blurredvision organizedinsanityBLURRED VISION sind eine junge, dreiköpfige Progrockband aus Kanada, die ihren relativ schnellen Aufstieg vor allem der Tatsache verdanken, daß PINK FLOYD-Gründer Roger Waters sich für die Band eingesetzt hat und sie so auch im Vorprogramm von URIAH HEEP auftreten konnten. Bekannt sind sie bisher allerdings eher im englischsprachigen Raum. Doch die Attribute Prog, Rock, Psycheldelic ließen mich hellhörig werden und so will ich mir diese Band, von der ich noch nie etwas gehört habe, doch mal etwas näher zu Gemüte führen.

Was ich schon gleich schade finde: Anhand der Songtitel kann man ja schon ersehen, daß die meisten Texte wohl eher sozialkritisch sind. Leider behält man die Texte dann aber für sich. Weder in der Digipak-Version des Albums, noch auf der Homepage der Band findet man die Texte. Schade.

Doch nun zur Musik: Insgesamt ist „Organized Insanity“ mehr Rock als Prog und Psychedelic, auch wenn man durchaus mal Elemente einbaut, mit denen der Hörer jetzt nicht unbedingt gerechnet hat, wie z.B. die Trompeten in „No More War“, die dem ganzen einen leicht jazzigen Anstrich verleihen. Der Song geht gut ins Ohr, swingt leicht vor sich hin und paßt damit so gar nicht zum ernsten Text. Eine Diskrepanz, die mich verwirrt.

Auch sonst geht man eher Richtung Blues und rockt recht sanft vor sich hin. Immer wieder findet man auch Anleihen bei den BEATLES, und mit „Dear John“ ist ein Song auch John Lennon und insbesondere seinem Einsatz für Weltfrieden gewidmet. Verstörenderweise klingt dieser Song aber am wenigsten nach den BEATLES, sondern eher nach der KELLY FAMILY. Hätte man schöner umsetzen können. Auch hier stehen Text und Musik irgendwie im Gegensatz zueinander. Schön sind aber die vielen textlichen Anspielungen auf die Beatles, die mich etwas an die Texte von Per Gessle (ROXETTE) erinnern.

Die meisten Songs rocken locker flockig, ja fluffig vor sich hin, mal mit Vogelzwitschern, mal mit Streichern und zwischendrin auch mal mit Elektrosounds gewürzt. Gerne lehnt man sich an den Sound der 70er an und bringt so jede Menge sehr gefällige Songs für ruhige Stunden zustande, die auch meist sofort ins Ohr gehen. Und erst beim Mitsingen merkt man dann, wie kritisch die Texte eigentlich sind. Der Wolf im Schafspelz?

Der einzige Ausbruch in rockigere Gefilde ist „Promise“ der von Anfang schön hart rockt und auch noch eine Elektropopnote verpaßt bekommt. Über dem ganzen liegt schöner, ruhiger Gesang, was eine ziemlich coole Kombination ergibt. Und zum Ende hin wird der Song sogar noch besser. Auch „All I Wanted“ ist ein klein wenig härter ausgefallen als der Rest des Albums und begeistert auch mit dem leichten BEATLES-Touch. Damit ist dieser Song auf jeden Fall mein Favorit auf dem Album.

Den Titelsong, „Organized Insanity“, findet man erst ganz am Ende der Scheibe. Gleichzeitig ist es auch der längste Song und er beginnt mit ausgesprochen sphärischen Klängen. Auch wieder ein schön ruhig rockender Song, der sofort ins Ohr geht und der auch einen Tick an die britischen Folker SKYCLAD erinnert.

Damit ist „Organized Insanity“ ein schönes Progrockalbum geworden, das man wohl insbesondere in den ruhigeren Stunden auflegen wird. Alleine schon wegen der eher melancholischen Texte, die nicht immer zur fröhlichen Musik passen. Alles in allem aber ein mehr als ordentliches Debüt. Mir persönlich einen Ticken zu ruhig, etwas rockiger hätte es schon sein dürfen. Ausfälle findet man auf diesem Album jedoch nicht und so bin ich mal gespannt, was wir von dieser Band noch hören werden. (Anne)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 47:50 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 06.04.2015

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