Anthrax - Spreading The DiseaseSchon vor sechs Jahren konnten mich ANTHRAX mit der Neuauflage von „Among The Living" begeistern. Der Sound der alten ANTHRAX-Scheiben ist überwiegend recht bescheiden. Bereits mit „The Greater Of Two Evils" zeigte die Band, dass die Alben dennoch sehr starkes Songmaterial beinhalten. Ob sich die Anschaffung der 30-jährigen-Jubiläumsversion lohnt, erfahrt ihr hier.

Der Sound ist zwar immer noch nicht bahnbrechend, aber wie sollte das auch möglich sein? Ein schlechter Schlagzeugsound bleibt auch beim Remastern ein schlechter Schlagzeugsound. In der Regel werden ja sowieso nur die Regler hochgeschoben. Dennoch klingt „Spreading The Disease" im Remastered-Gewand druckvoller, auch wenn Gesang und Schlagzeugsound immer noch stark zu wünschen übrig lassen. Doch der Sound alleine macht noch kein gutes Album aus, und das ist „Spreading The Disease" definitiv.

Das zweite Studioalbum der Bandkarriere mit einem grandiosen Einstand von Joey Belladonna. „A.I.R." ist der perfekte Opener und hat auch 2015 noch kein bisschen Power verloren. Auch wenn „Lone Justice" nicht der beste Song der Platte ist, überzeugt auch dieser durch sein cooles und abwechslungsreiches Tempo. Mit „Madhouse" folgt gleich der nächste Klassiker, der allein schon durch das legendäre Intro punktet. Kein Wunder, dass sich der Song auch heute noch in der Setlist befindet. Das darauf folgende „S.S.C. / Stand Or Fall" kommt mit orientalischem Intro daher, bevor ANTHRAX eine Speed-Welle lostreten, ein ziemlich unterschätzter Gassenhauer. Zumindest bei „The Enemy" klingt der Drumsound etwas mächtiger als bei den anderen Songs, hauptsächlich begeistert das Stück durch seinen Rhythmus. Mit „Aftershock" folgt das nächste rasende Stück der Platte, bevor mit dem ruhigeren „Armed And Dangerous" erst mal verschnaufen angesagt ist. Auch heute noch einer meiner Favoriten; schade nur, dass er live nicht mehr zum Zug kommt. Mit „Medusa" und dem mörderischen „Gung-Ho" beschließen ANTHRAX das Album, welches die Band zum Teil gerne als ihr Debüt anerkennen würde - ein starkes Stück Thrash-Metal. Auch wenn ihnen der richtige Durchbruch erst mit „Among The Living" gelungen ist, merkt man „Spreading The Disease" bereits deutlich an, welche Möglichkeiten die Band durch Belladonna bekam.

Die Bonustracks sind bei der Neuauflage eine etwas schwierige Sache. Auf der einen Seite gibt es interessante Songs, wie das Belladonna-Demo von „Medusa". Laut Drummer Charlie Benante soll sich die Band nach diesem dazu entschieden haben, Joey an Bord zu nehmen. Auf der anderen Seite acht Rhythmustracks, die zwar sehr amüsant sind, aber selbst für Hardcore-Fans recht uninteressant sind (...). Wären da nicht noch die acht Livesongs von einer Tokyo-Show aus dem Jahre 1987, hätte man fast schon annehmen können, der Re-Release wäre nicht lohnenswert.

Das von Charlie Benante aufgebesserte Bootleg ballert ordentlich und zeigt eine extrem starke, hungrige und vor allem schnelle Band. Auch wenn die Show soundtechnisch nur auf höherem Bootleg-Niveau liegt, sollte sich das kein ANTHRAX-Fan entgehen lassen. Man ist hautnah dabei, wenn Joey Belladonna die Massen animiert, die Band mit „Gung Ho" den Bau abreißt und das Publikum völlig ausrastet. Fast die gesamte „Spreading The Disease" wurde den Fans präsentiert, dabei stammen lediglich „Metal Thrashing Mad", „Howling Furies" und „Soldiers Of Metal" vom Erstling. Bis auf „Metal Thrashing Mad" werden diese Songs heute nicht mehr gespielt. Ein weiterer Pluspunkt für die Neuauflage. Einzig „Deathrider" vermisse ich vom Debütalbum.

Der neue Sound, wenn auch nicht perfekt, hebt „Spreading The Disease" auf ein neues Level, und das Album überzeugt auch im Jahre 2015. Die Bonus-CD kann durch die Live-Tracks punkten, enttäuscht aber ein wenig mit den überflüssig wirkenden Rhythmus-Tracks. Neben den erwähnten Pluspunkten kann die Veröffentlichung mit einer coolen Aufmachung punkten. Hier hat die Band ihr Fotoarchiv geöffnet und einige Bilder im Digipak abgedruckt. Ein Booklet mit den Lyrics und einem kurzen Text zum Album ist ebenfalls enthalten.

ANTHRAX-Fans werden bei diesem Release sowieso zuschlagen, all denen, die das Album bisher noch nicht hatten, kann ich es nur empfehlen. Auch die Neuauflage von „Spreading The Disease" überzeugt, darüber hinaus überbrückt es die Zeit zur neuen Platte im Februar. Und für die Live-Songs der zweiten Platte gilt: „It's A Madhouse"! (Pascal)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 10 (CD1) / 17(CD2)
Spielzeit: 48:52 min (CD1) / 81:04 min (CD2)
Label: Universal Music
Veröffentlichungstermin: 20.11.2015

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Anmelden

Neckbreaker präsentiert

Neckbreaker auf Facebook

nb recruiting 2015

nb forum 2015

nb gallery 2015