ektomorf aggressorQuo vadis, EKTOMORF? Diese Frage kann und muss man sich durchaus stellen, wenn man sich die Entwicklung der Kariere der Band seit ihrer Gründung im Jahr 1994 einmal genauer betrachtet. Legten die Ungarn mit Werken wie „Instinct" (2005) und vor allem „Outcast" (2006) wirklich sehr gute Alben vor, so ging es spätestens ab der im Jahre 2009 veröffentlichten Scheibe „What Doesn't Kill Me" mit jeder neuen Veröffentlichung musikalisch ein weiteres Stück bergab. Bis dann, meiner Meinung, und da werden mir wohl viele Fans der Band zustimmen, mit „The Acoustic" 2012 der Gipfel der Peinlichkeit erreicht war. Da konnte auch das kurz darauf veröffentlichte „Black Flag" nicht mehr viel retten.

Erst mit dem im letzten Jahr veröffentlichten „Retribution" konnten Zoltán „Zoli" Farkas (Gitarre, Gesang), Szabolcs Murvai (Bass), Robert Jaksa (Schlagzeug) und Tamás Schrottner (Gitarre) ein wenig Wiedergutmachung betreiben, kehrten sie doch mit ihrem zwölften Album wieder ein wenig mehr zu ihren Ursprüngen zurück.

Mit „Aggressor" erscheint nun dieser Tage das bereits dreizehnte Studiowerk von EKTOMORF und so langsam fragt man sich wo die Reise hingeht. Natürlich ist es unfair die Gruppe weiterhin mit SOULFLY zu vergleichen und nach all den Jahren hinkt dieser Vergleich mittlerweile auch ganz gewaltig, doch ebenso wie bei den Brasilianern ist der ursprüngliche Exotenbonus mittlerweile bereits lange weggefallen. Und so prügeln sich EKTOMORF, auf der erneut von Tue Madsen produzierten Scheibe, in gewohnter Manier durch die Songs.

Hierbei fällt auf, dass auf „Aggressor" der Folkloreanteil wieder ein wenig stärker ist als auf den Vorgängern. Und mit Stücken wie „I" und dem mit Unterstützung von CANNIBAL CORPSE Sänger George „Corpsegrinder" Fisher eingespielten „Evil By Nature" können die Musiker dann zumindest auch teilweise überzeugen. Die Kurve bekommen sie aber auch mit Album Nummer 13 nicht. Dafür ist ihr Songwriting einfach zu unkreativ. Bei den 13 Stücken, die ihren Weg auf „Aggressor" gefunden haben, hat man immer wieder das Gefühl, dass Farkas und der Rest der Mannschaft nur ein einziges Riff beherrschen und dieses dann bis zum Erbrechen wiederholen. Auch die Arbeit von Robert Jaksa an den Drums ist, mit Verlaub, schlicht und ergreifend indiskutabel. Packt „Zoli" dann noch wie bei „Emotionless World" einmal mehr den Klargesang aus, wünscht man sich der Mann würde endlich einmal die Dienste eines Gesangslehrers in Anspruch nehmen.

Richtig nervig wird es aber ein weiteres Mal beim Thema Texte. Nach 13 Alben sollte wohl auch der Letzte begriffen haben, dass die englische Sprache und der EKTOMORF Frontmann nicht gerade die dicksten Kumpels sind, und anfangs hatte dieses holprige Englisch sicher noch einen gewissen Charme, aber langsam wird es peinlich. Das fällt einem besonders bei der das Thema Holocaust behandelnden Nummer „Holocaust" auf, die wohl lange Zeit das schlechteste Stück, das je zu dem Thema verfasst wurde, bleiben wird.

Was weiterhin sehr unangenehm auffällt, ist die Tatsache, dass Farkas sich in seinen Texten immer wieder über dieselben Themen auslässt. Man könnte glatt meinen der Mann hätte ein wirklich mieses Leben. Mittlerweile weiß wohl so ziemlich jeder, der nicht gerade hinter dem Mond lebt, dass der Sänger zur Minderheit der Roma gehört und wie vor allem in Ungarn und auf dem Balkan mit diesen Menschen umgegangen wird, ist traurig und beschämend. Weshalb die Wut, die der Mann in seinen Texten herausschreit, auch gerechtfertigt ist. Das Problem ist lediglich, dass er das seit mittlerweile 13 Alben tut und es mittlerweile wirklich ermüdend wird.

Um es kurz zu machen, auch auf „Aggressor" bieten einem EKTOMORF einmal mehr nichts anderes als in den Jahren vor „Retribution" und das ist und bleibt musikalisches Mittelmaß. So kann die Band sich bei Tue Madsen bedanken, der ihr zumindest einen ordentlichen Klang verpasst hat. (Matthias)

Bewertung: 6 / 10

Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 46:49 min
Label: AFM Records
Veröffentlichungstermin: 23.10.2015

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