorg einen Unfall, bei dem er sich schwere Kopfverletzungen zuzog in deren Folge er sogar auf einem Ohr taub war. Wohl mit das schlimmste, was einem Musiker passieren kann. Erst durch eine Operation konnte sein Gehör wieder hergestellt werden und die Aufnahmen am Album endlich weiter gehen. Denn die Band hatte sich entschieden, auf ihr Mitglied zu warten.

Was man nicht unbedingt hätte tun müssen, immerhin haben BORKNAGAR ja gleich drei gute Sänger. Und als wären drei Sänger nicht schon ungewöhnlich genug, haben die Norweger auf dem neuen Album sogar vier Sänger am Start. Denn Originalsänger Kristoffer "Garm" Rygg, der die Band nach dem zweiten Album „The Olden Domain“ verlassen hatte, ist zwecks Jubiläumsfeier auch auf diesem Album zu hören. Ursprünglich war sein Einsatz nur bei einem oder zwei Songs als eine Art Bonus geplant, am Ende liefert er einen fantastischen Job ab und ist auch im Video zu „Winter Thrice“ zu sehen (und wer sich fragt, warum Vintersorg da so dazugebastelt aussieht und er auch nicht auf den Bandfotos zu sehen ist: Striktes ärztliches Reiseverbot).

Mit „Urd“ haben BORKNAGAR vor vier Jahren (ist das wirklich schon so lange her? Bei mir läuft das Album noch immer hoch und runter) ein Werk vorgelegt, das schwer zu toppen sein wird. „Urd“ ist einfach zeitlos, mächtig, bombastisch, toll. Und da ist „Winter Thrice“ bei den ersten Hördurchgängen irgendwie enttäuschend. Man vermisst einfach Songs wie „Roots“ oder „Mount Regency“. Am Ende dann aber doch nur, weil man mit einer falschen Erwartungshaltung an das Album herangegangen ist. Denn BORKNAGAR machen nicht, was man von ihnen erwartet.

Und so ist „Winter Thrice“ trotz der noch immer vorhandenen Black Metal-Elemente, trotz einer Armada von drei bis vier Sängern ein eher ruhiges Album geworden. Wirklich schnell wird man selten, überhaupt bewegt man sich meist eher in gemäßigten Gefilden. Dafür hat man wie immer gerne experimentiert. Hat das letzte Album deutliche Anleihen an die guten alten 70er, so kann man hier immer wieder auch leichte Elektroelemente ausmachen, wie z.B. in „Cold Runs The River“. Oder auch im doch sehr experimentellen „Panorama“, mit seinen intensiven Keyboardparts, das dann aber doch zum Ohrwurm wird.

Und im anschließenden „When Chaos Calls“ bekommt man nach einem kurzen Klavierintro auch die tägliche Dosis Black Metal. Stark ist auch der Titelsong „Winter Thrice“. Die unterschiedlichen Sänger drängen die Instrumente hier immer wieder in den Hintergrund und lassen den Song sehr ruhig wirken. Insbesondere die Gesangsparts von Kristoffer Rygg stechen hier heraus und kontrastieren schön die Vintersorg’schen Growls.

Am Ende haben BORKNAGAR wohl das Beste gemacht, was sie machen konnten. Anstatt das starke „Urd“ zu kopieren, haben sie wieder etwas ganz eigenes kreiert, haben ihren ganz eigenen Stil weiter verfeinert, lassen den Black Metal noch ein Stück weiter hinter sich, ohne ihn jedoch auch nur bei einem Song zu vergessen. „Winter Thrice“ ist deutlich progressiver, ja sperriger als „Urd“ und hat auch nicht die mächtigen Ohrwürmer, über die das Vorgängeralbum verfügte. Dennoch ist auch „Winter Thrice“ wieder ein starkes Album geworden. Eben auf seine Weise. (Anne)

Bewertung:

Anne7,5 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 49:37 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 22.01.2016

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